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Coronavirus-Bekämpfung:Bayerns große Parkbank-Posse

Coronavirus - Heidelberg

Darf man sich auf eine Parkbank setzen, die Sonne genießen, ein Buch lesen oder in sein Handy schauen? Diese Frage ist in Bayern zum Sinnbild restriktiver Beschränkungen geworden. Nun ist es wieder erlaubt.

(Foto: dpa)

Darf man sich trotz Ausgangsbeschränkungen auf eine Bank setzen und ein Buch lesen? Nein, hieß es gut zwei Wochen lang von der Polizei. Ja, heißt es jetzt plötzlich. Und das hat auch mit der Landtagsopposition zu tun.

Seit dem Erlass von Ausgangsbeschränkungen in Bayern wurde eine Frage vor allem im Internet teils erregt diskutiert. Nun stellte das Innenministerium klar: Anders als ursprünglich kommuniziert, ist es doch erlaubt, auf einer Parkbank sitzend ein Buch zu lesen. "Es spricht überhaupt nichts dagegen, wenn sich jemand im Rahmen seines Spaziergangs allein, mit der Familie oder sonstigen Angehörigen seines Hausstandes zwischendurch auf eine Parkbank in die Sonne setzt", teilte Minister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwoch mit. "Es spielt für das Infektionsrisiko auch keinerlei Rolle, ob jemand dabei ein Buch oder eine Zeitung liest oder etwa ein Eis isst."

Der Freistaat hatte zum 21. März umfassende Ausgangsbeschränkungen erlassen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Sport oder Spazierengehen im Freien ist zwar alleine oder mit dem Partner gestattet; längeres Sitzen dagegen galt als verboten. Darauf wiesen auch die bayerischen Polizeipräsidien in den sozialen Netzwerken regelmäßig hin. So hatte die Polizei München am Dienstag auf Twitter geschrieben: "Nein, ein Buch auf einer Bank lesen ist nicht erlaubt."

Das löste unter anderem Unmut bei FDP-Fraktionschef Martin Hagen aus: Ebenfalls über Twitter kritisierte er die Regelung als "weder zweckdienlich noch verhältnismäßig". Doch auch die Präzisierung durch das Innenministerium konnte die Internetdebatte nicht gleich beenden. "Tagelang hat man die Polizei diese unsinnige Regelung durchsetzen lassen - und schiebt ihr jetzt den schwarzen Peter zu", kommentierte etwa der SPD-Abgeordnete Florian von Brunn auf Twitter. "Warum nicht früher?" Andere hoben am Mittwoch lieber die unfreiwillig humoristischen Gesichtspunkte dieser Diskussion hervor. "Es ist unglaublich", kommentierte ein User, "wie viele Leute plötzlich auf einer Parkbank ein Buch lesen wollen."

© SZ vom 09.04.2020/kast

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