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Geschichte:Kurznachrichten aus der Vergangenheit

Inschriften Bayern Geschichte

Dieses Bildfenster in Kriestorf bei Aldersbach zeigt den Mautner Michael Beer. Die Inschrift belegt ihn als einen Stifter der Kriestorfer Kirche.

(Foto: A. Steininger)

Forscher haben alle 441 Inschriften im Landkreis Passau von der Antike bis zum 17. Jahrhundert dokumentiert. Ihr Inhalt verrät nicht selten packende Details.

Je weiter wir zeitlich zurückblicken, desto spärlicher werden die schriftlichen Zeugnisse und desto mühsamer wird es, etwas über das Leben von damals zu erfahren. Immer rarer werden dann schlagkräftige Zitate, wie jenes aus dem späten 9. Jahrhundert, in dem deutlich wird, dass das bayerische Mia-san-mia-Gefühl schon früh stark ausgeprägt war: "Stulti sunt Romani, sapienti sunt Paioari", ist dort zu lesen. Auf der Webseite "Literaturportal Bayern" wird diese Sentenz so übersetzt, wie sie wohl gemeint war: "Alle andern san bläd, mir Bayern san gscheid."

Weil solche Fundstücke rar sind, ist es umso wichtiger, sie zu bewahren und überhaupt erst einmal ihren Bestand zu dokumentieren. Zu diesem Zweck wurde nach dem Krieg ein wissenschaftliches Projekt ins Leben gerufen. Es trägt den Titel "Deutsche Inschriften des Mittelalters und der frühen Neuzeit". Auch in Bayern werden dafür sämtliche Inschriften vom Ende der Antike bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts erfasst. Soeben ist im Rahmen dieser Edition ein neuer Band erschienen, der insgesamt 441 Inschriften aus dem Landkreis Passau enthält, wobei diese auch übersetzt und inhaltlich erläutert werden.

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"Solche Inschriften sind historische Quellen ersten Ranges", sagt Christine Steininger, die den Band als wissenschaftliche Bearbeiterin zusammen mit ihrer Kollegin Ramona Baltolu herausgegeben hat ("Die Inschriften des Landkreises Passau bis 1650 II", 520 Seiten, 69 Euro). Eine solche Bearbeitung ist eine facettenreiche Aufgabe, dauert aber auch pro Band mehrere Jahre. "Wir haben jede einzelne Inschrift fotografisch erfasst, transkribiert, übersetzt und versucht, jeweilige Wappen- und Familiengeschichten nachzuweisen", erklärt Steininger.

Die Inschriften der Stadt Passau sind schon vor einem Jahrzehnt bearbeitet worden, nun wurde die Untersuchung auf den Landkreis ausgedehnt. Als bedeutende Inschriftenstandorte erwiesen sich dabei die Klöster Aldersbach, Asbach und St. Salvator mit ihren Abtsgrabmälern. Mithilfe der historischen Texte kann nun etwa die Frage erörtert werden, welchen Einfluss die Bischofsstadt Passau auf das Umland ausübte. Oder wie weit damals der Einfluss des Bischofs auf dem Land reichte.

Als eine Besonderheit erwies sich die ehemalige Reichsgrafschaft Ortenburg, die bis zum Jahr 1805 bestand. Sie war die einzige dauerhafte evangelische Enklave im Territorium des alten Herzogtums Bayern. 1563 wurde in Ortenburg die lutherische Lehre eingeführt, und da sie bestehen blieb, siedelten sich viele Glaubensflüchtlinge dort an. Kuriose Geschichten aus dieser Enklave sind in den zahlreich erhaltenen Inschriften verewigt. "Es ist der einzige Ort mit evangelisch-lutherischen Inschriftenbeständen überhaupt", sagt Steininger. In Ortenburg sind auch in großer Zahl Denkmäler aus dem Dreißigjährigen Krieg vorhanden sowie lutherische Grabdenkmäler für Mitglieder des gräflichen Hauses, beispielsweise das Epitaph für Burkhard von Taufkirchen.

Die Grafen versuchten, protestantisches Denken fest in der Enklave zu verankern. Allerdings mussten sie zum Beispiel auf katholische Steinmetze zurückgreifen, was ein gewisses Spannungsfeld erzeugte. Ein katholischer Passauer Steinmetz sollte einmal für ein Epitaph ein Porträt einer evangelischen Gräfin anfertigen, wobei er sie mit einem Rosenkranz in der Hand zeigte. Der Fauxpas war ihm nicht aufgefallen. "Es menschelte halt überall", hat Steininger bei ihrer Arbeit des Öfteren festgestellt.

In den Wallfahrtsorten Sammarei, Grongörgen und Kößlarn haben sich wiederum viele Sprüche und Votivbilder erhalten, die alle Facetten der Not, aber auch der Hoffnung auf himmlischen Beistand aufzeigen: "Es ist nichts Fröhliches auf Erden. Es wird alles nur ärger werden" (Schloss Ortenburg). Weitere Inschriftenbestände finden sich in den Grablegen in der Nähe von Adelssitzen (Ruhstorf, Closen, Schwarzenstein) und auf bürgerlichen Grabplatten und Stifterinschriften in Rotthalmünster und Vilshofen. Decken- und Wandmalereien sowie Inschriften auf Glocken runden den facetten- und informationsreichen Bestand ab.

Als ein großer Vorteil solcher Inschriften erweist sich sehr schnell, dass die Wissenschaftler damit sichere Aussagen über den Standort treffen können. Die Tafeln und Denkmäler stehen oft seit 500 Jahren unverrückbar am gleichen Ort und können in viele Richtungen ausgewertet werden. Ihr Inhalt ist quasi wie eine SMS aus der Vergangenheit und verrät nicht selten packende Details über historische Randereignisse, Krankheiten, Kindersterblichkeit, Bräuche und vor allem auch über die Entwicklung der Sprache. Eine Kernfrage bei der Auswertung ist für Steiniger, in welcher Zeit sich die deutsche Sprache im allgemeinen Geschäftsverkehr durchzusetzen begann. "In Bayern war das sehr früh der Fall", sagt sie. Im Salzburger Land sei man bereits Mitte des 13. Jahrhunderts vom Lateinischen auf die deutsche Sprache übergegangen. Von 1450 an belegen die Inschriften diese Entwicklung auch für viele Regionen in Deutschland. Sogar die Kleriker begannen jetzt, deutsch zu sprechen und zu verkündigen.

Bis zum Jahr 2030 soll das Projekt für Bayern abgeschlossen sein. Als nächstes sollen die Inschriften in den Städten Landshut und Straubing erfasst werden.

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