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Hochschulen in Bayern:Mehr Professorinnen per Gesetz

Professorin bei einer Vorlesung im grossen Hoersaal an der TU Chemnitz 08 06 2004 Chemnitz Deutsc

Parität ist bei den Stellen an bayerischen Unis noch lange keine Realität und somit sind Professorinnen im Hörsaal eher ein seltener Anblick.

(Foto: imago)
  • Bei der Gleichstellung an den Hochschulen ist Bayern nur im Mittelfeld.
  • Frauenförderung soll nun im Hochschulgesetz verankert werden.
  • Im vergangenen Jahr verpflichtete Minister Sibler alle bayerischen Universitäten und Hochschulen dazu, die Frauenförderung in die Zielvereinbarungen mit dem Freistaat aufzunehmen.

In Bildungsdingen ist Bayern vordere Plätze in den einschlägigen Ranglisten gewöhnt. Die Forschungsmilliarden sollen einen Schub bei Künstlicher Intelligenz und Informatik verleihen, die geplante Technische Universität in Nürnberg neue Maßstäbe in Lehre und Forschung setzen. Geht es allerdings ums Thema Gleichstellung und die Zahl der Professorinnen, liegt Bayern im Mittelfeld der Bundesländer. Das ergab das aktuelle "Hochschulranking nach Gleichstellungsaspekten", das vom Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften herausgegeben wurde. Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) will nun aufholen: Dass Frauenförderung wichtig ist, betont er oft. Nun soll sie auch im Hochschulgesetz verankert werden.

Konkretes will man im Ministerium noch nicht sagen, nur so viel: Derzeit werde über Veränderungen bei der Hochschulorganisation und den Verfahren nachgedacht, um so die Zahl der Professorinnen zu erhöhen. Noch handle es sich dabei um Überlegungen, bis die Gesetzesnovelle geschrieben ist, der Ministerrat, die Verbände und schließlich der Landtag beteiligt werden, dürfte noch einige Zeit vergehen.

Im vergangenen Jahr verpflichtete Sibler alle bayerischen Universitäten und Hochschulen dazu, die Frauenförderung in die Zielvereinbarungen mit dem Freistaat aufzunehmen. Bis 2022 müssen diese ein selbst gestecktes Ziel erfüllen. Wer es nicht erreicht, bekommt weniger Zuschüsse. Bisher setzte das Ministerium auf Selbstverpflichtung, eine von der Opposition geforderte Quote fiel durch. Das Gesetz soll mehr Schub bringen. Die Hochschulen dürfen seit 2009 selbst Professoren berufen. Andere Bundesländer machen dagegen konkrete Vorgaben - und erreichen damit mehr. Die Hälfte der Studierenden in Bayern ist weiblich, 2018 auch 43 Prozent der Promovierenden. Nur 20 Prozent der Professoren sind weiblich, wie viele Frauen Lehrstühle leiten, wird nicht erfasst.

Bei den Gleichstellungsbeauftragten der Hochschulen dürfte Sibler mit der Gesetzesoffensive auf Zustimmung stoßen. Ohne den Willen der Politik und der Hochschulleitungen werde das Ziel nicht erreicht, darin sind sich die Spitzenreiter mit den meisten Professorinnen einig. Laut Landesamt für Statistik lagen 2018 die Otto-Friedrich-Universität Bamberg bei den Unis und Neu-Ulm bei den Hochschulen für angewandten Wissenschaften vorne. Nach der Rangliste des Leibniz-Instituts ist die Julius-Maximilians-Universität Würzburg in Bayern Spitze. Das "Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung" erstellt die Liste anhand unterschiedlicher Indikatoren.

Von Parität sind alle noch weit entfernt. An den neun staatlichen Universitäten liegt die Quote zwischen 20 und 30 Prozent, an den Hochschulen zwischen sieben und 24 Prozent. An Hochschulen mit technischem Fokus ist der Frauenanteil besonders niedrig. So etwas müssen sich auch die Bamberger anhören. Weil die Uni in Geistes- sowie Sozialwissenschaften stark ist, gibt es viele Studentinnen und deshalb auch mehr Professorinnen. Trotzdem gibt es in Bamberg mit 33 Prozent mehr als an anderen Unis mit ähnlichem Profil.

"Aussagen wie ,in meinem Fach gibt es ja keine Frauen, die man berufen kann, selbst wenn wir wollen' sind verstummt", sagt Godehard Ruppert. Seit 20 Jahren ist er Chef der Bamberger Uni, die Zahl der Professorinnen stieg in dieser Zeit um 20 Prozentpunkte. Durch "penetrante Intervention" und Kommunikation sei eine neue Aufmerksamkeit entstanden. Keine Berufungsliste passiere den Senat, ohne dass die "Berufbarkeit" einer Frau Thema sei. Die Verfahrensordnung regelt, wie Professorenstellen ausgeschrieben und besetzt werden müssen, samt Analyse des Arbeitsmarktes und der Frage nach Chancen für Frauen. Mittlerweile fühlten sich alle Gremien dafür verantwortlich, sagt Ruppert. Aber das Ziel bleibe die Parität.

Hauptursache für den Karriereknick ist die Familiengründung, darin unterscheiden sich Hochschulen nicht von der freien Wirtschaft. Entsprechend vielfältig sind die Ideen in Bamberg, Neu-Ulm und Würzburg, um Frauen mit Kindern an der Uni zu halten: Weil der Frauen-Anteil bei den Post-Docs geringer ist, setzt Bamberg auf Stipendien, Babysitter-Zuschüsse sowie Research-Sabbaticals. Ute Schmid, Professorin für angewandte Informatik und Frauenbeauftragte der Fakultät, kam 2004 an die Uni - und war die einzige Frau in ihrem Bereich, mittlerweile sind es zwei. Schmid setzt deutlich früher an, um Mädchen für Informatik zu begeistern. Sie macht Projekte mit Kindergärten und Schulen, veranstaltet Girls' Days und gibt den Studentinnen gezielt Feedback, weil diese sich oft zu negativ einschätzten und sich später womöglich keine Führungsjobs zutrauten.

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Ute Schmid von der Uni Bamberg.

(Foto: dpa)

"Frauen müssen sich wohlfühlen", sagt Marie-Christine Dabauvalle, Gleichstellungsbeauftragte der Uni Würzburg. Geld spiele eine geringere Rolle. Seit 2015 hat die Uni ein Gleichstellungskonzept, 97 der 448 Professoren sind Frauen, gut 20 Prozent. Gleichstellung steht im Berufungsverfahren, wird keine Frau gefunden, müssen Headhunter ran. Den Wohlfühlfaktor soll eine Gender-Equality-Akademie mit Workshops und Coachings bringen sowie der Familienservice mit Krippe, Kindergarten, Ferienbetreuung und familienfreundlichen Arbeitszeiten. "Wir versuchen, keine Sitzung nach 17 Uhr zu haben", sagt Dabauvalle. "Aber Gleichstellung schafft man nur, wenn die Männer mitmachen."

In Neu-Ulm sei Frauenförderung Chefsache, sagt Hochschul-Präsidentin Uta Feser. Sie nehme sich viel Zeit für Beratung und Sorgen künftiger Professorinnen. Seit dem Jahr 2009 gibt es ein Gleichstellungskonzept, das mit Bundeszuschüssen belohnt wurde. Damit schuf Feser Anreize für die Fakultäten, Frauen einzustellen. 16 von 68 Professoren sind weiblich. Kinder können in der eigenen Großtagespflege betreut werden. Das sei alles Organisation, sie habe eine Professorin mit fünf Kindern, sagt Feser. "Wer sich nicht wehrt, steht hinterm Herd." Wie Dabauvalle sieht Feser die Staatsregierung in der Pflicht, die Kinderbetreuung massiv auszubauen. Es reiche nicht, sich von Hochschulen mehr Professorinnen zu wünschen, aber die Rahmenbedingungen nicht zu schaffen, sagt Feser.

© SZ vom 26.02.2020/vewo
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