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Bayern vor der Landtagswahl:Tenor: "Für uns ist kein Geld da, für die schon"

Der nächste Tag, Deggendorf. Am Bahnhof prägen Migranten die Szenerie. Früher galt hier ein Dunkelhäutiger als Kuriosum, die Kinder staunten. Das hat sich geändert, auch am Bahnhof in Plattling und Pocking sieht man viele Afrikaner und arabischstämmige Männer. Hat das die Niederbayern überrumpelt? Nachfragen bei Christian Bernreiter, CSU-Landrat, mit 75 Prozent gewählt. Sein Amt liegt nahe der Großunterkunft. "Die Stimmung zur Bundestagswahl, gegen die Kanzlerin, gegen die Flüchtlinge ist immer noch dieselbe", sagt er. Allerdings hätten ihm 2017 viele gesagt, das war "ein Denkzettel, beim Landtag wählen wir schon wieder euch". Bernreiter sieht "diffuse Ängste", Tenor: "Für uns ist kein Geld da, für die schon." Wieder "die".

Vielleicht rührt diese Stimmung aus einer Zeit, als Niederbayern Bayerns Armenhaus war. Heute gilt der Bezirk - mitsamt BMW-Werk in Dingolfing - als Boom-Region, 2,7 Prozent Arbeitslosigkeit. Die AfD, sagt Bernreiter, biete sich als "Ventil" für alles Denkbare an. Schlechte Busverbindungen? AfD! Ärger mit einer Behörde? "Jetzt wähl' ich AfD." An der Realität der Flüchtlingspolitik könne es nicht liegen. "Das ist ein mühsamer Weg, aber wir leisten gute Arbeit. Größere Probleme gibt es einfach nicht."

Kürzlich trafen sich Anwohner der Großunterkunft, es wurde geklagt: über den Lärm, wenn Afrikaner nachts trommeln; über junge Männer, die am Gehsteig keinen Platz machen. Sorgen um die Sicherheit. Ein Blick auf die Daten: 2017 registrierte die Polizei in ganz Niederbayern 16 Raubdelikte durch Flüchtlinge, 82 Sexualdelikte. Ebner-Steiner zeichnet, so jüngst auf dem Gillamoos, dieses Bild: Beim "Multikulti-Experiment" der Regierenden sollen sich die Deutschen auflösen "wie ein Stück Zucker im Kaffee". Dazu gehörten "täglich Vergewaltigungen, Messerstecher und Mord". Sie fordert etwa eine Ausgangssperre in Flüchtlingsheimen ab 21 Uhr.

In der Lokalzeitung hat Bernreiter der AfD vor kurzem "Fast-SA-Methoden" vorgeworfen. Deren Anhänger hätten bei einem Termin der Frauenunion gedroht: "Wenn wir regieren, werdet ihr alle eingesperrt!" Später bekam er Post von der NPD, in Solidarität mit der AfD: "Sollte der Wind sich drehen", hieß es, "werden alle, welche diesem System des Unrechts bedingungslos dienten, Besuch bekommen!" Andere AfD-Kandidaten versprechen, nach der Wahl werde "ausgemistet". Bernreiter sagt: "Was da läuft, kennen wir aus den Geschichtsbüchern." Er sei guter Hoffnung, "dass das vielen Niederbayern jetzt doch unheimlich wird mit dieser AfD". Ebner-Steiner wertet die Anklage als "pure Panik in der CSU". Sie rechnet mit "20 plus" in Niederbayern. Die bayernweite Wahlparty am 14. Oktober steigt nicht in München. Sondern in Mamming bei Dingolfing.

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