CSU-Verband Oberbayern Parteikollegen fordern von Aigner mehr Unterstützung für Söder

Vor allem Herrmann und Kaniber gehören zu Söders Vertrauten. Im Kampf um die Staatskanzlei hatten sie vor einem Jahr klar Position für Söder und gegen Seehofer bezogen. Aigner - dem Oberbayern Seehofer als Bezirkschefin zu Treue verpflichtet - geriet intern mehr und mehr unter Druck. Rund zwei Dutzend Kreisverbände hat ihr Bezirk. Sie zusammenzuhalten, ist schon in Friedenszeiten eine Aufgabe. In CSU-Umbruchzeiten könnte auch ein UN-Generalsekretär daran verzweifeln.

Fraktionsvize Ingrid Heckner forderte damals indirekt Aigners Kopf, sollte sie nicht bald ein ehrlicheres Bild von der Stimmung wiedergeben - pro Söder. Als Aigner dann eine Urwahl für den Kandidaten als Regierungschef (und damit sich selbst) ins Spiel brachte, ließ der heutige Staatskanzleichef Herrmann sie wissen: "Nicht irgendwelche Möchtegerns" könnten Ministerpräsident werden, sondern nur der beste: Söder. Für die Worte entschuldigte sich Herrmann bei seiner Bezirkschefin. Inhaltlich hatte er vermutlich nichts zurückzunehmen.

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Aigner-Freunde zeigen sich nach den Fraktionswahlen nun wieder irritiert: "Eigentlich sind alle Schlachten geschlagen. Ich verstehe nicht, warum das wieder aufbricht", sagt einer. Soll die Bezirkschefin destabilisiert werden? Soll der Weg an die Spitze der Oberbayern-CSU für einen Getreuen Söders geebnet werden? Herrmann und Kaniber wären gewiss aussichtsreiche Bewerber, sollte Aigners Stuhl frei werden. Es gibt jedoch keine Anzeichen, dass sie aktiv daran sägen. Noch sitzt Aigner sicher. Kaum ein CSU-Politiker kann sich mit ihrer Beliebtheit messen. Bei der Landtagswahl sammelte sie 470 000 Stimmen ein - die meisten im Freistaat und sogar fast 200 000 mehr als Söder im kleineren Mittelfranken. Auch Söder kann an einem Streit mit Aigner nicht gelegen sein. Er muss die ganze Partei hinter sich bringen, will er bei den nächsten Wahlen erfolgreicher abschneiden. Außerdem stand Aigner im Wahlkampf loyal an seiner Seite.

Für die Oberbayern stellten sich für die Zukunft zwei Fragen, sagt ein Vorstandsmitglied: Wollen sie wieder eine geschlossene Einheit mit eigener Stärke sein? Oder wolle man zum Appendix des baldigen Parteichefs werden? An oberbayerischen Unterstützern fehlt es Söder schon jetzt nicht, nach und nach hat er Brückenköpfe errichtet. Zur wachsenden Fangemeinde gehören neben Herrmann (Freising) und Kaniber (Berchtesgadener Land) auch die neue Landtagsfraktionsvize Tanja Schorer-Dremel (Eichstätt) und der junge Traunsteiner Landrat Siegfried Walch, 34, von dem man nicht genau weiß, was größer ist: seine Begeisterung für Söder oder sein eigener Ehrgeiz. Auch in Seehofers Lager gab es Zweifler, ob Aigner noch die Richtige sei. Manch einer hielt den Seehofer-Intimus Alexander Dobrindt für eine bessere Wahl, doch diese Gedanken dürften mangels Erfolgsaussichten vorerst ruhen.

Am Samstag trifft sich der erweiterte Vorstand der Oberbayern-CSU zur Klausur, in Altötting kommen sie alle zusammen. Markus Söder wird einen Bericht zur politischen Lage abgeben. Horst Seehofer will auf seiner Abschiedstour als Parteichef ein paar Worte in seinem Heimatverband sprechen. Und für Ilse Aigner wäre es wohl eine gute Gelegenheit, ihren Leuten mitzuteilen, dass sie im Sommer wieder als oberbayerische CSU-Chefin antreten will. Seit 2011 steht sie an der Spitze. Dass sich Landtagspräsidentin und Bezirksvorsitz nicht ausschließen müssen, hat sie mit Verweis auf ihren Vor-Vorgänger Alois Glück schnell klargestellt. Nicht dass noch jemand auf falsche Gedanken kommt.

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