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Stromerzeugung:Nur noch ein neues Kraftwerk an der Salzach geplant

Im Tittmoninger Becken ist der Grenzfluss Salzach schon seit Ende des 19. Jahrhunderts in ein genau definiertes Bett gezwängt.

(Foto: Land Oberösterreich/GWB Braunau)
  • Österreich und Bayern halten aktuell nur ein neues Querbauwerk unterhalb der Laufener Enge für erforderlich, zwei weniger als ursprünglich geplant.
  • Die Salzach gilt auf den mehr als 50 Kilometern zwischen Freilassing und Burghausen als letzter unverbauter Voralpenfluss in Bayern.
  • Für die Naturschützer ist das eine gute Nachricht - sie stemmen sich schon lange gegen alle Kraftwerkspläne.

Wozu die bilateralen Beschlüsse von 1873 führen können, hat die Salzach erst vor ein paar Tagen wieder vorgeführt. Bayern und die Österreich hatten ihrem Grenzfluss einst einen klar definierten Lauf von genau 60 Wiener Klaftern Breite verordnet, und durch dieses 114 Meter breite Flussbett rauscht das Wasser seither wie durch einen Kanal Richtung Inn, wenn es in den Bergen stärker regnet. Entsprechend stieg der Pegel Burghausen neulich innerhalb weniger Stunden um stolze vier Meter, das Wasser schwappte an einigen Orten über die Uferwege. Zugleich nagt das Hochwasser jedes Mal an der Sohle, der Fluss fräst sich immer tiefer in sein brüchiges Bett. Über Gegenmaßnahmen wird seit langem diskutiert, über neue Staumauern ebenso. Immerhin zwei von drei möglichen Kraftwerken sind nun aber vorerst vom Tisch.

Denn die beiden Verhandlungspartner von 1873 haben inzwischen wieder zu einem Konsens gefunden. "Österreich und Bayern stimmen überein, dass aus flussbaulichen Gesichtspunkten aktuell nur ein Querbauwerk unterhalb der Laufener Enge erforderlich ist", sagt ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums und betont zugleich: "Neue Querbauwerke nur aus Gründen der Wasserkraft wird es nicht geben." Für den Bund Naturschutz und die Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach (ALS) sind das erst einmal gute Nachrichten. Sie stemmen sich schon seit Jahrzehnten gegen alle Kraftwerkspläne für die Salzach, denn diese gilt ihnen auf den mehr als 50 Kilometern zwischen Freilassing und Burghausen trotz des kanalartigen Betts als letzter unverbauter Voralpenfluss in Bayern.

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Dass Behörden und Politik nun nur noch eine neue Rampe für notwendig halten, sehen die Naturschützer als gute Gelegenheit für einen größeren Wurf: "Eine Jahrhundertchance für die Wiederherstellung dynamischer Fluss- und Auenverhältnisse" nennt das ALS-Sprecher Gerhard Auer. Der Vorsitzende des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Hubert Weiger, verlangt, die Sanierung müsse "naturnah und mit so wenig Querverbauungen wie möglich erfolgen". Weigers Nachfolger als BN-Landesvorsitzender, Richard Mergner, verweist auf den Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freien Wählern, den es nun umzusetzen gelte. "Die Wasserkraft in Bayern ist gut ausgebaut. Hier sehen wir Potenzial bei der Nachrüstung und Modernisierung bestehender Kraftwerke, um mehr Leistung ohne neue Eingriffe in die Natur zu erhalten", steht in diesem Vertrag, was Mergner als vollständigen Verzicht auf neue Kraftwerke deutet.

Gleichwohl betont das Umweltministerium in München, dass sich die Staatsregierung "klar für eine Nutzung der Salzach im Tittmoninger Becken zur Stromerzeugung durch Wasserkraft ausgesprochen" habe. An einen älteren Kabinettsbeschluss dazu sieht sich auch die Koalitionsregierung gebunden. Auch dieser Grundsatzbeschluss galt nur für Querbauwerke, die ohnehin entstehen sollen. Geht es nach dem BN und der ALS, dann soll es an der Salzach aber höchstens zwei flache Rampen geben, die sich nicht für ein Kraftwerk eignen.

Denn die Verbände setzen sich für die "Naturflussvariante" ein, die Martin Donat als "Umweltanwalt" der oberösterreichischen Landesregierung entwickelt hat. Demnach soll sich die Salzach im Tittmoninger Becken zwischen Laufen und Burghausen auf viel größerer Breite frei entfalten, Kiesbänke aufschütten und umlagern und ihre Auwälder wieder überfluten können. Von all dem versprechen sich die Verbände positive Effekte auf die Tier- und Pflanzenwelt, auf das Grundwasser, und auf den Hochwasserschutz.

Die Behörden zweifeln an der Naturflussvariante

Zugleich mache die Naturflussvariante die Salzach für Einheimische und Touristen besser erlebbar. Mit diesen Perspektiven wiederum erhoffen sich die Verbände mehr Unterstützung aus der Region, wie sie sie zuletzt vom Altöttinger Landrat Erwin Schneider und dem dortigen Landtagsabgeordneten Martin Huber erhalten haben. Beide CSU-Politiker hatten sich klar gegen neue Kraftwerke an der Salzach ausgesprochen. Dies müsse nun auch in München Gehör finden, fordert BN-Chef Mergner.

Allerdings haben die Behörden, allen voran das zuständige Wasserwirtschaftsamt in Traunstein, gewisse Zweifel an der Naturflussvariante. Denn abgesehen davon, dass speziell auf der bayerischen Seite die nötigen Flächen überwiegend privaten Eigentümern gehören, müsste der Salzach mit der Naturflussvariante in regelmäßigen Abständen und auf unabsehbare Zeit hinaus künstlich Kies zugeführt werden. Denn wenn sich der Fluss erst einmal durch sein Kiesbett gefressen hat, dann hat der darunter liegende weiche Seeton der Kraft des Wassers wenig entgegenzusetzen. Es drohen Sohledurchbrüche, wie es sie bereits mehrmals gegeben hat.

Das Geschiebe ist ein zentraler Faktor bei allen Überlegungen. Nach den neueren Erkenntnissen des Wasserwirtschaftsamts bringt die Salzach aus ihrem Oberlauf inzwischen wieder mehr Geschiebe mit als lange vermutet, obwohl dort in Österreich ein Kraftwerk auf das andere folgt. Bei Bad Reichenhall wird immer wieder Kies in die Saalach gebaggert, der irgendwann auch in der Salzach ankommt. Im Freilassinger Becken oberhalb von Laufen hat das Amt bereits eine flache Rampe ohne Kraftwerk geschaffen und die Uferbefestigung gelockert, um dem Fluss mehr Raum und mehr Material zu geben. Weil all dieser Kies das Flussbett stabilieren hilft, kommt Behördenleiter Walter Raith zu dem Schluss, dass es zumindest für die nächsten Jahrzehnte mit nur einem größeren Eingriff unterhalb der Salzachschleife bei Laufen getan sein könnte.

Dort aber soll entweder eine sogenannte Sohlrampe entstehen, um den Fluss zu bremsen und seine Kraft zu bändigen - oder eben gleich ein Flusskraftwerk, wie es dem Grundsatzbeschluss der Staatsregierung entspräche. "Die Entscheidungsgrundlagen dafür sollen noch 2019 vorliegen", teilt das Umweltministerium mit. Beide Varianten wollen Raith und seine Planer wiederum mit einer begrenzten Aufweitung des Flussbetts flankieren, wie es sie auch ein Stück salzachabwärts bei Tittmoning geben soll.

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