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Kurzschrift:Dieser Mann schreibt im Landtag um sein Leben

Steno Collage

Volker Springwalds Arbeitsgerät: der Füllfederhalter hinterlässt schon beim bloßen Aufsetzen kraftsparend eine kurze Linie.

(Foto: Robert Haas)

Ein Stenograf muss die Reden der Abgeordneten blitzschnell begreifen, seine Hand muss es zielsicher in Kurzschrift verwandeln. Es gibt noch keinen Computer, der das kann.

Noch zwei Minuten, dann beginnt für Volker Springwald das Rennen. Der 46-Jährige setzt sich auf einen von zwei Plätzen an der Stenografenbank, direkt unter dem Rednerpult im Plenarsaal des Bayerischen Landtags. Eine Fracking-Debatte ist im Gange, Springwalds Kollegin schreibt konzentriert mit, was der Abgeordnete hinter ihr spricht. Springwald muss sie gleich ablösen, dabei darf kein Wort verloren gehen.

Noch 20 Sekunden. Springwald beginnt jetzt ebenfalls zu notieren. Seine Aufmerksamkeit ist voll auf die Rede gerichtet. Vor den Schreibern steht ein Funkwecker, der die Ablöse anzeigt: Fünf, vier, drei, zwei eins - dann bedeutet die Kollegin durch ein Klopfen das Ende ihrer Mitschrift und verschwindet nach rechts. Springwald rückt schreibend auf ihren Platz nach. Ein Stenograf muss das Gesagte blitzschnell begreifen, seine Hand muss es zielsicher in Kurzschrift verwandeln. Es gibt noch keinen Computer, der das kann.

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"Bei den Plenarsitzungen arbeiten wir unter immensem Zeitdruck", sagt Springwald. "Da wird im Maschinengewehrtempo geredet, ich schreibe da manchmal wirklich um mein Leben." Der gebürtige Augsburger gehört seit 1997 zum elfköpfigen Team der Landtagsstenografen, die nicht nur in jeder Plenarsitzung, sondern auch in Ausschüssen und nicht-öffentlichen Sitzungen mitschreiben.

Die Stenogramme, die er und seine Kollegen im Zehn-Minuten-Staffelsystem erfassen, werden zu offiziellen Protokollen verarbeitet. Im Fall von Plenarsitzungen muss die erste, interne Fassung dieses Protokolls zwei Stunden nach Diskussionsende fertig sein.

"Die Schwierigkeit ist", sagt Springwald, "aus den Wortbeiträgen der Politiker etwas Lesbares herauszuarbeiten." Es gehöre daher auch zur Arbeit eines Stenografen, in Windeseile Sachverhalte zu recherchieren, klare Sätze zu formulieren und merkwürdigen Wortgebilden einen Sinn zu geben. Wie alle Menschen sprechen Politiker in der mündlichen Rede nicht in korrekter Grammatik, das muss geglättet werden. Oder sie verwenden Spezialbegriffe, die der Schreiber nach der Mitschrift erst einmal untersuchen muss.

Das Internet erleichtert die Arbeit immens

Springwald erinnert sich: "Einmal nannte der damalige Innenminister Günther Beckstein in einem einzigen Satz die Namen von fünf verschiedenen Mafia- und Verbrecherorganisationen. Wir haben damals nicht alle Namen im Internet gefunden und mussten sie uns deshalb vom Innenministerium telefonisch durchgeben lassen." Das Internet ist eine immense Erleichterung, früher wühlten die Stenografen in Zeitschriftenarchiven und telefonierten, dass die Drähte glühten.

Sind alle Unklarheiten beseitigt, diktieren die Stenografen ihre Mitschrift auf Band und geben sie einer Schreibkraft zur Niederschrift. Danach sind die Abgeordneten an der Reihe, das Protokoll einzusehen. Drei Tage lang haben sie ein Korrekturrecht, von dem sie auch gerne Gebrauch machen. Sollten Zahlen und Fakten falsch aufgenommen worden sein, könnten sie dies jetzt korrigieren - oder auch ihren eigenen Überschwang.

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Hat ein Redner zu hart vom Leder gezogen und beispielsweise aus Ärger einen anderen "Lump" genannt, kann er nachfragen, ob das Ganze nicht in sachlicherem Ton in die Landtagshistorie einfließen könnte. Wenn sein Ausruf keine Antworten und vor allem keinen Ordnungsruf nach sich zog, ist das durchaus möglich.

"Manchmal kommt es auch vor", sagt Springwald, "dass die Abgeordneten diskutieren, ob eine bestimmte Sache überhaupt gesagt wurde oder nicht. Nach stundenlangen Wortwechseln trügt den einen oder anderen schon mal die Erinnerung." Sind auch hier alle Unstimmigkeiten geklärt, gelangt das Protokoll endlich zur Veröffentlichung. Ein Ausdruck landet im schriftlichen Archiv, die elektronische Fassung ist für alle Bürger einsehbar online auf www.landtag.bayern.de.