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Abgeschobener Künstler:Pouya kehrt aus Afghanistan nach Deutschland zurück

Der afghanische Künstler Ahmad Shakib Pouya flüchtete vor vielen Jahren aus seinem Heimatland. Nun muss er wieder zurück.

(Foto: Dietrich Mittler)

Der Künstler musste ausreisen, obwohl er als Musterbeispiel der Integration galt. Nun darf er zurück - dank einer Hauptrolle an der Münchner Schauburg.

Das Angebot der Münchner Schauburg hat genützt. Dort wird Ahmad Shakib Pouya den Ali in der Inszenierung von Fassbinders "Angst essen Seele auf" spielen, Premiere ist am 22. April, Probenbeginn jetzt - und dafür darf Pouya nach Deutschland zurückkehren.

Pouya floh vor Krieg, Mord und Zerstörung aus Afghanistan nach Deutschland. Er lebte seit 2011 hier, machte Musik, spielte im Opernprojekt "Zaide" mit, bei dem er mit anderen Flüchtlingen auftrat, und baute in Augsburg das Flüchtlingsmodell-Projekt "Grandhotel Cosmopolis" mit auf. Zuletzt hatte Pouya auch als Dolmetscher in der Flüchtlingsberatung der IG-Metall gearbeitet, dort hätte man ihn gern sofort wieder genommen. Der 33-Jährige galt als Musterbeispiel der Integration und musste dennoch vor sechs Wochen Deutschland verlassen, was auch eine Woge der Solidarität nicht verhindern konnte.

Pouya sollte abgeschoben werden, obwohl sein Fall der Härtefallkommission des Bayerischen Landtags zur Entscheidung vorlag. Er reiste dann freiwillig aus, um einer Abschiebung und Einreisesperre zuvorzukommen. In Afghanistan sieht er sich von den Taliban verfolgt und fürchtet um sein Leben.

Nun habe er sein Visum in der deutschen Botschaft in Kabul abgeholt, teilte der Verein "Zuflucht Kultur" mit. Der Vertrag bei der Schauburg ist bereits unterschrieben, Premiere in dem städtischen Kinder- und Jugendtheater ist am 22. April. Auch das Gärtnerplatztheater hatte Pouya bereits ein Jobangebot gemacht, um seine Wiedereinreise zu erleichtern.

Der Fall hatte bundesweit Aufsehen erregt. Margarete Bause, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, hatte den Umgang der Staatsregierung mit Pouya scharf kritisiert. An dem Künstler sei "ein knallhartes Exempel statuiert" worden, sagte sie.

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