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Corona-Krise in Bayern:Angehende Ärzte werden brutal ausgebremst

Germanwings A320 abgestürzt - Arzt mit Stethoskop

Angehende Mediziner in Bayern können ihr Zweites Staatsexamen nicht ablegen.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Das Zweite Staatsexamen für Medizinstudenten entfällt, stattdessen sollen sie gleich ins Praktische Jahr gehen. Das ist eine große Belastung - und aufgehen wird die Rechnung wohl auch nicht.

Kommentar von Florian Fuchs

Medizinisches Personal erhält momentan viel Applaus. Pfleger und Ärzte behandeln Patienten mit Corona-Verdacht teils ohne ausreichende Schutzkleidung, sie haben viel Stress und ein großes Risiko. Die Staatsregierung hat deshalb zu Recht beschlossen, Pflegekräften einen Bonus von 500 Euro zu zahlen. Der Beschluss, das Zweite Staatsexamen der Medizinstudenten in Bayern abzusagen, ist deshalb umso unverständlicher: Ausgerechnet dem Nachwuchs so gravierend Steine in den Weg zu legen, der in Zukunft die Bürger vor Viren und anderen Krankheiten schützen soll, ist ein seltsames Zeichen.

Gesundheitsministerin Melanie Huml begründet den Schritt mit dem Infektionsrisiko bei der Prüfung. Weil die Studierenden stattdessen sofort ins Praktische Jahr starten können, unterstützten sie sogar schneller die Bekämpfung des Coronavirus. Die Ausbildung werde auf diese Weise durch Covid-19 nicht ausgebremst. Die Wahrheit ist: Brutaler kann man eine Ausbildung kaum ausbremsen. Die angehenden Mediziner lernen seit Wochen, beim Nachholtermin in einem Jahr müssten sie von vorne anfangen.

Das Praktische Jahr, also die Lehrzeit in verschiedenen Krankenhäusern, haben die Studenten schon geplant, sie haben Verträge unterschrieben und Wohnungen gekündigt. Ausgerechnet in der größten medizinischen Krise belastet man den Nachwuchs auf diese Weise zusätzlich. Viele springen nun wohl ab und warten lieber auf die Prüfungen im Herbst - so werden sie nicht einmal früher im Kampf gegen Corona helfen.

Die Staatsregierung hat gerade eine Kommunalwahl völlig neu organisiert. Da muss es doch zu schaffen sein, eine Medizin-Prüfung mit ein paar Hundert Studenten risikoarm zu gestalten. Große Räume mit viel Abstand sind vorhanden. Die große Mehrheit der anderen Bundesländer zeigt, dass dies möglich ist.

© SZ vom 08.04.2020/vewo
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