Open-Air in Nürnberg Manche Festivalbesucher gönnen sich etwas Luxus im Doppelzelt

Weil einige der dargebotenen Songs aber erst auf dem neuen Album Ende Juni erscheinen, etwa "Tranz" vom Beginn des Sets, hat das Publikum diesmal auch nicht die Gelegenheit, Textsicherheit und Sangeslust zu einem so außergewöhnlichen Kollektiverleben zu paaren wie bei den Foo Fighters. Davon abgesehen bleibt aber auch dieser Auftritt ein würdiger Abschluss des ersten von drei herrlichen Festivaltagen. Zumal es für die Hartgesottenen auf der dritten Festivalbühne in der Halle noch einen kräftigen Nachschlag der schwedischen Metalband Meshuggah gibt.

Etwa 80 Bands, von der altgedienten Punkband Bad Religion, deren durchgestrichenes Kreuz als Bandlogo gerade in Bayern eine neue Aktualität erfährt, bis zum britischen Progrocktrio Muse, gestalten ein vielseitiges Programm, das den Begriff Rock nicht so sehr als Musikgenre, sondern vielmehr als ein Lebensgefühl begreift. Das wird dann auch von Hip-Hop-Formationen wie Trailerpark oder Antilopen Gang auf sehr unterschiedliche Weisen freigesetzt.

Einige lassen sich solches Lebensgefühl allerdings für zusätzlich zum Eintrittspreis zu zahlende 480 Euro und mehr versüßen, weil sie dafür ein bereits aufgestelltes Doppelzelt mit Luftbetten und Campingmöbeln, Frühstück, Duschen und echten Toiletten statt der Dixi-Klos in einem bühnennahen Terrain mit W-Lan erhalten. Zudem bekommen sie dafür ein Einlassbändchen, das ihnen den Zugang zu den ersten beiden Wellenbrechern vor den Bühnen garantiert. Insofern die Klientel, die solches Luxusangebot bedient, andernfalls ein Hotelzimmer gebucht hätte, ist der Aufpreis übrigens gar nicht so hoch.

Allerdings spaltet solches Angebot auch eine Rockgemeinde, die über zahlreiche Festivals zusammengewachsen ist. Denn natürlich stößt es einigen Besuchern auf, wenn sie nicht die kürzeren Wege zu den Bühnen nutzen dürfen, die nur privilegierten Besuchern zur Verfügung stehen. Und es ärgert einige, wenn diese nun mit ihren Einlassbändchen vorbeigelassen werden, derweil die Ordner die anderen Besucher aus Sicherheitsgründen nicht mehr in die vorderen Bereiche lassen dürfen.

Zum Glück ist solcher Ärger aber schnell verpufft. Mitarbeiter der mobilen Jugendarbeit der Stadt Nürnberg achten zudem darauf, ob junge Menschen Hilfe brauchen. An ihrer eigenen Bar serviert die mobile Jugendarbeit alkoholfreie Cocktails zu geringen Preisen. Gerade solche Unterstützung, die die Festivalbetreiber von der Stadt erhalten, trägt zur friedlichen Gesamtstimmung bei.

"Bevor wir uns den guten Namen versauen, lieber nicht"

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