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Garmisch-Partenkirchen:Neue Coronavirus-Variante in Bayern

Coronavirus - Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Die Mutation, die im Krankenhaus in Garmisch-Partenkirchen aufgetaucht ist, wurde in der Berliner Charité identifiziert.

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Im Klinikum Garmisch-Partenkirchen sind Mitarbeiter und Patienten infiziert - infektiöser ist die Mutation aber nicht unbedingt. Klinikchef und Landrat betonen, man habe "die Lage im Griff".

Von Matthias Köpf, Garmisch-Partenkirchen

Als wäre die Sache mit dem Corona-Ausbruch nicht schlimm genug. Insgesamt 55 Menschen waren im Klinikum in Garmisch-Partenkirchen bis zum Freitag positiv auf Corona getestet worden. Am Sonntag waren es dann schon 73, davon 52 Patienten und 21 Mitarbeiter. Doch erst die Nachricht, die das Klinikum am Sonntagnachmittag auch noch in seine Statusmitteilung für die Lokalzeitung gepackt hatte, ließ am Tag darauf viele aufhorchen.

Und so standen Landrat Anton Speer (FW) und der stellvertretende Ärztliche Direktor des Klinikums, Clemens Stockklausner, am Montag vor etlichen bunten Mikrofonen: Die Virusvariante, auf die das Labor des Klinikums bei den Reihentests in der vergangenen Woche gestoßen ist, wurde noch nirgendwo anders beschrieben. Das, so lautet Stockklausners Botschaft, heiße aber noch keineswegs, dass diese Mutation infektiöser wäre oder zu schwereren Krankheitsverläufen führen würde als das ursprüngliche Virus.

Die neue Mutation ist laut Stockklausner in der vergangenen Woche an einem der vier PCR-Testgeräte des Klinikums aufgefallen. Man habe drei Proben an das deutsche Corona-Referenzlabor von Christian Drosten an der Berliner Charité geschickt und von dort am Freitag das Zwischenergebnis erhalten, dass die Garmischer Virusmutation tatsächlich neu ist. Sie sei damit eine von weltweit derzeit rund 12 000 beschriebenen Mutationen.

In den bisherigen Untersuchungen sei bei ihr im Vergleich zur Ausgangsvariante erst eine Veränderung an einer einzigen Stelle des Erbguts aufgefallen - anders als etwa bei der Mutation in Großbritannien, bei der sich das Erbgut des Virus schon an 17 unterschiedlichen Stellen verändert hat und die im Verdacht steht, noch deutlich infektiöser zu sein als die erste Form des Erregers. Darauf, dass dies auch bei der nun entdeckten Garmischer Mutation der Fall sein könnte, gibt es laut Stockklausner aber "überhaupt keinen Hinweis". Momentan könne man jedenfalls "nicht einordnen, ob das überhaupt eine klinische Relevanz hat" oder ob diese neue Garmischer Virus-Variante womöglich schon "nächste Woche Geschichte ist".

Wo sich die Variante entwickelt hat, wo sie sonst noch unterwegs sein könnte und wie sie ins Klinikum in Garmisch-Partenkirchen gelangt ist, weiß bisher noch niemand. Inzwischen ist aber immerhin klar, dass im Klinikum insgesamt 35 Infektionen, also fast die Hälfte der aktuellen Fälle, auf das Konto dieser Mutation gehen. Dass die zahlreichen Infektionen im Klinikum schnell erkannt worden seien, sieht Klinik-Geschäftsführer Frank Niederbühl als Erfolg der Reihentestungen auf allen Stationen an. Derzeit betroffen sind laut Stockklausner - außerhalb des ohnehin isolierten Covid-Bereichs - zwei internistisch-geriatrische Stationen mit meist älteren Patienten.

Die beiden betroffenen Etagen wurden nach Klinikangaben abgesperrt, das Personal betrete sie nur mit voller Schutzausrüstung. Die Zahl der infizierten Patienten lag am Montagnachmittag bei 53, die der infizierten Mitarbeiter bei 24 - insgesamt arbeiten etwa 1500 Menschen in dem Kreiskrankenhaus mit seinen 505 Betten. Laut Geschäftsführer Niederbühl sind dort alle planbaren und nicht zwingend nötigen Behandlungen und Operationen bis auf Weiteres abgesagt. Man verfüge aber noch über freie Betten, auch auf der Intensivstation. Dort würden derzeit sechs Covid-Patienten betreut, drei davon künstlich beatmet. Man habe "die Lage im Griff", betonten Klinikchef Niederbühl und Landrat Speer.

Clemens Stockklausner wird nach eigenen Worten noch ein paar Tage brauchen, um die Virusvariante genauer einordnen zu können. Denn Veränderungen des Virus lassen sich nur per Erbgut-Sequenzierung erkennen, die in Deutschland noch nicht zur Routine gehört und in Bayern künftig in ersten Ansätzen am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit geleistet werden soll. Stockklausner bleibt da einstweilen auf die Charité angewiesen. "Wir erwarten bis Ende Januar eine Rückmeldung mit weiteren und aussagekräftigen Details."

© SZ vom 19.01.2021/van/syn
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