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Nach dem Hochwasser:Der Bach, der den Tod brachte, wird zum neuen Zentrum von Simbach

Überschwemmungsgebiet in Bayern

Die Solidarität nach der Flutkatastrophe im Frühsommer 2016 war groß, nun spüren die Bürger diese auch auf europäischer Ebene.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)
  • Im Juni 2016 starben bei einem verheerenden Hochwasser in Niederbayern sieben Menschen. Es entstand ein Schaden von etwa einer Milliarde Euro.
  • Die Stadt Simbach am Inn war besonders stark betroffen. Sie hat nun Experten beauftragt, den Wiederaufbau zu planen.
  • Der Dorfbach, der 2016 über die Ufer trat, soll nun besser in den Ort integriert werden. Das soll auch vor Hochwasser schützen.

Er war der Grund, warum bei der Flutkatastrophe im vergangenen Juni fast 1000 Menschen obdachlos wurden. Nun soll er der Stadt ein neues, grünes Gesicht verleihen: der Simbach. Bisher zwängte er sich in einen Kanal, künftig soll er die neue grüne Mitte der Stadt bilden. Im Rahmen eines groß angelegten Wiederaufbauprojekts soll der Bach mehr Platz bekommen, gleichzeitig wird der Hochwasserschutz vorangetrieben. Finanziert wird der Wiederaufbau auch mit Geld aus dem Solidaritätsfonds der Europäischen Union.

Insgesamt 31,5 Millionen Euro stellt die EU-Kommission Deutschland zur Verfügung. Gedacht ist das Geld für die Beseitigung der Schäden in den Gebieten Bayerns, die von den Überschwemmungen des vergangenen Jahres besonders betroffen waren. Das teilte die Münchner Vertretung der EU-Kommission am Mittwoch mit. Ein Großteil der Mittel dürfte daher in den niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn fließen, in dem die Unwetter schwere Schäden angerichtet hatten. Mit welcher Summe die Stadt Simbach rechnen kann, ist noch nicht klar.

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Klar hingegen ist, dass sich nie mehr eine Flutwelle durch das Stadtzentrum wälzen soll. Vier Experten - ein Städteplaner, ein Verkehrsplaner, eine Landschaftsarchitektin und ein Wirtschaftsgeograf - wurden mit der Planung des Wiederaufbaus beauftragt. Erste Ideen, wie das Zentrum in Zukunft aussehen könnte, gibt es bereits. Am vergangenen Mittwoch wurden diese den Bürgern vorgestellt. Bürgermeister Klaus Schmid (CSU) macht zwar deutlich, dass die Pläne noch nicht ausgereift seien, eines jedoch betont er nachdrücklich: "Die Priorität liegt auf dem verbesserten Hochwasserschutz entlang des Simbachs."

Der Simbach fließt durch den Ort, bevor er am südlichen Stadtrand in den Inn mündet. Die Münchner Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard, deren Büro die Pläne entwickelt, will mehr Platz für den Bach und mehr Grün für die Stadt. Durch die Stadt soll sich ein Park aus Gehölzen und Grünflächen ziehen, nachempfunden einer Flussaue. Das Ziel sei ein "erlebbarer Bach inmitten einer belebten Stadtmitte", so formuliert es der Bürgermeister.

Die Resonanz der Bürger auf die Ideen der Planer sei Schmid zufolge positiv ausgefallen. Und auch der Stadtrat befürwortet die Pläne. Diskussionsbedarf werde es dennoch geben, sagt Schmid, besonders was die Verkehrsführung betreffe. Gemeinsam mit den Bürgern werden von Ende Mai an die Pläne in Bürgerwerkstätten weiterentwickelt und "auf eine zielführende Richtung gebracht", sagt Dieter Taubenböck, der Bauamtsleiter der Stadt, über das weitere Vorgehen. Die Umsetzung der Pläne wird jedoch einige Jahre dauern.

Simbach kämpft noch immer mit den Folgen der Sturzflut aus dem Frühsommer 2016. Verheerende Unwetter, die im Mai und Anfang Juni vergangenen Jahres in Niederbayern wüteten, hatten alleine im Landkreis Rottal-Inn einen Schaden von mehr als einer Milliarde Euro verursacht. Nach heftigen Regenfällen war unter anderem der Simbach über die Ufer getreten und hatte infolge eines Dammbruchs Teile der Stadt überschwemmt.

Ein Streifen aus Grünflächen und Gehölz entlang des Simbachs soll künftig die Stadt prägen. Fahrrad- und Gehwege sind rot eingezeichnet.

(Foto: Planungsgemeinschaft (Grafik))

Auch die Gemeinden Triftern und Tann wurden von der Flut heimgesucht. Insgesamt sieben Menschen kamen ums Leben. Der Freistaat Bayern und die Kirche legten Sonderhilfsprogramme auf, die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung war groß. Dennoch dauerten die Aufräumarbeiten Monate, und bis heute hat sich die Lage in Simbach nicht wieder normalisiert. Immer noch sind zahlreiche Geschäfte mit Spanplatten verrammelt und Häuser unbewohnbar.

Bürgermeister Schmid sagt: "Es herrscht zwar Aufbruchsstimmung jetzt im Frühjahr, aber von Normalität kann leider noch immer nicht die Rede sein." Besonders Geschäftsleute aus der von den Wassermassen schwer beschädigten Innstraße stünden noch immer vor der Frage, wie es für sie weitergehe.

Mit dem EU-Solidaritätsfonds soll wichtige Infrastruktur wiederhergestellt werden, andererseits werden daraus auch Teile der Kosten für die Hilfsmaßnahmen und die Aufräum- und Reinigungsarbeiten übernommen. Der Solidaritätsfonds der EU war nach Überflutungen in Mitteleuropa im Sommer 2002 eingerichtet worden. An Deutschland wurde seitdem mehr als eine Milliarde Euro ausbezahlt.

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