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Corona-Pandemie:"Es ist wie ausgestorben"

Fahrbahnteiler B 11

Auf der Kesselbergstraße zum Walchensee sollen Fahrbahnteiler Autos und Motorräder bremsen.

(Foto: Manfred Neubauer)
  • In ganz Bayern ist die Polizei derzeit mit Corona-Kontrollen beschäftigt.
  • Die Zahlen der Unfälle und der allgemeinen Kriminalität sind in den vergangenen Wochen stark zurückgegangen.
  • Auch über Ostern soll verstärkt kontrolliert werden.

Frühlingswetter, Wochenende, Ferienzeit - für die Polizei im oberbayerischen Kochel bedeutet das normalerweise Stress. Wenn viele Menschen unterwegs sind, gibt es viele Unfälle. Gerade die kurvige Kesselbergstraße von Kochel hinauf zum Walchensee gehört zu den beliebtesten Strecken für Motorradfahrer in Bayern und damit auch zu den gefährlichsten. Im vergangenen Jahr gab es dort 13 Verletzte, obwohl die Polizei massiv kontrollierte. In diesem Frühjahr aber ist alles anders, auch in Kochel: Dienststellenleiter Steffen Wiedemann hat in dieser Saison erst einen einzigen Motorradunfall gezählt. "Es ist wie ausgestorben", sagt Wiedemann.

Dafür verwenden er und seine Kollegen umso mehr Zeit darauf, Ermittlungsarbeit zu betreiben und die Ausgangsbeschränkungen zu überprüfen. Sie gelten auch für Motorrad- und Cabriofahrer, sofern sie nicht einen triftigen Grund für ihre Fahrt nachweisen können. Einen Motorradfahrer am Walchensee stoppte Wiedemann vor ein paar Tagen selbst. Der Mann aus München gab an, ihm sei die Decke daheim auf den Kopf gefallen. Menschlich sei das zwar verständlich, sagt Wiedemann. Trotzdem muss der Ausflügler wohl 150 Euro für seine Spazierfahrt zahlen, die Verwarnung für den abgefahrenen Reifen noch nicht eingerechnet.

In ganz Bayern ist die Polizei derzeit mit Corona-Kontrollen beschäftigt. Die Zahl der Unfälle, aber auch die allgemeine Kriminalität sind dagegen stark zurückgegangen. Das Jahr 2020 könnte insofern auch in dieser Hinsicht in die Geschichte eingehen: als das Jahr mit den wenigsten Unfallopfern und Straftaten. Dabei sind die Zahlen auch schon vor der Corona-Krise gesunken. Erst vor vier Wochen hatte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die Kriminalitätsstatistik für 2019 vorgestellt. Die Zahl der Straftaten ist demnach auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren. Und sie könnte noch weiter zurückgehen. Nur drei Beispiele: Die Grenzen sind derzeit geschlossen, was Autoschiebern das Geschäft erschwert. Volksfeste fallen aus und damit auch die Schlägereien im Suff. Wohnungseinbrüche - in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen eher Delikte mit Seltenheitswert.

Dafür haben sich Straftäter ein anderes Betätigungsfeld gesucht. Während der Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verzeichnet die Polizei in Mittelfranken vermehrt Autoaufbrüche. Aus geparkten Fahrzeugen in Nürnberg und Fürth seien in den vergangenen Wochen zahlreiche Wertgegenstände sowie aus Firmenfahrzeugen hochwertige Werkzeuge gestohlen worden.

Trotzdem: In Bayern lebt es sich in diesen Wochen so sicher wie nie zuvor. Auch das Polizeipräsidium Rosenheim, das für das südliche Oberbayern zuständig ist, beobachtet einen spürbaren Rückgang der Straftaten und der Verkehrsunfälle. Zwar habe es auf der Autobahn bei Weyarn einen tödlichen Unfall gegeben, sagt Sprecher Stefan Sonntag. Insgesamt gebe es aber eine erfreulich Entlastung in diesen Tagen. Sogar die Fälle von häuslicher Gewalt seien leicht zurückgegangen. Sonntag ist hierbei mit der Bewertung aber vorsichtig. "Wir wissen nicht, ob derzeit alles angezeigt wird", sagt er.

Eine ähnliche Einschätzung ist vom Polizeipräsidium Oberfranken in Hof zu hören: Auch dort werden weniger Unfälle und Straftaten gezählt. Bei den Fällen der häuslichen Gewalt gebe es zumindest keine auffällige Häufung, sagt Sprecher Wolfgang Prehl. Sowohl das Innenministerium als auch das Landeskriminalamt halten sich mit Bewertungen noch zurück. Dafür sei der Beobachtungszeitraum noch zu kurz.

Ihre freien Kapazitäten steckt die Polizei gerade am Osterwochenende in die Kontrollen. Das Polizeipräsidium Rosenheim kündigt schon mal an, man werde einen strengen Maßstab anlegen. Bisher habe man ein Auge zugedrückt, wenn Menschen Einsicht gezeigt hätten, sagt Sprecher Stefan Sonntag. Inzwischen seien die Regeln etwa für das Einhalten von Mindestabständen zueinander aber allgemein bekannt. Deshalb werde man Verstöße dagegen stringent zur Anzeige bringen.

© SZ vom 09.04.2020/vewo
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