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Fernsehshow:Schwertschlucker verletzt sich schwer bei Weltrekordversuch

Franz Huber in Garching an der Alz, 2017

Eine leichte Übung für Franz Huber: Hier schluckt er ein einzelnes Schwert. Beim Weltrekordversuch mit 20 Schwertern verletzte er sich schwer.

(Foto: Sebastian Beck)

Franz Huber steckt sich für eine BR-Fernsehshow 20 Schwerter in den Hals. Das misslingt - doch weil die Kamera läuft, macht er trotzdem weiter.

Das neue Jahr hat für den Schwertschlucker Franz Huber viel besser begonnen, als das alte aufgehört hat. Es kam eine erfreuliche Mail von der Agentur Guinness World Records bei ihm an. Die Post aus London bestätigte, er sei der erste Mensch, der nachweislich 20 Liegestützen mit einem Schwert im Hals geschafft hat. Sein letzter Versuch hingegen endete auf der Intensivstation. Für eine TV-Sendung sollte er im Dezember vor laufender Kamera 20 Schwerter schlucken und dabei gleichzeitig drei Bälle jonglieren. Exklusiv für das Bayerische Fernsehen.

Franz Huber, 36, aus Garching an der Alz betätigt sich seit 2012 als Schwertschlucker. Er arbeitet als Elektriker. Derzeit hat er fünf Guinness-Weltrekorde inne, vier von ihnen stellte er im September auf, unter anderem den mit den Liegestützen und den Rekord mit den am meisten geschluckten Schwertern: 28 Stück auf einmal. Die Süddeutsche Zeitung porträtierte Huber. Von der außergewöhnlichen Freude an Rekorden in seinem ebenso außergewöhnlichen Hobby ließ sich das Bayerische Fernsehen offenbar inspirieren. Am 3. Dezember sollte Huber in der Hammerschmiede in Burghausen den nächsten Rekord aufstellen. Zu knacken war die alte Bestmarke: 18 geschluckte Schwerter mit drei zu jonglierenden Bällen.

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Die Kamera lief. Schon als er sich die Schwerter in den Rachen steckte, spürte er, dass etwas nicht stimmte. Bei einem gewöhnlichen Auftritt hätte er abgebrochen. Vor der Kamera machte er weiter. "Ich habe die goldene Regel ignoriert: Wenn's nicht leicht geht, dann auf keinen Fall drücken", sagt er. "Ich hatte mich zu sehr aufs Jonglieren und zu wenig aufs Schlucken konzentriert." Die Kunst des Schwertschluckens besteht in der Fertigkeit, den Schluckreflex und den Brechreiz zu kontrollieren.

Er spürte, als die Klinge im Magen steckte, dass die Speiseröhre verletzt war. Nach dem Herausziehen schmerzte der Hals, die Stimme klang "wie eine Blechbüchse". Das Fernsehteam brach die Aufzeichnung sofort ab und verständigte den Notarzt. Huber kam mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus. In Altötting wurde er intubiert, damit er nicht erstickte - im Münchner Klinikum Großhadern erwachte er aus der Narkose. Auf der Intensivstation. Mit einem sehr, sehr dicken Hals. Seither liegt Huber im Krankenhaus, Ende dieser Woche rechnet er mit seiner Entlassung.

Ein Schwertschlucker hat sich verschluckt - klingt komisch, ist es aber nicht. Franz Hubers Malheur erinnert an den schweren Unfall des damals 23 Jahre alten Samuel Koch in der Show "Wetten dass ... ? " am 4. Dezember 2010. Koch verunglückte in der Live-Sendung, als er mit Sprungstiefeln über ein fahrendes Auto sprang. Er ist seit dem Unfall querschnittsgelähmt. Und "Wetten dass ... ?", die einstmals erfolgreichste deutsche TV-Show, wurde eingestellt.

Dieser Unfall machte Intendanten und Fernsehredakteuren klar: Rekorde, die fern von olympisch anerkannten Sportarten mit einer extraordinären körperlichen Leistung aufgestellt werden, eignen sich für Fernsehspielchen nicht. Seither sind Rekordjäger, die jeden noch so halsbrecherischen Schmarrn mitmachen, vor öffentlich-rechtlichen Scheinwerfern tabu. Eigentlich waren die Fernsehredaktionen sensibilisiert, wenn Körperkünstler bereit waren, ihre Gesundheit zu riskieren. Wer Publicity sucht, muss sich heute normalerweise bei Extremsportförderern wie Red Bull engagieren lassen. Allenfalls Privatsender lassen sich hin und wieder zu solchen Auftritten hinreißen: Franz Huber trat zum Beispiel bei RTL auf.

Der BR bedauert den Unfall. Allerdings weist er eine Verantwortung von sich. Huber wurde in Burghausen einer Sprecherin zufolge für eine Sendung aufgezeichnet, bei der "es sich um ein Pilotformat mit dem Arbeitstitel Heimat der Rekorde" handelt. Das Konzept bestehe darin, "interessante, erstaunliche und überraschende Rekorde aus Bayern" zu zeigen. Die Realisierung ist bei einer Produktionsfirma in Auftrag gegeben. Die älteste Kellnerin soll in der Sendung ebenso "dokumentarisch vorgestellt werden" wie der höchste Backsteinturm - oder eben der Schwertschlucker aus dem Landkreis Altötting.

"Wir haben ihn für die Sendung zu keiner Höchstleistung oder gar einem neuen Rekord herausgefordert, sondern sind lediglich seinem Angebot gefolgt, eine schon mehrfach von ihm aufgeführte Nummer mit der Kamera zu begleiten", teilt die Sprecherin mit. Mit dem Vorfall bei "Wetten dass ...?" will der BR Hubers Verletzung nicht verglichen wissen. "In Heimat der Rekorde werden nicht Spielshow-Kandidaten zu neuen Höchstleistungen vor Zuschauern aufgefordert."

Aber handelte es sich bei Franz Hubers Weltrekord-Versuch nicht von Natur aus um das Erreichen einer Bestmarke? Im Jonglieren war der Varieté-Künstler noch keineswegs so geübt, wie der BR suggeriert. Diese Nummer praktizierte er keineswegs regelmäßig. Huber fragt sich gerade, ob er seine Karriere fortsetzen soll. Und ob er überhaupt noch kann. Möglicherweise, sagt er, halte er es künftig so: Schwertschlucken ja, aber nur noch auf der Bühne. Und ohne Rekordversuche. Das hätten ihm jedenfalls seine Freunde geraten.

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