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Allgäu:Die nächste Razzia im Kuhstall

Tierschutzskandal im Allgäu

Amtstierärzte bei der Untersuchung der Rinder auf dem Milchviehhof in Dietmannsried.

(Foto: Philipp Hörmann/MGT)
  • Ein weiterer Milchviehhof im Allgäu soll massiv gegen das Tierwohl verstoßen haben.
  • Ein Sprecher des Landratsamtes Oberallgäu sagte, zahlreiche Tiere litten an ehrheblichen Verletzungen, die Stallungen seien sehr verschmutzt.
  • Der unangekündigten Kontrolle waren offenbar anonyme Hinweise auf Missstände vorangegangen.
  • Der Betrieb ist der zweite in Dietmannsried, dem massive Verstöße gegen den Tierschutz vorgeworfen werden.

Von Christian Sebald, Dietmannsried

Die Serie von Tierschutzskandalen auf Milchviehhöfen im Allgäu reißt nicht ab. Am Mittwoch kontrollierten Veterinäre einen Großbetrieb in Dietmannsried (Landkreis Oberallgäu), auf dem 480 Milchkühe und hundert Kälber gehalten werden. Der Vorwurf: massive Verstöße gegen das Tierwohl. Details wurden zunächst nicht bekannt, da die Aktion bis weit in die Nachmittagsstunden hinein andauerte.

Allerdings sollen auf dem Hof "verheerende Zustände" herrschen, wie ein Sprecher des Landratsamts Oberallgäu sagte. Zahlreiche Tiere litten an teils "erheblichen Verletzungen". Die Stallungen seien sehr verschmutzt. Nach Worten des Sprechers steht ein Tierhaltungsverbot für den Landwirt im Raum - sein Erlass zählt zu den drakonischsten Sanktionen, die Amtsveterinäre gegen Tierhalter haben.

An der Kontrolle, die unangekündigt stattfand, waren Veterinäre des Landratsamts Oberallgäu und der Regierung von Schwaben, aber auch Experten des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) beteiligt. Vorangegangen waren offenbar anonyme Hinweise auf gravierende Missstände in dem Betrieb.

Auch Tierschützer hatten den Hof bereits im Visier. "Wir haben ebenfalls mehrfach Hinweise erhalten, dass in dem Betrieb richtig schlimme Zustände herrschen, und deshalb bereits über ihn recherchiert", sagte der Tierrechtler Philipp Hörmann. Er beobachtete die Kontrolle am Mittwoch. "Da ist ein richtig großes Aufgebot angerückt", sagte er und berichtete von Kühen, die bis zur Körpermitte hinauf über und über mit Fäkalien beschmutzt waren. Etliche Tiere hätten gehumpelt, andere sogar nur noch auf drei Beinen gehen können.

Die Kontrolleure hätten die Rinder entsprechend ihrem Zustand in verschiedene Gruppen eingeteilt, um danach über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Auch der Hof selbst macht laut Hörmann einen "sehr unaufgeräumten und verschmutzen Eindruck". Der Tierrechtler berichtete außerdem von einer Biogasanlage und zahlreichen Kälberiglus im Freien. Das sind kleine weiße Kunststoffboxen, in denen die Kälber gehalten werden, nach dem sie von den Mutterkühen getrennt worden sind.

Der Betrieb ist der zweite in Dietmannsried, dem massive Verstöße gegen den Tierschutz vorgeworfen werden. Auf einem Bauernhof in seiner Nachbarschaft mussten im Dezember bei einer Kontrolle sechs Rinder notgetötet werden, weil sie in so schlechtem Zustand waren. 26 weitere der insgesamt etwa hundert Tiere wurden tierärztlich behandelt, damit sie nicht noch weitere Schäden erlitten.

Dietmannsried liegt nur wenige Kilometer von Bad Grönenbach (Landkreis Unterallgäu) entfernt, wo drei großen Milchviehbetrieben ebenfalls massive Tierwohlverstöße vorgeworfen werden. Die Fälle waren im August ans Licht gekommen, als Tierschützer erschütternde Bilder aus einem der Betriebe veröffentlichten. Die Memminger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehr als ein Dutzend Verdächtige, unter ihnen die Betreiber und Mitarbeiter der Betriebe, aber auch Tierärzte.

© SZ vom 09.01.2020/kaal
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