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Corona-Pandemie:Oberammergauer Passionsspiele auf 2022 verschoben

Proben trotz Corona: Passionsspiele in Oberammergau

Noch im März liefen die Proben - trotz Corona. Jetzt steht fest, dass die Passionsspiele in Oberammergau um zwei Jahre verschoben werden müssen.

(Foto: dpa)

Das Gesundheitsamt hat die Absage für dieses Jahr veranlasst. Nun müssen etwa 500 000 Tickets zurückgebucht und Verträge mit den Mitarbeitern neu geschlossen werden.

Die Passionsspiele Oberammergau müssen wegen der Corona-Pandemie auf das Jahr 2022 verschoben werde. Das entschied der Gemeinderat Oberammergau am Mittwochabend in Absprache mit der Passionsspielleitung. Dem vorausgegangen war eine Entscheidung des Landratsamts Garmisch-Partenkirchen und des Gesundheitsamts, die die Absage der Spiele 2020 aufgrund des Infektionsschutzgesetzes veranlassten.

In der Meldung heißt es: "Das Gesundheitsamt hat eine Risikoeinschätzung vorgenommen. Hiernach ist eine Durchführung der Passion bis in den Herbst hinein nicht möglich." Auch wenn davon auszugehen sei, dass die Beschränkungen des öffentlichen Lebens bis dahin wieder zurückgefahren werden könnten, bleibe ein Risiko: "Es ist zu dem jetzigen Zeitpunkt schon eindeutig vorherzusagen, dass eine Veranstaltung in der Größenordnung der Passionsspiele nicht durchführbar ist. Das Risiko ist zu hoch, dass neue Infektionsketten entstehen. Aus gesundheitspräventiver Sicht ist die Veranstaltung daher zu untersagen."

Spielleiter Christian Stückl gibt sich notgedrungen optimistisch: "Es ist nur eine Verschiebung der Premiere. Wir machen weiter. Anderen Menschen geht es jetzt viel schlechter." Wie es für ihn unterdessen weitergeht, weiß er selbst noch nicht. Stückl leitet außer den Passionsspielen auch das Münchner Volkstheater, das ebenfalls auf unbestimmte Zeit geschlossen ist.

Das neue Premierendatum soll der 21. Mai 2022 sein. Es hat logistische Gründe, dass die Passion auf 2022 und nicht nur um ein Jahr auf 2021 verschoben wird. Knapp 500 000 Tickets, von denen die Hälfte ins Ausland verkauft wurden, müssen zurückgebucht, Verträge mit den beteiligten Mitarbeitern aufgelöst und neu geschlossen werden. Man arbeite an Modellen, wie die Tickets entweder erstattet, oder gleich für 2022 reserviert werden könnten, heißt es aus der Pressestelle. Auch wenn die Passion 2020 erstmalig versichert ist, der wirtschaftliche Schaden für das 5500-Einwohner-Dorf ist noch nicht abzusehen.

Gastronomie und Hotelbetriebe hatten sich in diesem Jahr ausschließlich auf Einnahmen durch übernachtende Passionsgäste eingestellt, die jetzt nicht kommen werden. Einige der Spieler haben Arbeitsverhältnisse reduziert oder sich unbezahlten Urlaub genommen, um bei den geplanten 109 Vorstellungen mitmachen zu können, die von Mai bis Oktober 2020 hätten stattfinden sollen.

Die Passionsspiele gibt es schon seit dem Jahr 1634, sie gehen auf ein Gelöbnis zurück. Man versprach Gott ein Spiel der letzten sechs Tage Jesu, wenn er das Dorf von der damals grassierenden Pest erlöse. Bei dem Spektakel aus Musik und Schauspiel dürfen ausschließlich Oberammergauerinnen und Oberammergauer mitmachen. Bei dieser Passion sind rund 1800 Menschen und 500 Kinder auf der Bühne dabei, sie spielen abwechselnd in Massenszenen wie etwa dem "Einzug nach Jerusalem".

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Es gibt 21 Hauptrollen, die alle gleichberechtigt doppelt besetzt sind. Seit mehr als zwei Jahren laufen die Vorbereitungen an Bühnenbildern, Kostümen und Text, die Männer rasieren sich seit März 2019 den Bart nicht mehr und alle Spieler schneiden sich auch die Haare nicht - Teil einer besonderen Tradition. Das eigens für die Passion erbaute Theater hat Platz für rund 4500 Menschen und ist somit größte Freiluftbühne mit überdachtem Zuschauerraum weltweit.

© SZ.de/clu/fema
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