Brombachsee in Mittelfranken:Mehrheit der betroffenen Bürger stimmt gegen Ferienpark

Surfer auf dem Brombachsee

Windsurfer und Kitesurfer wird es auch weiterhin am Brombachsee geben. Einen Ferienpark nicht, den haben die betroffenen Bürgerinnen und Bürger am Sonntag in einer Abstimmung abgelehnt.

(Foto: dpa)

Es hätte ein riesiges Tourismusprojekt werden sollen: Ein niederländisch-französischer Konzern wollte in einem Waldareal im Fränkischen Seenland ein Urlaubsdorf mit 800 Bungalows bauen. Doch daraus wird nichts.

Von Clara Lipkowski, Pfofeld

Ein knappes Votum war erwartet worden, am Ende aber hat sich eine recht klare Mehrheit gegen den geplanten und heftig umstrittenen Center Parc am Brombachsee in Mittelfranken ausgesprochen: 52,4 Prozent der Pfofelderinnen und Pfofelder wählten dagegen, 47,6 Prozent dafür. 573 der Menschen stimmten mit Nein, 520 mit Ja. Damit ist das derzeit wohl größte geplante Tourismusprojekt in Süddeutschland vom Tisch.

Der niederländisch-französische Ferienkonzern Center Parcs wollte in einem Wald am Ufer des Brombachsees im Fränkischen Seenland für rund 350 Millionen Euro ein Urlaubsdorf bauen. Vorgesehen waren unter anderem 800 Bungalows, dazu Restaurants und ein künstlicher See.

Der Bürgermeister der direkt betroffenen Gemeinde Pfofeld, Reinhold Huber, sagte am Sonntag, er freue sich über die hohe Wahlbeteiligung von 84,1 Prozent, bedauere aber, dass die Gemeinde nun keine Chance mehr habe, das Projekt weiter zu prüfen. Später, mit detaillierter Informationen hätte der Gemeinderat "immer noch einen Stopp einlegen können", sagte er. Huber hatte vorab in einer umstrittenen Werbebroschüre von Center Parcs dazu aufgerufen, wählen zu gehen. Auch der Landrat des betroffenen Kreises Weißenburg-Gunzenhausen, Manuel Westphal, nannte am Montag das Ergebnis "sehr bedauerlich".

Jan Janssen, der Center-Parcs-Projektbeauftragte, sagte der SZ: "Nur rund 48 Prozent der Stimmen dafür, das habe ich so nicht erwartet." Center Parcs werde sich nun aus der Region zurückziehen, ein kleineres Projekt sei derzeit nicht denkbar, so der Manager. Eine Meldung von Montag, Center Parcs wolle nun offenbar einen abgeänderten Plan vorlegen, kommentierte das Unternehmen nicht, teilte nur mit, man sehe nicht genügend Unterstützung, um "das Projekt" - in seiner jetzigen Dimension - fortzusetzen.

Vor dem Bürgerentscheid hatte es erbitterten Streit über das Bauvorhaben gegeben. Gegner fürchten durch den Park massive Waldzerstörung und touristische Überlastung der See-Region. Der Pfofelder Herbert Kraus, Förster und Kritiker, sagte am Abend, er sei sehr erleichtert, hoffe aber auch, dass die Menschen in der Region nun wieder zueinander fänden. Er plädiert für Alternativen wie Führungen durch das Areal und einzelne Rad- und Wanderwege.

Die Pfofelder Befürworterin Nicole Maaß sagte, sie sei "sehr enttäuscht" und erwarte von der Gegenseite Konzepte, um die Region touristisch zu stärken. Über die künftige Nutzung des Waldes entscheidet nun der Bund. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben wollte eigentlich an Center Parcs verkaufen.

© SZ vom 31.05.2021/olkl, van
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