Kreuz-Streit Noch nie hat ein Ministerpräsident den Start so vermasselt wie Söder

Markus Söder betet vor Fotografen in der Grabeskirche in Jerusalem.

(Foto: Joerg Koch (Finanzministerium)/oh)

Auch wenn ihm in den Festzelten applaudiert wird: Markus Söder spaltet bewusst und vorsätzlich die Gesellschaft. Das ist eines Landesvaters unwürdig.

Kommentar von Sebastian Beck

Etwa 15 Jahre ist es inzwischen her, dass sich der damalige CSU-Nachwuchspolitiker Markus Söder für Sand- und Mainzelmännchen im Fernsehen einsetzte. Die PR-Gags von damals hängen ihm bis heute nach, denn sie begründeten den Ruf Söders als Hallodri, dem jedes Mittel recht ist, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erheischen.

Seitdem arbeitete er nach außen schwer an seiner Seriosität, doch dazugelernt hat Söder offensichtlich nichts: Als er vor einer Woche das Kreuz im Eingang der Staatskanzlei aufhängte, da war er wieder da, der Sand- und Mainzelmännchen-Retter von 2003 - mit einem Unterschied: Söder ist inzwischen zum bayerischen Ministerpräsidenten aufgestiegen.

Mit der dümmlichen Aktion hat er sich diesmal aber verkalkuliert. Wohl noch nie zuvor hat sich ein Ministerpräsident seinen Start selbst so vermasselt wie Söder. Wer ihm wohlgesonnen war, konnte aus seiner Regierungserklärung und der Umbildungs des Kabinetts noch so etwas wie Aufbruch herauslesen. Andererseits wird aus einen Sammelsurium von hundert Ankündigungen längst noch keine politische Strategie, wie sie beispielsweise Edmund Stoiber verfolgte, sondern allenfalls ein teures Wahlgeschenk. Schlagwörter wie "Bavaria One" belegen jedenfalls, dass Söder nach wie vor ein politischer Verpackungskünstler ist.

Auch wenn ihm jetzt die Dumpfbacken in den Festzelten applaudieren, so hat er es doch in kürzester Zeit geschafft, Kirchen und generell all jene, die ein bisschen differenzierter denken, gegen sich aufzubringen. Mit seinem Gerede über Islam und Kreuz spaltet er bewusst und vorsätzlich die Gesellschaft, um daraus politisches Kapital zu schlagen. Das ist verantwortungslos und eines Ministerpräsidenten unwürdig. Seine Aufgabe wäre es, Gräben zuzuschütten statt aufzureißen. Doch seit den unseligen Zeiten von Franz Josef Strauß hat in Bayern kein Regierungschef so sehr polarisiert wie Söder. Selbst Horst Seehofer hat immer wieder demonstriert, dass er Ministerpräsident aller Bürger Bayerns ist.

Söders Kreuz-Aktion verheißt nichts Gutes für seine Amtszeit. Denn es sieht ganz danach aus, als könne er nur so handeln. Das hat ihn zwar an die Macht geführt. Der Weg zum Landesvater ist für ihn aber noch weit.

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