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Garmisch-Partenkirchen:Tierschützer kritisieren Welterbe-Bewerbung

Tierschützer kritisieren Welterbe-Bewerbung

Ein Ochse der Rasse Murnau-Werdenfelser steht im Winter angebunden im Stall.

(Foto: dpa)
  • Die Gegend um Garmisch-Partenkirchen soll das Welterbe-Siegel der Unesco bekommen.
  • Tierschützer sind empört, dass im Entwurf der Bewerbung die umstrittene Anbindehaltung von Kühen als erhaltenswert bezeichnet wird.
  • Etwa die Hälfte der 30 000 Milchbauern in Bayern halten ihre Kühe in Anbindehaltung.

Die Landschaft rund um Garmisch-Partenkirchen lockt unzählige Touristen an. Umweltschützer betrachten die Kombination von Wiesen und Moorgebieten in der Region als etwas so Besonderes, dass die Gegend in wenigen Jahren das exklusive Welterbe-Siegel der Unesco bekommen soll. Doch bei der Vorbereitung der Bewerbung bekommt das Landratsamt nun Ärger.

Tierschützer sind empört, dass im Entwurf der Bewerbung die umstrittene Anbindehaltung von Kühen als erhaltenswert bezeichnet wird. Diese Haltungsform dürfe "kein Unesco-Weltkulturerbe werden", kritisiert die Organisation Animal Rights Watch. Die Anbindehaltung sei "unsägliche Tierquälerei und keine kulturelle Errungenschaft, die geschützt werden sollte".

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Anlass ist ein Dokument für die Vorbereitung der Welterbe-Bewerbung. Die Region zeige "auf herausragende Weise die harmonische Interaktion des Menschen mit der Umwelt in einer eiszeitlich geprägten Landschaft am Rand der Nordalpen", heißt es darin. Auf Ärger stößt, dass in dem Papier der "Erhalt der Kombinationshaltung von Nutztieren (Anbindehaltung mit Weidegang)" verteidigt wird.

"Kombinationshaltung mit Weidegang bedeutet, dass sämtliche Rinder mit Ausnahme der Wintermonate monatelang auf wildkräuterreichen Viehweiden und Almen, also in freier Natur weiden können", heißt es in dem Papier. Eine Abschaffung der Anbindehaltung mit Weidegang würde dagegen "das Ende für viele Landwirtschaftsbetriebe bedeuten".

Allerdings ist auch das vorübergehende Anbinden von Kühen im Stall für einige Monate ein Reizthema. Ähnlich wie bei der betäubungslosen Ferkelkastration stehen Politik und Wirtschaft unter Druck, neue Lösungen zum Wohl der Tiere zu suchen. Der Bauernverband wehrt sich gegen ein Anbindeverbot, weil dies seiner Überzeugung nach gerade die Existenz kleiner Familienbetriebe gefährden würde.

Etwa die Hälfte der 30 000 Milchbauern in Bayern halten ihre Kühe in Anbindehaltung. Animal Rights Watch kritisiert dies heftig. Die Kühe müssten praktisch bewegungslos auf einer Stelle stehen. Dies mache "nicht nur ein natürliches Bewegungs- und Sozialverhalten der Tiere unmöglich, sie werden zudem krankheitsanfällig und verwahrlosen sehr oft auch äußerlich.

© SZ vom 27.01.2020 / dpa/amm
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