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Landtagswahl in Bayern:Die CSU ist drauf und dran, ihre weibliche Wählerschaft zu vergraulen

Markus Söder zu Gast bei der Frauen-Union

Bitte lächeln: Bei den Besucherinnen des Sommerfestes der Frauen-Union war Markus Söder so umschwärmt wie ein Filmstar. Als er allerdings kürzlich vom "Asyltourismus" sprach, wären einige fast ausgetreten.

(Foto: Lisa Schnell)
  • Seit 1974 stimmten in den Landtagswahlen immer mehr Frauen für die CSU als Männer - obwohl die Kandidaten meist Männer waren.
  • Jetzt aber sind es vor allem Frauen, die mit der CSU hadern.
  • Nur noch 37 Prozent von ihnen würden sich laut dem aktuellen Bayern-Trend im Moment für die CSU entscheiden, das sind sieben Prozentpunkte weniger als bei der letzten BR-Umfrage im Mai.

Ein Menschenmeer liegt vor Markus Söder, ein Meer, das fast ausschließlich aus Frauen besteht. Der Ministerpräsident steht in der CSU-Zentrale, vor ihm warten um die 600 Gäste der Frauenunion auf ihn. Etwa fünf Meter sind es zur Bühne, die in pinkes Licht gehüllt im Hinterhof steht. Doch Söder kommt nicht weit.

Um 18.50 Uhr macht er den ersten Schritt, da umschließt ihn das Damenmeer. Vor ihm eine Wand aus Handtaschen, über ihm ein Himmel von Glitzerhandys. "Zu mir! Zu mir!", ruft es von links und von rechts. Eine ältere Dame ist so fasziniert von seinem Antlitz, dass sie ganz vergisst in die Kamera zu blicken. Eine andere drückt ihm ein Geschenk in die Hand, Gedichte, die nächste ruft von hinten: "Weg, ich muss jetzt da hin!" Es ist 19.07 Uhr, Söder ist kaum einen Schritt weitergekommen. "Da sehen Sie, wie beliebt Sie sind", sagt eine zu ihm. Söder: "Ich wundere mich auch manchmal."

Söder hat das wohl als Scherz gemeint, es fallen ihm sicher viele Gründe ein, die das Volk für ihn begeistern sollten. Das Bad gerade in einer weiblichen Menge aber könnte in diesen Zeiten besonders wohltuend sein. Frauen waren der CSU immer besonders treu. Seit 1974 stimmten in den Landtagswahlen immer mehr Frauen für die CSU als Männer und das, obwohl die Kandidaten meist Männer waren. Jetzt aber sind es vor allem Frauen, die mit der CSU hadern.

Nur noch 37 Prozent von ihnen würden sich laut dem aktuellen Bayern-Trend im Moment für die CSU entscheiden, das sind sieben Prozentpunkte weniger als bei der letzten BR-Umfrage im Mai. Bei Männern dagegen sank die Zustimmung nur um einen Punkt. Die CSU ist drauf und dran, ihre weibliche Wählerschaft zu vergraulen, so scheint es. Warum? Und wie bekommt sie die Herzen der Frauen wieder zurück? Kaum ein Ort offenbart so einen guten Blick in die weibliche Seele von CSU-Wählerinnen wie das Sommerfest der Frauenunion.

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Wirklich jede hat nun wohl ein Foto mit Söder. Einige machen noch eines mit einem übergroßen Lippenstift in der Selfie-Box, andere geben sich schon der Musik hin ("It's a man's world"), Franziska Raab-Oehm aber steht mit ihrem Weinglas an einem Stehtisch und hat eine sehr kurze Antwort auf die Frage, was Frauen an der CSU gerade stört: "Asyltourismus".

Sie weiß noch, wie sie Söder im Fernsehinterview gesehen hat. Alles richtig, dachte sie sich da, die Durchsetzung von europäischem Recht an der Grenze, das Beharren auf den eigenen Positionen und dann sagte Söder dieses Wort: "Asyltourismus". "Ich wäre fast ausgetreten", sagt Raab-Oehm. Sie ist 24 Jahre alt, bei sich zu Hause in Ottobrunn betreut sie selbst eine syrische Familie, die vor Krieg und Terror geflohen ist. Mit Touristen, die Urlaub machen, hat das für Raab-Oehm wenig zu tun.

Oder CSU-Chef Horst Seehofer, der 69 abgeschobene Flüchtlinge als Geburtstagsgeschenk versteht. "Menschenverachtend", findet das eine Dame, die aus ihren grauen Haaren eine akkurate Hochsteckfrisur gezaubert hat. Abschiebungen seien ja legitim, "für den Einzelnen aber sind sie eine Katastrophe". Frauen, so sieht sie das, sind mitfühlender und sehen auch den Menschen und sein Einzelschicksal. Jemand, der sich darüber amüsiert, komme da nicht gut an. "Stark in der Sache, sanft in der Art und Weise", das sagten nicht nur die Lateiner, das wünscht sie sich auch von den Herren in der CSU.