Landtagswahl in Bayern Wer wen gewählt hat

Der Arbeiterpartei sind die Arbeiter ausgegangen, die CSU muss in allen Altersgruppen Federn lassen und Wähler mit Hauptschulabschluss haben keine Lust auf Schwarz-Grün: die soziodemografischen Umfrage-Ergebnisse im Überblick.

Von Jana Anzlinger und Moritz Zajonz

Das Ergebnis der bayerischen Landtagswahl ist niederschmetternd für CSU und SPD, die großen Gewinner heißen Grüne und AfD.

Wer hat traditionell die CSU unterstützt? Sind eher Arbeiter oder eher Angestellte der SPD treu geblieben? Haben die Grünen ihre Zielgruppe auf ältere Menschen und Nicht-Akademiker ausgedehnt? Wollten Frauen lieber Natascha Kohnen und Männer lieber Markus Söder - oder umgekehrt? Die soziodemografischen Umfrage-Ergebnisse im Überblick.

Wie bei Wahlen häufig gilt auch dieses Mal: Je höher der Bildungsabschluss, desto weniger konservativ. Hätten nur Menschen mit Hochschulabschluss gewählt, würden die Grünen den nächsten Ministerpräsidenten stellen und die AfD würde kaum eine Rolle spielen.

Unter den Menschen mit Hochschulreife liegt die CSU vorne, allerdings dicht gefolgt von den Grünen.

Die Wähler mit Mittlerer Reife haben überproportional häufig die CSU gewählt. Sie haben sich weniger von den Grünen überzeugen lassen als andere.

Überhaupt keine Lust auf Schwarz-Grün haben die Menschen mit Hauptschulabschluss. Fast jeder Zweite von ihnen hat die CSU gewählt, auf Platz zwei landet bei ihnen die AfD.

Tatsächlich hatten die Grünen im Vergleich zu 2013 am wenigsten Zuwachs bei Menschen mit Hauptschulabschluss. Seit der letzten Landtagswahl haben sie vor allem Wähler mit Hochschulabschluss und mit Hochschulreife hinzugewonnen. In dieser Gruppe hat sich das Ergebnis für die Grünen fast verdoppelt.

Bei den letzten beiden Bundestagswahlen wählten deutlich mehr Frauen als Männer die Union, während die AfD bei Männern stärker war als bei Frauen. Bei dieser Landtagswahl unterscheiden sich die Ergebnisse zwischen den Geschlechtern nun nicht wesentlich. Der einzige deutliche Unterschied: Bei Männern ist die AfD auf Platz drei gelandet, bei Frauen auf dem vorletzten Platz hinter freien Wählern und SPD.

Das mag an der konservativen Familienpolitik der Rechtspopulisten liegen: Sie wollen die Kinderbetreuung wieder ins Zuhause zurückverlagern. Darunter würden vor allem Frauen leiden, die dann ihre Karriere hintanstellen müssten, wenn das Kind Betreuung braucht.

Selbst unter jungen Bayern haben die Grünen mit ihren progressiven Ansichten und dem jungen Spitzenduo keine absolute Mehrheit geholt. Aber sie sind nah dran an der CSU. Diese steht bei 18- bis 29-Jährigen nur mit kleinem Abstand an der Spitze. Die Grünen haben etwa ein kostenloses ÖPNV-Ticket für Schüler, Azubis und Studenten versprochen.

Unter 30- bis 44-Jährigen und 45- bis 59-Jährigen spielen Freie Wähler und AfD eine vergleichsweise große Rolle.

Die älteren Wähler haben von allen Altersgruppen am wenigsten für die AfD übrig. Bei den Über-60-Jährigen landet dafür die SPD, wenn auch abgeschlagen, auf Platz zwei. Sie sind der CSU treu geblieben, die viele von ihnen schon seit langer Zeit unterstützen dürften.

Im Vergleich zu 2013 hat die CSU denn auch bei den beiden älteren Wählergruppen etwas weniger Federn lassen müssen. Doch das CSU-Debakel ist generationenübergreifend: Sie hat sich in keiner Altersgruppe auf ihrer Stärke von 2013 halten können.

Das Ergebnis der Angestellten in Bayern ist nicht auffällig im Vergleich zum Gesamtergebnis: Vorne die CSU mit großem Abstand, dann die Grünen und ein Stück weiter hinten Freie Wähler, SPD und AfD.

Der Arbeiterpartei sind die Arbeiter ausgegangen: Selbst bei dieser Berufsgruppe konnte die SPD nicht mehr punkten. Sie haben sich dafür besonders oft für die AfD entschieden. Die Sozialdemokraten haben vergeblich mit einer 30-Stunden-Woche, einem Branchentarifvertrag Soziales und dem Zurückdrängen von Niedriglöhnen um Arbeiter und Angestellte geworben. Die Grünen konnten die Arbeiter nicht ansprechen.

So hat die SPD im Vergleich zur letzten Wahl bei den Arbeitern am stärksten verloren. Knapp jeder dritte Arbeiter wählte 2013 die SPD. Heute ist die SPD bei ihrer frühen Kernklientel einstellig.

Am ehesten ist die SPD noch für Beamte infrage gekommen. Bei ihnen wäre sie an der dritten Stelle gelandet.

Manche Gewissheiten bleiben auch nach dieser Wahl bestehen: Wenn noch jemand FDP wählt, dann die Selbstständigen. Bei ihnen käme sie sogar als Koalitionspartner für die CSU infrage. Die Liberalen haben in diesem Wahlkampf für ein modernes Ladenschlussgesetz geworben.

Die Grafiken sollen vor allem zur groben Orientierung dienen. Genau wie Umfrageergebnisse sollten die Zahlen nicht als absolute Wahrheit betrachtet werden.