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Geschichte:Warum es zu dem Unglück kam, ist unbekannt

Wahrscheinlich nutzen Maximilians Männer sogenannte Plätten, wie sie damals auf dem Inn gebräuchlich sind: flache Schiffe mit wenigen Aufbauten. Doch Fahrten im Frühjahr sind gefährlich, der Inn führt dann Tauwasser aus den Bergen und ist mancherorts unberechenbar. Kurz vor Mühldorf kommt es zum Unglück. Wie genau, ist unklar, vielleicht werden die Schiffer der starken Strömung nicht Herr - oder sie sind zu betrunken, wie später ein Mühldorfer Dekan vermuten wird.

Sicher ist, dass eines der Boote an einem Pfeiler der Mühldorfer Brücke zerschellt. Acht Menschen sterben. Das Tafelsilber versinkt, Teller, Schüsseln, Kannen, Besteck. Bergungsversuche scheitern. Umso ärgerlicher für Maximilian: Seine Flucht war unnötig. Schweden und Franzosen werden bei Dachau gestoppt, ein paar Monate später ist der Krieg vorbei.

Reinhold Ostler hatte bei seiner Suche bisher keinen Erfolg.

Auch Reinhold Ostlers Bergungsversuche scheitern. Weil das Wetter sich verschlechtert, muss er die Aktion einen Tag früher als geplant abbrechen. Statt Geschirr findet er ein paar alte Münzen und ein keltisches Kultschwert. Es wurde vor 3600 Jahren im Inn versenkt, um Flussgöttern zu huldigen. Ein wertvoller Fund, aber kein Schatz. Dabei tauchten in der Vergangenheit immer wieder Teile des Tafelsilbers auf, wenn auch zufällig. Cornelia Ostler zieht aus der Akte alte Zeitungsartikel und Gesprächsnotizen hervor: Beweise.

Schon etliche Fischer sollen kostbare Entdeckungen gemacht haben. So sagte mal ein Sparkassenmitarbeiter zu Reinhold Ostler: "Ich komme aufgrund meiner Stellung zu vielen Leuten in Mühldorf und Umgebung. Was glauben Sie, was da in manchen guten Stuben für edle Stücke vorhanden sind." Im März 1851 berichtete die Münchner Zeitung, ein Fischer habe bei Altötting einen goldenen Löffel aus dem Inn gezogen. Und 1925 entdeckte ein anderer Fischer zwei große Silberteller, die zwischen den Ufersteinen hervorragten - gerade einmal 250 Meter von der Mühldorfer Brücke entfernt, dem Unglücksort. Die Brücke selbst wurde in all den Jahrhunderten mehrmals durch neuere Modelle ersetzt.

Ostler klappt die Akte zu. "Der Schatz wird bestimmt gefunden", sagt sie. Besonders optimistisch klingt sie nicht, warum, kann sie erklären. Der Schatz ging zwar an einer Stelle unter, hat sich aber wahrscheinlich über mehrere Orte verteilt. Die schweren Silberteller liegen wohl unter einer dicken Schlammschicht begraben. Leichtere Stücke könnten weit fortgespült worden sein, so wie der bei Altötting gefundene Löffel. Wie weit, das ließe sich mit Computermodellen ermitteln, mit Strömungsberechnungen - wenn es denn verlässliche Wetterdaten aus den vergangenen 369 Jahren gäbe. Gibt es nicht.

Erfolgschancen hin oder her, für Cornelia Ostler bleibt das verschwundene Tafelsilber eine "spannende Sache". Danach suchen will sie erst einmal nicht. Auf ihrer Liste stehen andere Schätze ganz oben, das Bernsteinzimmer, das Reichsbankgold der Nazis. Auch dazu hat ihr Vater Akten geführt. Sie liegen in diesem Archiv, dicke, braune Papierpacken. Sie könnten Millionen wert sein.

© SZ vom 29.08.2017/axi
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