Hochschulinnovationsgesetz:Nur ein Reförmchen

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Hochschulinnovationsgesetz: "Deutschlands modernstes Hochschulrecht": So sieht der zuständige Minister Markus Blume den Entwurf. Die Opposition sieht das ganz anders.

"Deutschlands modernstes Hochschulrecht": So sieht der zuständige Minister Markus Blume den Entwurf. Die Opposition sieht das ganz anders.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Das Hochschulinnovationsgesetz war von Anfang an mit zu hohen Erwartungen überfrachtet. Entsprechend enttäuschend fällt das Ergebnis aus. Ein Fortschritt ist es dennoch.

Kommentar von Viktoria Spinrad

Es sollte ein großer Aufschlag werden, die Hochschulen "entfesseln", "deregulieren", ja gar eine "neue Epoche einläuten". Zweieinhalb Jahre emotionalen Ringens hat es gebraucht, nun liegt das Hochschulinnovationsgesetz auf dem Tisch. Doch es ist nur ein Reförmchen geworden statt der großen Revolution auf dem Campus.

Dass der vergleichsweise bescheidene Sprung nun so lange gedauert hat, liegt nicht zuletzt an der dilettantischen politischen Vorgehensweise. Da wurde ein Lobbypapier zweier nach Liberalismus strebender Hochschulpräsidenten zur Diskussionsgrundlage für die Neuausrichtung der gesamten bayerischen Hochschullandschaft. Der konspirative, ja, intransparente Geist, der das Gesetz bis zuletzt umwehte, löste einen kaum noch einzufangenden Kulturkampf aus. Da konnte Bernd Sibler, Minister a.D., durch noch so viele Youtube-Diskussionen turnen. So etwas künftig professioneller anzugehen, darin liegt die Lektion für politische Großprojekte.

Immerhin, kommt das Gesetz in dieser Form durch, können Hochschulen etwas unternehmerischer und damit wettbewerbsfähiger werden, Studierende ein bisschen mehr mitreden, Frauen etwas weniger an gläserne Decken stoßen.

Das ist ein Gewinn, wenngleich er den Erwartungen nicht entspricht. Von Anfang an hatten die ehrgeizigen Futuristen schiefen Vergleichen angehangen. Harvard, Stanford, MIT, mit den großen Universitäten wollte sich Ankündigungsministerpräsident Markus Söder messen. Doch herrscht in den USA eine diametral andere Bildungskultur. Wo ein Semester schnell Tausende Dollar kostet, sind Hochschulen eben auch finanziell in der Lage, die besten Köpfe aus aller Welt zu verpflichten.

Die Stärke des bayerischen Systems ist dennoch seine Egalität. Dank Bafög und überschaubarer Studiengebühren ist die Chancengleichheit besser als in den USA. Es ist gut, dass dieses Verständnis von Bildung beibehalten wird. Der Versuch, mit den hiesigen Mitteln zum Sprung nach ganz oben anzusetzen, war von Anfang an unrealistisch.

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