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Plan von Minister Spaenle:Bayern will hochbegabte Schüler besser fördern

Schulpflicht

Schon in der Grundschule sollen Lehrer den förderungswürdigen Nachwuchs möglichst früh erkennen.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)
  • Im Juli beschloss die Kultusministerkonferenz eine Strategie für besonders Begabte.
  • Nun hat das bayerische Bildungsministerium ein Konzept entwickelt, um Talente schon ab der Grundschule zu entdecken und zu fördern.

Fördern von der Wiege bis zur Doktorarbeit gilt längst als Standard. Doch bisher stand in der Bildungspolitik eher die Hilfe für Schwache im Mittelpunkt. Erst im Juni beschloss die Kultusministerkonferenz eine Strategie für die besonders Begabten. Das bayerische Kultusministerium hat nun ein Gesamtkonzept entwickelt, um schon in der Grundschule kein Talent zu übersehen oder auf dem weiteren Weg zu verlieren.

Was Spaenle ändern will

Denn bisher sind die Stipendien- und Förderprogramme Stückwerk. Bayern will das nun als erstes Bundesland ändern und auch Lehrer, Professoren und Prüfungsämter einbinden. Vernetzung ist gefordert. Vom neuen Schuljahr an soll das Konzept umgesetzt werden.

"Ein Land kann nur erfolgreich sein, wenn wir möglichst früh anfangen, zu fördern und kontinuierlich die Kinder begleiten", sagte Kultusminister Ludwig Spaenle der SZ. Begabtenförderung sei für ihn "der innerste Kern von Bildungsgerechtigkeit", weil sie den sozialen Hintergrund zurückdränge. Etwa zehn Prozent aller Jugendlichen haben besondere Talente - egal ob wissenschaftlich, musisch, handwerklich oder sportlich und ganz unabhängig davon, in welche Schule sie gehen.

"Das ist sozial gerecht", sagte Spaenle. Er war selbst Stipendiat der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung und saß später auch in deren Auswahljury. Dass Studien-Stipendiaten für eine spätere Promotion das Auswahlverfahren noch einmal durchlaufen müssen, habe er nie verstanden. Schon vor 20 Jahren sei er als junger Abgeordneter angetreten, um den Bruch zwischen Studienabschluss und Promotion zu überwinden, sagte Spaenle. Künftig sollen schon die Schulen ihre Besten melden.

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Gymnasien sollen zu Kompetenzzentren werden

Das Konzept setzt an, wenn alle Kinder noch zusammen lernen: Besonders Clevere können in der Flexiblen Grundschule den Stoff der ersten beiden Schuljahre in einem Jahr schaffen. An 26 Mittel- und 21 Realschulen laufen derzeit Schulversuche, in denen begabte Jugendliche schneller und mit mehr Stoff oder in einem zusätzlichen Fach ihren Abschluss machen.

An den Gymnasien wird neben individueller Förderung klassisch ausgesiebt: Von der 10. Klasse an dürfen die besten Schüler schon Seminare an der Uni belegen. In jedem Regierungsbezirk gibt es eine Klasse für Hochbegabte, in Oberbayern sogar zwei. Die betreffenden Gymnasien will Spaenle mit Hilfe der Frankfurter Karg-Stiftung, die sich für Hochbegabte engagiert, zu Kompetenzzentren ausbauen.

Das Ministerium finanziert Studiengänge zu Spezialthemen

Um alle Talente zu erkennen, sollen Lehrer und Schulpsychologen sich an der Akademie in Dillingen, an den Universitäten in Augsburg und Würzburg oder über Online-Kurse fortbilden. Spaenle plant im neuen Schuljahr sogar eigene Lehrerstellen für die Begabtenförderung ein.

Bayerns Unis streben ohnehin emsig nach Exzellenz, doch das Ministerium finanziert zusätzlich Studiengänge für Spezialthemen. 2014 lag der Schwerpunkt auf Mathematik, Naturwissenschaften und Technik, bis Februar sammelt man noch Konzepte aus Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Der Freistaat vergibt Stipendien an Studenten und finanziert junge Wissenschaftler, die bei Bedarf einen Familienzuschlag bekommen.

Wie viel Geld das alles kostet, konnte Spaenle nicht genau sagen. Kann Bayern sich das angesichts anderer Bildungsaufgabe wie der Integration der Flüchtlingskinder und dem Ausbau des Ganztagsunterrichts überhaupt leisten? "Es wäre sträflich, das jetzt nicht zu machen, gerade weil so viele junge Leute zu uns kommen", sagte Spaenle. Außerdem blieben unter anderem 140 Millionen Euro, die bisher ins Bafög flossen, für die Hochschulen übrig.

Für die Begabtenförderung denken drei unionsregierte Bundesländer sogar gemeinsam, dabei gilt Bildungspolitik als letzte heilige Kuh der Länder. Am Freitag stellen Bayern, Sachsen und Hessen in der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin ihre Förderkonzepte vor.

© SZ vom 30.11.2015
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