Bamberg Bosch-Mitarbeiter demonstrieren für die Zukunft des Diesels

Etwa 3000 Bosch-Mitarbeiter haben am Donnerstag an drei Bamberger Werken demonstriert.

(Foto: dpa)

Beim Autozulieferer in Bamberg sehen sie die Elektromobilität als Bedrohung. Sie fürchten sich, dass dann nur noch ein "Häufchen Elend" übrig bliebe.

Von Claudia Henzler, Bamberg

Es ist ein eindrucksvolles Bild: Um die tausend Bosch-Mitarbeiter in roten Westen setzen sich um kurz vor zwölf in Richtung Werkstor in Bewegung, bleiben dort als ein farbiger Block stehen, mehrere Hundert Meter lang. Sie symbolisieren die Arbeitsplätze, die an der Dieseltechnologie hängen. Es folgen Kollegen mit blauen Westen, das sind die Benziner - ihr Block ist wesentlich kleiner.

Denn um einen Diesel zu produzieren, werden laut IG-Metall deutlich mehr Mitarbeiter gebraucht als für einen Benzin- oder gar Elektromotor. Die Gewerkschaft spricht vom Verhältnis zehn zu drei zu eins. Und so stehen nur ein paar Dutzend Mitarbeiter in weißen Westen stellvertretend für die batteriebetriebene Technologie am Werkstor. "Das ist das Häufchen Elend, das übrig bleibt, wenn wir nur noch Elektromobilität haben", sagt der Betriebsratsvorsitzende Mario Gutmann.

Automobilindustrie Bosch stürzt in die Diesel-Krise
Auto-Zulieferer

Bosch stürzt in die Diesel-Krise

Bambergs größter Arbeitgeber baut Stellen ab und streicht Schichten. Die 7500 Beschäftigten sorgen sich um die Zukunft und fordern, der Konzern müsse auf neue Geschäftsfelder setzen.   Von Claudia Henzler

Die bildmächtige Inszenierung bildet am Donnerstag den Abschluss einer Betriebsversammlung im Bosch-Werk 1 und 2. Es geht vor allem um die Zukunft des Bosch-Standorts Bamberg, aber auch um die der gesamten Autozuliefererbranche. Sogar Martin Schultz, der kaufmännische Leiter des Bamberger Werks, hat sich deshalb mit blauer Weste eingereiht. Mitarbeiter, Gewerkschaft und Werksleitung wollen erreichen, dass man in Deutschland nicht zu schnell und zu ausschließlich auf Elektromobilität setzt. "Der ökologisch saubere Verbrennungsmotor wird noch gebraucht", ist die Botschaft, die Gewerkschaftschef Jörg Hofmann kürzlich formuliert hat und die auch an diesem Vormittag gilt. "Arbeitsplätze, Ökologie und Verbrenner - das ist kein Widerspruch", betont Betriebsratsvorsitzender Gutmann.

Bosch-Mitarbeiter und Gewerkschaft werben für den Diesel als "saubere Übergangstechnologie". Elektroantriebe, das wird bei der Kundgebung am Werkstor immer wieder betont, sei nicht umweltfreundlicher, solange der Strom dafür nicht aus erneuerbaren Quellen stammt und Nachhaltigkeitsprobleme bei der Batterieproduktion nicht beseitig werden.

Erstmals wird es für die Woche nach Ostern Schließtage geben

Johannes Leicht trägt eine der roten Westen. Er ist ein überzeugter Bosch-Mitarbeiter, der sich noch eine lange Zukunft bei seinem Unternehmen wünschen würde. 25 Jahre alt hat er vor acht Jahren als Lehrling am Standort Bamberg angefangen und arbeitet heute im Zentralbereich Einkauf und Logistik. "Es ist ein Versuch, der Bevölkerung zu zeigen, dass nicht nur das Elektroauto gut ist", sagt er über die Demonstration am Werkstor. Auch ihm liege Klimaschutz am Herzen. Aber das spreche nicht gegen den Diesel. "Man muss die Technologie, die es gibt, so auf den Weg bringen, dass sämtliche Grenzwerte eingehalten werden. Es ist die Forderung an die großen Autobauer, die Technologie nicht einfach unter den Tisch fallen zu lassen, sondern daran weiter zu arbeiten."

Was die Umweltfreundlichkeit von Diesel und E-Autos angeht, "da werden von sämtlichen Seiten Fehlinformationen herausgegeben", klagt sein Kollege Wolfgang Postler. Er ist in der Dieselentwicklung tätig und seit 36 Jahren bei Bosch angestellt. Er hätte noch zehn Arbeitsjahre bis zur Rente vor sich. Ob er tatsächlich so lange bleiben kann? "Mal schaun."

Birgit Eich, die in der Qualitätssicherung arbeitet, geht es bei der öffentlichkeitswirksamen Aktion nicht allein darum, den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor zu verlangsamen. Wie viele Beschäftigte wünscht sie sich, dass Bosch nach Bamberg, wo 7400 Mitarbeiter bisher vom Verbrenner abhängen, neue und zukunftsträchtige Produktionen verlagert. "Dass auch für Bamberg eine Ersatzbeschäftigung kommt, dass man die Mitarbeiterzahl halten kann und dass unsere Lehrlinge eine Zukunft haben", fasst sie ihre Anliegen zusammen.

Werksleiter Schultz hat angekündigt, dass "das Beschäftigungsniveau am Standort" wegen der rückläufigen Nachfrage, "insbesondere nach Komponenten für den Dieselmotor", weiter sinken werde. Erstmals wird es in der die Woche nach Ostern Schließtage geben. Entlassungen sind bisher nicht angedroht, aber wie 2018 sollen Stellen etwa durch Altersteilzeit und Vorruhestandsregelungen abgebaut werden.