Ermittlungen Der Fall Brückner schockt die CSU

Die Staatsanwaltschaft durchsuchte das Haus von Michael Brückner. Er legte alle seine Ämter nieder.

(Foto: dpa)
  • Brückners Haus wurde von der Staatsanwaltschaft durchsucht. Er hat am Mittwoch eingeräumt, zweimal sexuelle Handlungen mit einer Jugendlichen gehabt zu haben.
  • Beim ersten Mal soll sie noch 15, beim zweiten Mal 16 Jahre alt gewesen sein.
  • Brückner hatte schon mal Schlagzeilen gemacht, als Topverdiener im Landtag. Als Bauer verdiente er deutlich mehr als als Abgeordneter.
Von Olaf Przybilla und Wolfgang Wittl, Nürnberg

Und wieder ist es der Stimmkreis Nürnberg-Nord, die CSU hat "dort einfach die Seuche", sagt einer der Parteioberen. Am Tag zuvor ist der Abgeordnete Michael Brückner zurückgetreten, in einer dürren Erklärung hat er "unausweichliche" Gründe angegeben.

Was das heißt, wird der CSU scheibchenweise klar. Dafür umso heftiger: Gegen den Landwirt Brückner wird ermittelt, weil er Geschlechtsverkehr mit einer 16-Jährigen gehabt und dafür bezahlt haben soll. Den Sex mit der Minderjährigen hat Brückner am Mittwoch selbst eingeräumt. Markus Söder spricht von einem persönlichen Schock. "Und einem Schock für die Partei."

Am Dienstag, als allmählich klar wird, um was es da geht, wirkt Söder angeschlagen. Ein Mann, der um Worte ringt, was man beim Finanzminister nicht häufig erleben kann. Am Mittwoch ist er schon wieder im Betriebsmodus, redet von "zügigem Handeln", das nun notwendig sei. Wie ein Skispringer, der weiß, dass er möglichst rasch zurück auf die Schanze muss, wenn er ins Straucheln gekommen ist. Söder will die Sache möglichst schnell verarbeiten, einordnen und weitermachen. Egal, ob auf dem Stimmkreis Nürnberg-Nord ein Fluch zu liegen scheint für die CSU.

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Erst musste der Bezirksvorsitzende Söder dort erleben, wie der gewählte Ministerpräsident zurücktrat, der Stolz der Stadt und der gesamten fränkischen CSU. Und nach dem Rückzug des Stimmkreisabgeordneten Günther Beckstein als Regierungschef wurde es dann noch schwieriger in der Region hinter der Kaiserburg. Als Söder endlich einen Nachfolger gefunden hatte, einen jungen Juristen, sprang der aus persönlichen Gründen ab, kurz vor der Landtagswahl. In diesem Fall waren es wirklich private Gründe, eine Eselei könnte man sagen, aus der der Kandidat Konsequenzen zog.

Brückner gibt nun auch "private Gründe" an. Aber die sind nur im weitesten Sinne privat. Ein Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen gegen einen Parlamentarier und CSU-Kreisvorsitzenden - das ist so ziemlich das Gegenteil eines Rückzugs aus privaten Gründen. Man kann sprechen, mit wem man will, in der CSU am Tag danach. Ein Wort fällt immer: fassungslos.

Der Bauer aus dem Knoblauchsland

Dabei hatten sie Brückner gefeiert nach der Landtagswahl. Der Bauer aus dem Knoblauchsland, einem der größten Anbaugebiete Bayerns, hatte den Stimmkreis, eine Hochburg der SPD, aus dem Stand gewonnen gegen den sehr umtriebigen SPD-Mann Arif Tasdelen. Der Stimmkreis ist zweigeteilt. Hinter der Burg wohnt klassisches rot-grünes Stadtbürgertum, dahinter bewirtschaften Landwirte ihre Felder. Brückner, ein stämmiger, handfester Typ, siegte. Wenn auch knapp. Und erzählte seine Erfolgsgeschichte danach gerne.

Jetzt hat der Familienvater Brückner sein Mobiltelefon ausgeschaltet. Sein Haus wurde von der Staatsanwaltschaft durchsucht. Am Mittwoch hat Brückner sexuelle Handlungen in zwei Fällen an einer Jugendlichen eingeräumt. Beim ersten Mal soll sie noch 15, beim zweiten Mal 16 Jahre alt gewesen sein. Bei diesem zweiten Mal, schreibt die Anwältin Brückners in einer Erklärung, "kam es zum Geschlechtsverkehr".

Ihm würden nun "zwei einvernehmliche sexuelle Handlungen mit einer Jugendlichen gegen Entgelt" vorgeworfen. Der Kontakt mit der Jugendlichen - sie stammt nach Angaben der Staatsanwaltschaft aus der Region - sei über "öffentliche Inserate" des Mädchens zustande gekommen. Er schäme sich zutiefst für sein Verhalten und danke seiner Familie für die Unterstützung, schreibt Brückner.

Ministerpräsident Seehofer spricht von einem "gewaltigen Fehler"

Brückner hatte schon mal Schlagzeilen gemacht, als Topverdiener im Landtag. Mehr als 7500 Euro monatlich bekam Brückner als Abgeordneter, was viel ist, aber wenig verglichen mit dem, was er als Geschäftsführer und Teilinhaber zweier Firmen für Gemüseanbau an Einkünften bezieht: zwischen zwei und drei Millionen Euro pro Jahr. Ein Abgeordneter im Nebenjob quasi, wurde gemunkelt. Für Brückner verliefen die Schlagzeilen aber glimpflich. Er konnte klarmachen, dass die Einnahmen aus dem Verkauf von Gurken nicht mit dem Gewinn gleichzusetzen sind.

Ministerpräsident Horst Seehofer spricht von einem "gewaltigen Fehler", den Brückner gemacht und für den er nun die Konsequenzen zu tragen habe. Es sei ein Schaden für die CSU in ganz Bayern entstanden. Günther Beckstein ringt sich zu einem Lob durch: Fleißig und bemüht sei Brückner gewesen. Jetzt aber sei Beckstein "einfach erschüttert". Er spüre das wohl noch intensiver, "immerhin war es mein Stimmkreis".

Für Freitag hat Bezirkschef Söder zu einer Sondersitzung des Kreisvorstands eingeladen. Es soll darum gehen, wer nun den Vorsitz übernimmt und möglichst als Kandidat für die Wahl 2018 zur Verfügung steht. Einen weiteren Fehlgriff kann sich die Partei kaum leisten. Nachfolger soll eine Frau werden, die CSU-Stadträtin Barbara Regitz gilt als favorisiert.

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