SZ-Brachvogel Schnepfingerin ist bereits Richtung Süden gestartet

Der Große Brachvogel ist eine Schnepfenart und bevorzugt Flusstäler oder Moore.

(Foto: Frank Derer)

Nach dem Tod seines Nachwuchses hält den Brachvogel nichts mehr in Bayern. Die Schnepfingerin hat sich ganz allein nach Spanien aufgemacht.

Von Christian Sebald

Das war zu erwarten. Nachdem sich ein Fuchs oder ein Marder den Nachwuchs der Schnepfingerin geholt hat, ist das Brachvogel-Weibchen alsbald abgeflogen - und zwar in Richtung Südspanien, wo es den letzten Winter verbracht hat. Bisher ist es noch nicht weit gekommen. Gegenwärtig hält sich der SZ-Brachvogel an einem Kiesweiher südlich von Neuburg an der Donau auf - keine hundert Kilometer Luftlinie entfernt von seinem Brutrevier im niederbayerischen Königsauer Moos. "Die Strecke ist aber weit genug, dass wir sicher sind, dass es sich nicht um einen Ausflug handelt", sagt Andreas von Lindeiner. Der Biologe ist oberster Artenschützer beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) und zuständig für das Brachvogel-Forschungsprojekt dort, das die SZ seit fast einem Jahr begleitet. Für Lindeiner ist es "höchstens eine Frage von wenigen Tagen, bis Schnepfingerin endgültig durchstartet nach Spanien".

Laut den Daten ihres GPS-Senders verhält sich die Schnepfingerin einmal mehr wie im ornithologischen Lehrbuch. "Der Kiesweiher ist umgeben von Feuchtwiesen, die offenkundig ökologisch aufgewertet worden sind", sagt Lindeiner. "Man kann nasse Stellen erkennen, die Wiesen werden spät und sehr vorsichtig gemäht - das sind optimale Voraussetzungen für Brachvögel." Kein Wunder, dass sie an dem Kiesweiher nicht alleine ist. LBV-Leute haben dort eine ganze Gruppe Brachvögel entdeckt. "Das freut uns sehr", sagt Lindeiner. "Denn es zeigt, dass unsere Bemühungen um solche besonderen Landschaftselemente Sinn machen und von den Vögeln angenommen werden."

Ihren Flug in den Süden wird die Schnepfingerin aber alleine antreten. "Anders als Gänse oder Stare, die teils in riesigen Schwärmen unterwegs sind, fliegen Brachvögel einzeln", sagt Lindeiner. "Auf Artgenossen treffen sie nur an ihren Rastplätzen." Ein sehr beliebter Rastplatz auf dem Weg nach Spanien, Portugal oder Marokko, wo die bayerischen Brachvögel überwintern, ist der Bodensee. "Da halten sie sich dann in richtig großen Gruppen auf", sagt Lindeiner. Gut möglich aber, dass die Schnepfingerin keinen Halt am Bodensee einlegt, sondern gleichsam Nonstopp nach Südspanien fliegt. So wie Mitte März, als sie nach Bayern zurückgekehrt ist.

Gerade mal 36 Stunden hat die Schnepfingerin für die 2200 Kilometer lange Strecke gebraucht. Teilweise war sie mit Tempo 70 unterwegs. Und sie hat nur eine einzige, fünfstündige Rast eingelegt - nach 1250 Kilometern in der Luft im Mündungsgebiet der Rhone. "Das war ein Sensationsflug", sagt Lindeiner, "mal sehen, ob sie so einen noch mal hinlegt." In einem ist sich Lindeiner ziemlich sicher. "Die Schnepfingerin wird wieder das Mündungsgebiet des Guadalquivir ansteuern", sagt er. "Dort ist es ihr den ganzen Winter über super gegangen, sie hat keinen Grund für einen Quartierwechsel."

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