Forschung in Bayern:Wo sind all die Garagentüftler hin?

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Forschung in Bayern: Parallel zur Erfindermesse findet am Wochenende die Kreativmesse "Hack & Make" statt, bei der - wie bereits 2019 - analoge und digitale Do-it-yourself-Projekte im Fokus stehen.

Parallel zur Erfindermesse findet am Wochenende die Kreativmesse "Hack & Make" statt, bei der - wie bereits 2019 - analoge und digitale Do-it-yourself-Projekte im Fokus stehen.

(Foto: IENA)

In Bayern gibt es immer weniger sogenannte freie Erfinder. Auf sie entfielen 2018 lediglich 6,5 Prozent der Patentanmeldungen. Das liegt nicht nur an der zunehmenden Komplexität von Technologien.

Von Maximilian Gerl, Nürnberg

Die Zahl der freien Erfinderinnen und Erfinder in Bayern geht kontinuierlich zurück - obwohl aus dem Freistaat vergleichsweise viele Patente kommen. Das geht aus einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft zur Erfindermesse IENA hervor, die an diesem Donnerstag in Nürnberg startet. Demnach gibt es seit Jahren immer weniger sogenannte Garagentüftler, die selbständig an neuen Geräten, Techniken oder Anwendungen feilen. Auf sie entfielen im Jahr 2010 knapp elf Prozent aller in Deutschland eingereichten Patentanmeldungen. 2018 - dem letzten Jahr mit verlässlichen Daten - waren es dann noch 6,5 Prozent. Von diesen wiederum stammten zwar mit 24,4 Prozent die meisten aus Bayern. Doch gemessen an allen Patentanmeldungen bildet der Freistaat zusammen mit Baden-Württemberg das Schlusslicht in der Länder-Tabelle. Gerade einmal fünf Prozent der in Bayern gemachten Erfindungen gingen zuletzt auf freie Erfinder zurück.

Als ein Grund gilt den Studienautoren die bayerische Wirtschaftsstruktur. Hier säßen viele Industrieunternehmen, die oft eigene Forschungsabteilungen beschäftigten und daher weniger auf selbständige Tüftler angewiesen seien. Auch hätten viele Technologien eine Komplexität erreicht, die es schwer mache, eigenständig "den notwendigen Neuheitsgrad zu erzielen". Vor allem in den Bereichen Elektrotechnik und Pharmazie lasse sich beobachten, dass Innovationen zunehmend von Erfinderteams hervorgebracht würden.

Freie Erfinder fristen ein "Mauerblümchendasein"

Als Hauptursache aber benennen die Autoren fehlende politische Unterstützung. Die öffentliche Hand habe sich in den vergangenen Jahren immer mehr aus der Unterstützung freier Erfinder zurückgezogen, heißt es in der Studie: Diese fristeten "in puncto Innovationsförderung inzwischen ein Mauerblümchendasein". Sie blieben bei Fragen zu Finanzierung, Recht und Markt häufig auf sich allein gestellt, weshalb viele Erfindungen nicht "das Licht der Welt" erblickt hätten. Solle sich das ändern, müsse der Staat seine Förderung wieder ausbauen.

Für Erfinder, aber auch für Investorinnen und Investoren ist die IENA in Nürnberg ein wichtiger Branchentreff. Sie fand das erste Mal 1948 statt. Laut Veranstalter feierten dort seitdem unter anderem die aufrollbare Hundeleine, die Schwimmflügel und das Klappfahrrad Premiere. Corona-bedingt fällt die Messe diesmal allerdings etwas kleiner aus: Vorgestellt werden bis Sonntag rund 400 Erfindungen aus verschiedenen Lebensbereichen. Parallel findet am Wochenende die Kreativmesse "Hack & Make" statt, bei der analoge und digitale Do-it-yourself-Projekte im Fokus stehen - sowie am Freitag und Samstag der Nürnberger Innovationskongress, der sich mit Fragen des Innovationsmanagements für Erfinder und Unternehmen beschäftigt.

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