Schweinfurt:Sektenführer wegen Vergewaltigung vor Gericht

Schweinfurt: Am Montag beginnt vor dem Landgericht Schweinfurt der Prozess gegen einen Mann, der eine Frau mehrfach vergewaltigt haben soll - unter dem Vorwand, sie von einem "Dämon" befreien zu wollen.

Am Montag beginnt vor dem Landgericht Schweinfurt der Prozess gegen einen Mann, der eine Frau mehrfach vergewaltigt haben soll - unter dem Vorwand, sie von einem "Dämon" befreien zu wollen.

(Foto: Daniel Vogl/dpa)

Ein Mann soll in einer unterfränkischen Gemeinschaft eine Frau missbraucht haben, um ihre Dämonen auszutreiben. Die Gruppe ist schon länger im Visier der Polizei.

Körperliche Misshandlungen, Vergewaltigungen gegen böse Mächte: Ein "geistiger Führer" einer alternativen Wohngemeinschaft in Unterfranken wollte so nach Darstellung der Staatsanwaltschaft Schweinfurt eine von Dämonen besessene Frau befreien. Von Montag an verhandelt das Landgericht Schweinfurt gegen den 1982 geborenen Mann.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Angeklagte sein Opfer im vergangenen Mai brutal misshandelte und missbrauchte. Den Ermittlern zufolge soll der Mann seine frühere Verlobte mehrmals bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben.

Beim Geschlechtsverkehr sollte die Frau laut Anklage unter anderem einen hasserfüllten Dämon spielen, den der Mann ihr austreiben wollte. Bei einer mehrtägigen Party, bei der auch Drogen genommen worden sein sollen, soll der Verdächtige zudem behauptet haben, sein Opfer sei von Dämonen auf die Welt geschickt worden, um ihn zu vernichten. Für den Prozess sind bis Anfang April insgesamt acht Verhandlungstage angesetzt.

In der Wohngemeinschaft leben nach deren Angaben ein bis zwei Dutzend Menschen. Ziel sei es, Menschen auf ihrem Weg der Heilung und des Wachstums zu unterstützen. Was genau damit gemeint ist, ist unklar. Laut Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte in der Gemeinschaft die Stellung eines "geistigen Führers".

Der Sektenbeauftragte der evangelischen Landeskirche, Matthias Pöhlmann, der die Wohngemeinschaft vor ein paar Jahren besuchte und mehrfach mit ehemaligen Mitgliedern sprach, bezeichnet die Gruppe als sozial-utopische Gemeinschaft. Autoritärer Führungsstil, Gruppendruck, Verlust der Intimsphäre, stundenlange Tribunale, bei denen sich Einzelne rechtfertigen müssten - davon hätten ihm ehemalige Mitbewohner berichtet, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Besonders kritischen Mitgliedern sei der Rausschmiss angedroht worden, sagte Pöhlmann. Die vielen Anfragen von Ehemaligen an ihn zeigten: "Das sind klare Faktoren für die Konfliktträchtigkeit der Gruppe."

Seit Jahren beschäftigt der Verein immer wieder die Polizei. Zeugen schilderten bei Ermittlungsverfahren nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft, dass gegenüber Gemeinschaftsmitgliedern zur Erreichung bestimmter Verhaltensweisen ein gewisser psychischer Druck aufgebaut worden sei. Mitgliedern sei nahegelegt worden, die Gruppe zu verlassen, wenn sie sich aus Sicht der Gemeinschaft außerhalb der Gemeinschaftsregeln bewegten. "Solche Einwirkungen sind jedoch strafrechtlich nicht relevant", teilte die Behörde Ende 2021 mit.

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