Mitten in Lindau:Schneise im Schilderwald

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Ampel will Verkehrswende voranbringen

Schilderwald: In Lindau sollen Verkehrsschilder abgebaut werden, die für Verwirrung sorgen.

(Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)

Lindau hat zu viele Schilder am Straßenrand, was Autofahrer verwirrt. Nun will die Stadt ausmisten.

Glosse von Florian Fuchs

Als Schildbürger darf man die Einwohner Lindaus nicht bezeichnen, auch wenn man es ihnen gerade in den Sommermonaten nachsehen könnte, sollten sie ob der Touristenmassen, die auf die Insel einfallen, nicht mehr ganz Herr ihrer Sinne sein und, sagen wir: Sonnenstrahlen in Säcken ins Rathaus tragen. Im Gegenteil, die Einwohner Lindaus sind - abgesehen von den angesprochenen Touristenhorden - ausgesprochene Glückspilze: Wer wohnt nicht gerne in Ufernähe am Bodensee, die Berge im Blick, die Füße im Wasser? Schildbürger sind sie also beileibe nicht, in einem Schilderwald wohnen die Lindauer aber schon, befindet nun das Rathaus, das jedoch Abhilfe schaffen will: Die Stadträte haben in dieser Woche darüber zu befinden, wie der Wald an Verkehrsschildern in Lindau ausgelichtet werden kann.

Und als Schilderwald darf man durchaus bezeichnen, was sich als Bild an den Verkehrsknotenpunkten teilweise darstellt: Mehr als 100 braun-weiße und schwarz-weiße Schilder gibt es dort nach Zählung der Stadt, die auf zahlreiche Ziele hinweisen. Dazu kommen privat aufgehängte Schilder, die etwa die Richtung zu Unternehmen weisen sollen. Nun ist es bekannt, dass zu viele Schilder am Straßenrand den Verkehrsteilnehmer eher verwirren als leiten. So schnell kann man die sieben untereinander aufgestellten Hotelwegweiser gar nicht lesen, dass man nicht bestenfalls daran vorbeifährt, schlechtestenfalls aber abgelenkt in den Wagen des Vordermanns prallt. Von "Überforderung bis Akzeptanzproblemen bei der Beachtung von Vorschriften" spricht die Stadt Lindau. Staus wegen Fahrern, die vor lauter Schilder keine Wegweiser mehr zu öffentlichen Parkflächen gefunden haben, belegen das Wirrwarr.

Jetzt werden also die braun-weißen touristischen Hinweisschilder ausgedünnt, nur noch solche auf große Attraktionen sollen stehen bleiben. Hotels und Gaststätten gehören nicht dazu, Campingplätze dagegen dürfen weiter für sich werben, weil sie oft spontan aufgesucht werden. Aber auch die schwarz-weißen innerörtlichen Wegweiser, die auf Ortsteile hinweisen, werden hinterfragt. Nichtamtliche Schilder von Unternehmen müssen sowieso weg. Die Stadtverwaltung geht von 200 Schildern aus, die bis nächstes Frühjahr abgebaut werden, sollten die Stadträte zustimmen. Autofahrer werden nach einem Unfall also nicht mehr umhin kommen, ihr Navi zu beschuldigen, das ihre ungeteilte Aufmerksamkeit benötigte.

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