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Landtagswahl in Bayern:Bei Bundestagswahlen profitiert die CSU ausgerechnet von Kanzlerin Angela Merkel

Je harmonischer eine Partei auftritt, desto interessanter ist sie für Frauen, so kann man nicht nur die Kurzumfrage an den Stehtischen in der CSU-Zentrale zusammenfassen, das sagt auch die Wissenschaft, etwa Matthias Moehl vom Wahlinformationsdienst election.de. Frauen seien deshalb vor allem integrativen Volksparteien zugeneigt, Männer eher solchen, die tendenziell für Einzelinteressen eintreten wie FDP, Linke oder AfD. Auch die Grünen seien deshalb in ihrer Anfangszeit vor allem von Männern gewählt worden, bevor sie zu der Frauenpartei wurden, die sie jetzt sind.

Einen Einbruch bei den weiblichen Wählern der Union habe es nur zweimal bei Bundestagswahlen gegeben: bei Strauß und Stoiber. Also immer dann, wenn die eher zu Provokationen neigende CSU den Kanzlerkandidaten stellte. Und dann sagt Moehl etwas, das einigen bei der CSU wohl nicht gefällt: "Die CSU profitiert bei ihren weiblichen Wählern in den Bundestagswahlen von Kanzlerin Angela Merkel." Frauen schätzten ihren eher weichen und kompromissbereiten Stil.

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"Nationalist sein und katholisch sein, das geht nicht", sagt der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz.

Für diese Erkenntnisse hätte Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) gar keine Umfragewerte analysieren müssen, sie hört es jeden Tag, wenn sie mit Frauen spricht. Immer wieder habe sie in ihrer Partei darauf hingewiesen, dass es vor allem Frauen seien, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren und bestimmte Botschaften bei ihnen ganz anders ankämen. Stamm saß schon 1987 im Kabinett, als es dort nur zwei Frauen gab, und eines ist ihr besonders wichtig: Um Frauen für die CSU zu gewinnen, dürfe die Partei nicht nur "mit Männerbildern erscheinen". Auch jetzt, als es um die Sicherung der Grenzen ging, "waren nur Männer zu sehen", sagt Stamm. Dabei sei die Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag eine CSU-Frau. "Wir haben ja tolle Frauen. Die müssen mehr herausgestellt werden."

"Er ist da noch in der Bringschuld"

Daniela Ludwig, der stellvertretenden Landesvorsitzenden der Frauenunion, fällt noch etwas ein. Immer nur das gleiche Thema, immer nur Flüchtlinge, das gefalle Frauen nicht. Frauen beschäftige viel mehr, Familie, Bildung, bezahlbare Wohnungen. Und Söder, der lange nur ein Thema kannte und eher ein Freund des klaren als des bedachten Wortes ist? Die meisten seien überrascht, wenn sie ihn persönlich erleben, sagt Ludwig. Der sei ja ganz charmant und witzig, nicht so kantig, wie man ihn aus den Medien kenne, das höre sie dann oft.

Ulrike Scharf, Bezirksvorsitzende der Frauenunion Oberbayern, beschreibt Söders Ruf bei Frauen ein wenig anders. Er werde gesehen als einer, der Bayern manage und das nicht schlecht, aber auch als einer, der keine Zeit habe, der immer weiter muss, sagt sie. Dass Söder kürzlich einen anderen politischen Stil angekündigt hat, werde von Frauen sicher gut aufgenommen, nur: "Er ist da noch in der Bringschuld."

Am Sommerfest der Frauenunion gibt sich Söder alle Mühe. Er zügelt seine Ungeduld, wenn manch ältere Dame nicht gleich weiß, wie man mit so einem Handy ein Foto macht. Nicht einmal spricht er von Flüchtlingen, dafür über Pflege und Familie. Er wendet sich gegen Ehrverletzungen in der Politik und kritisiert, wie gerade über die CSU gesprochen werde, etwa auf der Demo am Wochenende in München. Gerade da jubeln ihm die Damen zu. Anständig bleiben, das gilt für sie nicht nur für die CSU, sondern auch für die anderen. Ist der Ärger über die eigene Partei also schon wieder vergessen? "Frauen vergessen nie", sagt die Dame mit der Hochsteckfrisur. "Aber sie verzeihen."