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Burghausen:Schöner Forschen im Kloster

Die TU München eröffnet ihr Akademiezentrum im barocken Ambiente der ehemaligen Zisterzienserabtei Raitenhaslach.

Von Matthias Köpf, Burghausen

Wenn es in diesen Tagen um das oberbayerische Kloster Raitenhaslach geht, dann ist schnell vom Dornröschenschloss und vom Elfenbeinturm die Rede. Beide scheinen auf ihre jeweils eigene Weise ein bisschen abgelegen zu sein, so wie das Kloster, das ein paar Kilometer flussaufwärts von Burghausen über einer Schleife der Salzach thront.

Aber eigentlich soll Raitenhaslach ja gerade kein Dornröschenschloss mehr sein, und ein Elfenbeinturm soll es am besten auch nicht werden, obwohl die Technische Universität München dort demnächst ihr neues "TUM Raitenhaslach Study and Residence Center" eröffnet. Von Wissenschaftlern sagt man ja gerne mal, sie säßen im Elfenbeinturm, kriegten also von der Wirklichkeit wenig mit.

Man werde Raitenhaslach zu einer erstrangigen, international sichtbaren Marke der Wissenschaft entwickeln, hat TU-Präsident Wolfgang Herrmann angekündigt. Am passenden Ambiente wird gerade noch letzte Hand angelegt.

Im Steinernen Saal zum Beispiel, der für den akademischen Hausgebrauch bald wieder "Aula maior" heißen wird, installieren Techniker Sensoren zur Überwachung des Raumklimas, andere hängen die restaurierten Bilder wieder an die Wände. Vor gar nicht allzu langer Zeit waren durch den prächtigen Barocksaal noch Leinen gespannt, an denen Wäsche zum Trocknen hing. Klimasensoren hätten da Alarm geschlagen. Doch insgesamt erwies es sich als Glücksfall, dass große Teile der Anlage zwei Jahrhunderte lang nur sehr spartanisch genutzt worden sind.

Vieles blieb annähernd in dem Zustand erhalten, in dem die Zisterzienserabtei im Jahr 1803 säkularisiert wurde. Allerdings überdauerte auch nur etwa die Hälfte der Gebäude die ersten Jahre nach der Aufhebung des Klosters. Der alte Querbau und damit ein Viertel des Kreuzgangs wurden umstandslos geschliffen, ebenso die Bibliothek und zwei Gebäudetrakte, die den heute nur noch an zwei Seiten bebauten Vorplatz zu einem geschlossenen Hof gemacht hatten.

Der Zutritt war lange verwehrt

Privatleute hatten die säkularisierte Anlage gekauft, vermutlich wegen der Klosterbrauerei. Diese führte die Familie über einige Generationen weiter und schließlich 2003 in die Insolvenz. Bis dahin blieb die Anlage privat. Sie versteckte sich - ganz dornröschenmäßig - hinter einem immer dichter mit Bäumen zugewachsenen Garten vor den Ausflüglern, die sich immerhin an der Pracht der Kirche und am Angebot der Klostergaststätte laben konnten. Dass die Reiseführer auch den Steinernen Saal verzeichneten, half ihnen wenig. Der Zutritt blieb ihnen verwehrt.

Doch bei der Zwangsversteigerung im Jahr 2003 erhielt dann die Öffentlichkeit in Form der Stadt Burghausen den Zuschlag, zu der die ehemals selbständige Gemeinde Raitenhaslach seit 1978 gehört. Private Interessenten verabschieden sich in solchen Fällen meistens schnell, schließlich kann eine Kommune als Konkurrentin bei Bedarf immer auf ihre Planungshoheit verweisen. Allerdings hatten die Burghauser für Raitenhaslach anfangs selber gar keine rechten Pläne, sodass einigen Stadträten eine gute Million Euro für ein Kloster mit etlichen Hektar Grund, aber eklatantem Renovierungsbedarf noch deutlich zu viel erschien.

Doch seit Bürgermeister Hans Steindl kurz darauf die TU München als Partner präsentieren konnte, ist die Kritik verstummt. Miteinander trieben Stadt und TU rund 13 Millionen Euro Fördergeld auf, und die fehlenden sieben Millionen sind für Burghausen, wo die Chemieindustrie die Gewerbesteuer zuverlässig sprudeln lässt, kein allzu großer Klotz mehr.

Die TU, die der Stadt während der nächsten 25 Jahre nur die Betriebskosten zahlen muss, kennt ihr Objekt inzwischen vermutlich besser als jeder andere Mieter sein Haus. Jahrelang erforschten Professoren und Mitarbeiter mehrerer Lehrstühle die Bausubstanz und die Techniken der barocken Handwerker. Es gibt sogar noch romanische Reste des 1146 gegründeten und danach mindestens zweimal abgebrannten Klosters. Doch der Prälatenstock, in dem sich das Akademiezentrum befindet, entstand mitsamt dem Steinernen Saal erst mit der Barockisierung Mitte des 18. Jahrhunderts.

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