bedeckt München 15°
vgwortpixel

Nürnberg:Flüchtlinge demonstrieren vor Bundesamt für Migration

Kundgebung von Flüchtlingen vor dem Bundesamt für Migration

Die Flüchtlinge aus Afghanistan, Äthiopien, Iran und Syrien fordern unter anderem ein schnelleres Asylverfahren, eine freie Wohnungswahl und die Abschaffung der Lagerunterbringung.

(Foto: dpa)
  • Knapp 100 Asylbewerber haben vor dem Bundesamt für Migration in Nürnberg demonstriert.
  • Sie hatten dem Präsidenten des Amtes Manfred Schmidt zuvor einen Brief geschrieben.
  • Die Asylbewerber demonstrieren für die Anerkennung ihrer Asylanträge und dafür, dass sie aus den Unterkünften ausziehen dürfen.

Der Gehsteig vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist am Montagvormittag nur schwer passierbar. Ein paar Dutzend Menschen stehen da, sie halten Plakate in der Hand und warten auf Präsident Manfred Schmidt. Dem haben die Flüchtlinge aus Äthiopien, Iran und Afghanistan einen Brief geschrieben und jetzt sind sie selbst gekommen. Weil sie bleiben wollen. Die Asylbewerber demonstrieren für die Anerkennung ihrer Asylanträge und dafür, dass sie aus den Heimen ausziehen und arbeiten dürfen.

Wie Hassan Moradi aus Afghanistan. Fünf Jahre ist er schon in Deutschland, mit 17 Jahren floh er alleine aus seiner Heimat. In Nürnberg ging er zur Schule, schaffte einen Abschluss und machte eine Lehre als Maler und Lackierer. In seinem Beruf arbeiten kann er allerdings nicht, weil er nur geduldet ist und deswegen keine Arbeitserlaubnis hat. "Ich habe eine eigene Wohnung, aber ich fühle mich wie im Gefängnis, weil die Abschiebung droht", sagt der 22-Jährige. Deswegen steht auch er vor dem Bundesamt.

Für Duldungen sind die Kommunen zuständig

Mit seinem Anliegen ist er dort allerdings nicht ganz an der richtigen Adresse, das Bundesamt entscheidet zwar über die Asylanträge. Für Duldungen und Arbeitserlaubnisse allerdings sind die Ausländerbehörden in den Kommunen zuständig.

Schmidt kommt nicht heraus an diesem Montag, allerdings stellen sich ein paar Mitarbeiter den Demonstranten. Wie Pressesprecher Mehmet Ata. Tatsächlich, sagt er, müssten die Menschen aus Iran, aus Afghanistan und Äthopien länger darauf warten, dass ihre Asylanträge bearbeitet werden. Länger als der Durchschnitt. Das liegt daran, dass im Moment Asylbewerber aus Syrien, Irak und Eritrea Priorität haben, sie werden beinahe zu 100 Prozent anerkannt.

Aber auch die Anträge von Menschen aus dem Westbalkan werden besonders schnell bearbeitet, weil sie nahezu kein Chance haben, anerkannt zu werden und deswegen schnell wieder abgeschoben werden müssen. Andere Asylbewerber wie die Demonstranten müssen deswegen länger warten. Im Schnitt etwa 12,5 Monate, sagt Ata. "Das ist bedauerlich", sagt er, "aber ich kann ihnen im Moment keine Hoffnung machen, dass es demnächst schneller geht."

© SZ.de/lime
Zur SZ-Startseite