Statistik der Post In Bayern steigt die Zahl der gebissenen Briefträger

Ein Freund, kein Eindringling: Tierexperten empfehlen Haltern, ihre Hunde "offiziell mit dem Briefträger bekannt zu machen".

(Foto: dpa)

Nun hat die Post Strategien für den besseren Umgang von Hund und Mensch entwickelt.

Kolumne von Johann Osel

Lange waren Letzte-Worte-Witze ja sehr in Mode. Die letzten Worte des Sportlehrers? "Alle Speere zu mir!" Des Fahrlehrers? "Parken Sie an der Uferstraße!" Des Zoowärters? "Die Schlange kenn' ich, ist nicht giftig." Oder des Postboten? "Braaaaves Hundchen!" Das Lachen darüber vergeht freilich, wenn man sich die jüngste Meldung der Deutschen Post anschaut. Von letzten Worten ist da zwar nicht die Rede, allerdings von Bissen.

Auf Nachfrage der Deutschen Presseagentur sagte ein Sprecher: Postboten in Bayern werden häufiger Opfer von Hundeangriffen. 2017 gab es 320 solcher Attacken, 40 mehr als vor zwei Jahren. In mehreren Fällen wurden Mitarbeiter schwer verletzt. Nur mit zweierlei Informationen konnte die Post beruhigen. Erstens sei es wegen keiner Attacke zu Beeinträchtigungen bei der Zustellung gekommen. Puh! Zweitens lasse sich die Zunahme wohl simpel erklären: mit der höheren Zahl von Hundehaltern. Was aber tun?

Der Möglichkeiten gibt es viele, um dem Problem Herr(chen) zu werden. Vereinzelt erstattete die Post Anzeige. In einem Prozess am Augsburger Amtsgericht hat man einer Austrägerin 750 Euro Schmerzensgeld zugesprochen, weil ihr ein Schäferhundmischling eine blutende Wunde beschert hatte. Die Post verweist zudem auf Gespräche mit den Haltern, die Wege von Hunden und Boten sollten sich nicht kreuzen. Post-Azubis können mancherorts auch ein Deeskalationstraining mit Polizeihunden absolvieren. Tierexperten wiederum empfehlen Haltern, ihre Hunde bei der nächsten Zustellung einfach "offiziell mit dem Briefträger bekannt zu machen". So lerne der Hund den Postboten als Freund kennen, nicht als Eindringling. Eventuell sogar mit Hilfe von Leckerlis. "Braaaaves Hundchen!"

Klingt doch eher naiv. Vielmehr dürfte da ein gesellschaftlicher Trend dahinter stecken. Allzu oft wurde zuletzt beklagt: Der Respekt vor den Amtspersonen, vor Polizisten oder Lehrern, schwinde, gerade bei der Jugend. Und was bei Kevin, Murat oder Paul-Leander zu beobachten ist, warum soll das nicht für Bello, Waldi und Hasso gelten? Für sie ist der Postbote ein verfügbares Angriffsziel, zwecks Demonstration ihrer Missachtung der Autoritäten. Ein Riesenproblem! Das schreit nach einer Verordnung - welchen Inhalts auch immer - aus der Staatskanzlei.

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