Flüchtlinge in Bayern Herrmann bittet Pensionäre um Hilfe

Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern sitzen auf einer Treppe am Bahnhof in Rosenheim und warten darauf, registriert zu werden.

(Foto: dpa)
  • In diesem Jahr wird Bayern möglicherweise mehr als 100 000 Flüchtlinge aufnehmen.
  • Damit werden auch die Rekordzahlen aus den neunziger Jahren überschritten: Die Behörden sind mit dem Arbeitsaufwand überfordert.
  • Jetzt sollen sogar Beamte im Ruhestand bei der Registrierung mitarbeiten.

Pensionierte Beamte sollen in Bayern künftig helfen, die vielen Asylbewerber zu registrieren. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat in einem Brief 2651 Pensionäre um Unterstützung gebeten. "Die Regierungen benötigen für die Ersterfassung der Flüchtlinge dringend verwaltungserfahrenes Personal aus unserem gesamten Geschäftsbereich", heißt es darin.

Die Zunahme der Flüchtlinge sei dramatisch, schreibt Herrmann, deswegen müssten nun auch außergewöhnliche Maßnahmen ergriffen werden. "Trotz Einsatz aller verfügbaren Kapazitäten sind die für die Erstaufnahme zuständigen Regierungen kaum noch in der Lage, die verwaltungsmäßige Erstregistrierung zeitgerecht zu bewältigen."

Die pensionierten Polizisten und ehemaligen Mitarbeiter aus der Allgemeinen Inneren Verwaltung sowie der Obersten Baubehörde sollen vor allem dabei helfen, die Asylbewerber mit der elektronischen Datenverarbeitung zu erfassen, um die Voraussetzung für die Weiterverteilung auch auf andere Bundesländer zu schaffen.

Umsonst müssen sie das nicht tun, die ehemaligen Beamten erhalten einen Arbeitsvertrag und werden dem Tariflohn entsprechend bezahlt.

Zahl der Asylbewerber auf dem Höchststand

Unterdessen korrigierte Sozialministerin Emilia Müller (CSU) ihre Prognose der Asylbewerber-Zahlen nach oben. Die Zahl wird demnach heuer einen neuen Höchststand erreichen. Müller rechnet damit, dass in Bayern zwischen 90 000 und 110 000 Flüchtlinge untergebracht werden müssen. Der Rekord lag bisher im Jahr 1992. Damals nahm der Freistaat 60 000 Menschen auf, überwiegend aus Rumänien und den Kriegsgebieten im ehemaligen Jugoslawien.

"Derzeit erreichen Bayern im Schnitt über 1500 Menschen pro Tag - Tendenz weiter steigend", sagte Müller. Tatsächlich reisen weit mehr Asylbewerber in den Freistaat ein, der größere Teil wird aber über eine festgelegte Quote auf die Bundesländer verteilt. Seit Jahresbeginn seien 117 000 Menschen im Freistaat angekommen, sagte Müller. "Davon verbleiben in Bayern rund 50 000."

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