Patrick Friedl "Ein Mensch der leisen Töne"

Ein "Aushängeschild der Grünen" nennt ihn Parteichef Eike Hallitzky: Patrick Friedl ist schon 20 Jahre bei der Ökopartei, nun ist er Abgeordneter.

(Foto: Patty Varasano/oh)
  • Patrick Friedl aus Würzburg ist der einzige Grüne, der außerhalb Münchens ein Direktmandat errungen hat.
  • Der gelernte Jurist war viele Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei verschiedenen Abgeordneten in zweiter Reihe tätig.
  • Das wichtigste Thema des 48-Jährigen ist der Klimaschutz.
Von Claudia Henzler, Würzburg

Für Leute, die ihre Leidenschaft für Politik zum Beruf machen wollen, aber noch keine Abgeordneten sind, gibt es eine alternative Karriereoption mit der etwas staubig klingenden Bezeichnung "Wissenschaftlicher Mitarbeiter". Der Job besteht darin, dem Abgeordneten im Wahlkreisbüro oder im Parlament möglichst viel Sacharbeit abzunehmen. Man recherchiert Themen, schreibt Anträge oder Anfragen an die Staatsregierung und ist Ansprechpartner für die Anliegen der Bürger.

Nicht wenige Abgeordnete haben vor ihrer Wahl mal für einen Kollegen gearbeitet. Toni Hofreiter zum Beispiel, heute Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, war Mitarbeiter von Christian Magerl im Landtag. Und Hofreiters Nachfolger Markus Ganserer hat nach einer Station bei Magerl den Sprung ins Maximilianeum geschafft. Er wurde gerade wiedergewählt.

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Der Grüne Patrick Friedl, der am Sonntag das Direktmandat in Würzburg gewonnen hat, war ebenfalls lange wissenschaftlicher Mitarbeiter. Erst beim früheren Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell, später bei Dieter Janecek. Der kommt zwar aus München, hatte 2013 aber das Würzburger Regionalbüro zusätzlich übernommen, weil es kein unterfränkischer Grüner in den Bundestag schaffte. Nun, da Manuela Rottmann aus Hammelburg die Region in Berlin vertritt, braucht es das Würzburger Büro nicht mehr wirklich.

Da passt es gut, dass Friedl ohnehin nach München geht. Das stand schon vor Sonntag so gut wie fest, weil er einen guten Listenplatz hatte. Die Überraschung war, dass sich Friedl das Direktmandat holen konnte. "Ziemlich gut" geht es ihm zwei Tage nach der Wahl, sagt er. "Nur der Schlaf ist etwas knapp." Viel muss organisiert werden, bevor er am 5. November erstmals im Plenarsaal des Maximilianeums Platz nimmt.

Geboren und aufgewachsen ist Friedl in einem sozial-liberalen Elternhaus in Rothenburg ob der Tauber. Beide Eltern waren dort als Stadträte engagiert - für die FDP, die noch von Burkhard Hirsch und Gerhart Baum geprägt war. Der 48-Jährige ist mit einer Psychologin verheiratet, hat eine kleine Tochter und ist gelernter Rechtsanwalt. Neben dem Wahlkreisbüro hat er auch für eine evangelischen Familienberatungsstelle gearbeitet.

Ein "Aushängeschild der Grünen"

Nun war der wissenschaftliche Mitarbeiter Friedl, genau wie Hofreiter, immer schon selbst Politiker. Er ist den Grünen vor mehr als zwanzig Jahren beigetreten und hat als Bezirksvorsitzender und Stadtrat immer eigene politische Ziele verfolgt. Mehrmals absolvierte er trotz überschaubarer Aussichten Wahlkämpfe für den Bundestag und den Landtag. Landesparteichef Eike Hallitzky nennt Friedl ein "Aushängeschild der Grünen".

Friedls Herzensthema ist der Klimaschutz. Dafür hat er sich auf kommunaler Ebene eingesetzt und darauf hatte er auch seinen Wahlkampf fokussiert. In Würzburg, wo schlechte Luft und hohe Temperaturen durch die Kessellage schneller zum Problem werden als andernorts, haben sich die Grünen erfolgreich für ein Radverkehrskonzept und mehr Bäume und Grünflächen eingesetzt. Im Landtag will Friedl erreichen, dass die strenge Abstandsregelung für Windräder abgeschafft wird und der Freistaat gute Förderprogramme für Klimaschutz auflegt.

Außerdem hat er kürzlich gemeinsam mit seinem früheren Chef Hans-Josef Fell und dem Freien Wähler Hans-Jürgen Fahn das Volksbegehren "Klimaschutz in die Verfassung" gestartet, das Bayern zu einer vollständigen Umstellung auf erneuerbare Energien verpflichten will. Man habe die nötigen 25 000 Unterschriften schon fast beisammen, sagt Friedl. Genau weiß er es nicht, weil er in den letzten Tagen aus nachvollziehbaren Gründen nicht zum Zählen kam.

Das Direktmandat schien unmöglich

Friedl gilt als freundlich, ruhig, sachorientiert und fleißig. "Ein Mensch der leisen Töne", sagt Barbara Lehrieder, Fraktionsvorsitzende im Stadtrat. "Er macht viel Überzeugungsarbeit, er ist ein koordinierender Schaffer." Eike Hallitzky beschreibt Friedl als "ruhigen Redner, der Menschen mit klugen Worten überzeugt". Wenn nötig, kann Friedl aber durchaus energisch werden. Sonst hätte er sich wohl auch nicht bei diversen Wahlen und Aufstellungsversammlungen durchgesetzt.

"Ein Mensch der leisen Töne": Patrick Friedl

(Foto: Patty Varasano)

Die Grünen sind in der Universitätsstadt Würzburg traditionell stärker als im Rest Unterfrankens. Dass es mal zum Direktmandat reichen würde, wenn auch knapp, war bisher aber unvorstellbar. "Wir hätten nie geglaubt, dass das in Würzburg mal möglich sein kann", sagt Stadtratskollegin Lehrieder. Dass es nun so weit kam, dazu haben wohl mehrere Faktoren beigetragen. Zum einen der Aufwärtstrend der Grünen und ein signifikanter Anteil von Studenten unter den Wählern. Zum anderen Friedls beharrlicher Einsatz für den Klimaschutz, der zuletzt durch ein Bürgerbegehren sehr viel Aufmerksamkeit bekam. Da setzte er mit seinen Mitstreitern durch, dass ein Parkplatz nicht wie vom Oberbürgermeister geplant bebaut, sondern in einen Park umgewandelt wird.

Man darf davon ausgehen, dass Friedl wenig Freude daran hatte, den Konflikt mit Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) so weit zu tragen. Ein konfrontativer Politikstil ist nämlich gar nicht seine Sache. Lieber wirbt er über Fraktionsgrenzen hinweg für Inhalte, sucht Kompromisse und schmiedet Bündnisse. Und das will er auch im Landtag so halten: mit den Regierungsfraktionen diskutieren und dadurch Dinge bewegen. Er wünscht sich eine "andere politische Streitkultur, die sich an der Sachpolitik orientiert". Dabei will er sich nicht auf Klimaschutz beschränken. Bildung und Integration sind Themen, bei denen Friedl dringenden Handlungsbedarf sieht. Als Stimmkreisabgeordneter sieht er sich ohnehin in der Pflicht, die Region mit all ihren Anliegen im Landtag zu repräsentieren.

Ursprünglich hatten wir berichtet, dass Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt Mitglied der CSU sei. Er ist allerdings Mitglied der CDU. Wir haben den Fehler berichtigt.

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