Miesbacher Amigoaffäre Ex-Landrat Kreidl: Wollte nur das Beste für den Landkreis

Er habe sich auf die Erfahrung der Sparkassenchefs verlassen, sagt der frühere Landrat Jakob Kreidl (Mitte) beim Prozessauftakt vor dem Landgericht.

(Foto: dpa)
  • Der ehemalige Miesbacher Landrat Jakob Kreidl (CSU), der frühere Sparkassen-Chef Georg Bromme und zwei weitere Männer sind unter anderem wegen Veruntreuung und Steuerhinterziehung angeklagt.
  • Beim Prozess vor dem Landgericht München betonen Kreidl und Bromme, nur das Beste für Wirtschaft und den Landkreis gewollt zu haben.
  • Die Staatsanwaltschaft beziffert den Schaden auf etwa eineinviertel Millionen Euro.
Von Matthias Köpf

Die vier Männer sind schon oft beisammen gesessen, wenn es um die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee ging. Schließlich waren drei von ihnen Vorstände der Bank, und der vierte war als Landrat zugleich der Vorsitzende ihres Verwaltungsrats. Allerdings waren dienstliche Dinge oft höchstens ein Anlass für die Treffen, die keineswegs immer nur im Landkreis Miesbach stattfanden.

Auch deshalb sitzen der ehemalige Miesbacher CSU-Landrat Jakob Kreidl, der frühere Sparkassen-Chef Georg Bromme, dessen bis heute amtierender Nachfolger und ein weiterer Banker nun wieder zusammen in einem Raum. Teure Weine werden diesmal nicht kredenzt, dafür seitenweise und stundenlang Vorwürfe der Untreue, Bestechung und Vorteilsgewährung, der Vorteilsannahme und der Steuerhinterziehung. Denn seit Mittwoch rollt das Landgericht München II die Miesbacher Amigoaffäre auf.

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In der ersten Reihe sitzen da Kreidl und Bromme, auch jetzt im Gerichtssaal und flankiert von je zwei Verteidigern. Sie verfolgen die Vorwürfe der beiden Staatsanwälte weitgehend ungerührt. Der frühere Landrat hält den Blick auf die Anklageschrift geheftet. Bromme ist im Trachtenjanker gekommen, er sitzt mit einer aufmerksamen Ruhe da, als befände er sich auf einer der Gamsjagden, zu dem er zwei Bekannte in die Reviere der Staatsforsten in Kreuth und am Schliersee eingeladen haben soll, auch das laut Anklage auf Kosten der Kreissparkasse.

An der ungerührten Ruhe ändert sich auch nichts, als Staatsanwalt Jürgen Rohrmüller unter Punkt 16 der Anklage Details zur "Geburtstagsfeier Kreidl" vom August 2012 vorträgt. Diese fast 120 000 Euro teure Festveranstaltung zu Kreidls Sechzigstem in einem Bauernhofmuseum am Schliersee soll zum größten Teil die Sparkasse bezahlt haben. Ein kleinerer Teil des Geldes kam vom Landkreis und nur der geringste Teil von Kreidl selbst. Dass das später bekannt wurde, hat das Fass zum Überlaufen gebracht und den schon wegen Plagiatsvorwürfen um seine Doktorarbeit angeschlagenen Kreidl 2014 die Wiederwahl als Landrat gekostet.

Laut Anklage soll sich die Kreissparkasse unter Bromme auch sonst als großzügig erwiesen haben - auch gegenüber den eigenen Vorständen und Verwaltungsräten, die eine solche Großzügigkeit eigentlich hätten unterbinden müssen, statt davon zu profitieren. Denn die Kreissparkasse wies in den fraglichen Jahren von 2009 bis 2012 zwar Gewinne aus, doch die lagen deutlich unter denen vergleichbarer Sparkassen und unter dem bayerischen Schnitt, dafür lagen die Ausgaben fürs Sponsoring weit darüber. All das muss auch den Verwaltungsräten klar gewesen sein.

Ordentlich Buch geführt wurde aber schon in Miesbach, was sich jetzt in langen Listen mit Details niederschlägt. So soll Bromme in einem persönlichen "Werbekeller" Geschenke gehortet haben, die er unter anderem Vorständen, Aufsehern und gerne auch sich selbst zuteil werden ließ. Tücher mit Hirschmotiv und Messer mit Hirschhorngriff dürften demnach einige Menschen in Miesbach daheim gehabt haben, für andere gab es edles Schreibgerät. Kreidl soll über die Jahre Geschenke im Wert von rund 10 000 Euro erhalten haben, Bromme selbst habe sich für etwa 8000 Euro bedient, unter anderem mit einem Thermo-Hundebett für 228,90 Euro, was auch Brommes Mitangeklagte mit einem maliziösen Lächeln aufnahmen.

Was den gesamten Schaden betrifft, den die Staatsanwaltschaft für die Jahre 2009 bis 2012 mit etwa 1,25 Millionen Euro beziffert, fallen diese Geschenke kaum ins Gewicht, auch nicht der allwöchentliche Blumenstrauß im Amtszimmer des Landrats. Schon das soll aber mit viel Geld von der Sparkasse aufgemöbelt worden sein, und es folgten noch zwei weitere Räume im Landratsamt für 180 000 Euro. Ebenfalls schwerer wiegt das Geschäft mit einem Grundstück in Holzkirchen, das die Sparkasse der Gemeinde für 4,2 Millionen Euro abgekauft hat - für den Zuschlag sollen laut Staatsanwaltschaft Spenden von einer halben Million Euro geflossen sein.

Kreidl sagt: Die Affäre habe seine Karriere zerstört

Allein 234 000 Euro soll Bromme ein Beratervertrag eingebracht haben, den ihm sein Nachfolger und Kreidl laut Staatsanwaltschaft 2011 angedient haben, um Bromme irgendwann doch reibungslos aus dem Amt zu bekommen. Eine "Bürgermeisterfahrt" ins Schweizer Interlaken soll mit 85 000 Euro zu Buche geschlagen haben, darunter fast 9000 Euro für den "James-Bond-Ausflug" auf das Schilthorn, wo Szenen von "Im Geheimdienst ihrer Majestät" spielen. Im Vergleich dazu bleibt der Schaden durch diverse andere, der Anklage zufolge teils durchaus dekadente Fahrten, Feiern und Einladungen gering, obwohl auch da die Gesamtsummen teils fünfstellig sind und der Wein gerne in Magnum-Flaschen geordert worden sein soll.

Die ganze Anklage ist nach Ansicht von Brommes Verteidigerin aber ohnehin Ergebnis übereifriger und tendenziöser Ermittlungen. Bromme habe sich nie bereichert, "tatsächlich ist überhaupt kein Schaden entstanden". Bromme äußerte sich nicht im Detail, betonte aber seine Verdienste um die Sparkasse und die regionale Wirtschaft. Auch Kreidl will nur das Beste für seinen Landkreis gewollt und bewirkt haben.

Er habe in gutem Glauben die alte Praxis weitergeführt und sich auf den Rat und die Erfahrung des Sparkassenchefs verlassen sowie darauf, dass es nie Beanstandungen von irgendeiner Instanz gegeben habe. Die Affäre habe seine politsche und berufliche Karriere zerstört, sagte der sichtlich angefasste Kreidl. Die beiden anderen Angeklagten beschrieben Bromme als absoluten Alleinherrscher, gegen den kein Ankommen gewesen sei.