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Asylpolitik:Wenn Mitarbeiter abgeschoben werden

Bäcker Thomas Polz hat seinem nigerianischen Angestellten Promise Ali viel beigebracht.

(Foto: Toni Heigl)

In Promise Ali hat Bäcker Polz aus Ampermoching eine zuverlässige Kraft für seinen Familienbetrieb gefunden. Der 23-Jährige ist nicht sein einziger Angestellter, der Deutschland bald verlassen soll.

Von Viktoria Großmann, Hebertshausen

Bäcker Polz braucht Lehrlinge. Jedes Jahr könnte er ein bis zwei einstellen. Auf seiner Homepage sind dazu drei Vollzeitjobs ausgeschrieben. Es gibt viel zu tun. Der Familienbetrieb aus Ampermoching hat Filialen im ganzen Landkreis Dachau und beliefert Bio-Supermärkte in München.

Da tut es weh, wenn auf einen Schlag drei Arbeitskräfte wegfallen: Zwei Angestellte aus Nigeria und Afghanistan und ein nigerianischer Lehrling sollen auf Anordnung der Behörden Deutschland verlassen.

Promise Ali heißt der 23-Jährige, der an diesem Freitagvormittag gemeinsam mit Konditorlehrling Lolade Bello die Backstube putzt. Seit drei Uhr morgens hat Promise die Lieferungen für die Filialen zusammen gepackt. Für seine Vollzeitstelle ist er von Haimhausen nach Hebertshausen gezogen, er spielt aber noch für den SV Haimhausen Fußball.

Am Sonntag geht es gegen Odelzhausen. Stolz präsentiert Ali sein gelb-grünes Trikot mit der Nummer 7. "Ich will nicht zurück nach Bulgarien", sagt er. "Niemand will dorthin." Weil er über das EU-Land nach Deutschland gekommen ist, soll er nach dem Dublin-Verfahren abgeschoben werden. Er ist "vollziehbar ausreisepflichtig", wie es im Behördendeutsch heißt. Promise Ali sagt: "Sie können jederzeit kommen."

Erst in dieser Woche hat Thomas Polz durch ein dreiseitiges Schreiben der Bezirksregierung erfahren, dass er Ali nur noch bis nächsten Freitag beschäftigen darf. Am 31. März läuft die Arbeitsgenehmigung aus. "Ich mache mich strafbar, wenn ich ihn dann noch in die Backstube lasse", sagt Polz. An diesem Freitagmorgen hat ihm einer seiner beiden afghanischen Angestellten gesagt, dass sein Antrag auf Asyl abgelehnt wurde.

"Der spricht Deutsch, Englisch und die beiden afghanischen Sprachen." Er habe in Afghanistan als Dolmetscher gearbeitet und traue sich nicht zurück in sein Land, erzählt Polz. Er sorgt sich nun um zwei weitere Angestellte, ebenfalls aus Afghanistan und Nigeria.

Wenn der 61-Jährige und seine Frau Sabine ihren Betrieb einmal ihrem Sohn und der jüngeren Tochter übergeben, werden diese ihn in der vierten Generation führen. Familie, das ist hier ein weit gefasster Begriff. Der Bäckerin, die an diesem Vormittag selbst hinter der Ladentheke steht, gehen die Abschiebungen sichtlich nahe. "Die kommen hier endlich einmal zur Ruhe, sie verdienen Geld, sie bekommen keinen Cent vom Staat, sie können hier wohnen. - Wem nützt das, jemanden wie Promise nach Bulgarien zu schicken?"

Die Unterbringung und Behandlung von Flüchtlingen in Bulgarien wird von Verbänden wie Pro Asyl und dem Bayerischen Flüchtlingsrat heftig kritisiert. Das Verwaltungsgericht Hannover hat im Februar die Abschiebung eines afghanischen Flüchtlings in das EU-Land ausgesetzt, weil der Mann dort der "Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung" im Sinne der Grundrechtecharta ausgesetzt sei. Alis Klage in München wurde abgelehnt.

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