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Behördenverlagerung:Söders Büro-Attrappe in Garmisch

Das Schild hängt schon, doch das Büro in Garmisch-Partenkirchen ist leer und bleibt es wohl auch.

(Foto: Kpf)

Im März rief der bayerische Finanzminister publikumswirksam den Start für die Außenstelle der Schlösserverwaltung aus. Doch bis heute tut sich dort nichts.

Von Matthias Köpf und Stefan Mayr, Garmisch-Partenkirchen

Es war einer dieser Pressetermine, die Markus Söder so liebt. Freudig und stolz strahlend hielt er Ende März ein frisch angefertigtes Schild in die Kameras, zur Inszenierung gehörten wie immer kernige Aussagen des Finanz- und Heimatministers. Söder sprach von einem "Meilenstein" zur Stärkung des Standortes Garmisch-Partenkirchen, als er den Mietvertrag für die neue "Außenstelle" der Bayerischen Schlösserverwaltung (BSV) unterschrieb. Die Hauptpost beim Bahnhof bezeichnete er als "genialen Ort", zehn neue Mitarbeiter sollten hier in einem ersten Schritt tätig sein, langfristig sogar 20. "Damit geben wir der Region etwas zurück, was wir mit den Königshäusern verdienen", sprach der Minister, "wir können jetzt mit vollem Elan starten."

Das klingt dynamisch. Aber heute, sieben Monate später, deutet vieles auf einen Fehlstart hin. Bei einem Testbesuch steht die SZ vor verschlossenen Türen. Die schrille Klingel verhallt ohne Reaktion. Das schmucke Schild im ersten Stock glänzt prächtig, aber Öffnungszeiten oder eine Telefonnummer zeigt es nicht.

Wer bei dastelefonbuch.de "Schlösserverwaltung" und "Garmisch-Partenkirchen" eingibt, bekommt "keine Treffer". Das ist bemerkenswert, denn in der Pressemitteilung vom März war von einer "Serviceverbesserung bei der Öffentlichkeitsarbeit" die Rede, sogar von einem "Infotelefon für alle Königsschlösser". Vielleicht hilft ein Anruf bei der guten alten Telefonauskunft. "Da find' ich keinen Eintrag", sagt der Herr von der Telekom. Er versucht es unter dem Stichwort Schloss: "Da kommt nur Elmau." Und beim Suchbegriff Schlösser? "Nur Schlüsseldienste." Der Mann gibt sich Mühe, durchforstet noch eine andere Datenbank. Erfolglos. Kein Anschluss für die Außenstelle Potemkin.

Wenigstens deckt sich diese Erkenntnis mit den Angaben der Nachbarn in der Bahnhofstraße 30. Da oben sei noch kein Betrieb, sagt einer. Die Arbeitsplätze seien noch nicht ausgestattet. Man habe Probleme mit dem Telefonanschluss, soll mal jemand geklagt haben. Doch solche Probleme habe sonst niemand im Haus.

Komisch. In der Pressemitteilung vom März hieß es unter der Überschrift "Neue Verwaltung startet" noch: "Die Immobilie ist sofort bezugsfertig." Dagegen listet die Internetseite der Schlösserverwaltung unter dem Link "Ihre Ansprechpartner bei unseren Außenverwaltungen und Außenstellen" jede Menge Standorte auf - nur Garmisch nicht. Was ist da los? Sieht so ein flotter Start à la Söder aus? Im März schrieb die Lokalzeitung, der Freistaat zahle für die 250 Quadratmeter 3250 Euro Warmmiete. Macht für sieben Monate ohne Betrieb 22 750 Euro Steuergelder. Das wird den Obersten Rechnungshof freuen.

Eine Anfrage in Söders Finanzministerium ist unergiebig. Die Frage nach dem Mietpreis bleibt unbeantwortet. Und über den aktuellen Personalbestand wird sehr ausweichend informiert: "Bis zum Jahresende werden vier Personen an der Außenstelle in Garmisch-Partenkirchen arbeiten." Aha. Bis zum Jahresende. Nachfrage: Wie viele Mitarbeiter sind es bitte jetzt, also sieben Monate nach dem dynamischen "Start"?

Die Anfrage bleibt zwei Wochen ohne Reaktion. Erst nach nochmaliger Erinnerung verweist das Ministerium allen Ernstes wieder auf seine Auskunft, dass bis Jahresende vier Mann dort tätig seien. Ein dritter Versuch: "Wann hat der erste Mitarbeiter in Garmisch seinen Dienst aufgenommen?" Antwort: "Ich darf Sie auf unsere Pressemitteilung Nr. 155 verweisen." Das ist jene Jubelnotiz aus dem März, in der Söder vom Start "mit vollem Elan" spricht - ohne Datum für den Dienstbeginn.

Wer sich in der Schlösserverwaltung umhört, erfährt einen möglichen Grund für den Fehlstart. Die Verlagerung mache keinen Sinn, sagen Mitarbeiter. Falls zehn Mann von München nach Garmisch versetzt würden, wäre die Zentrale "nicht mehr handlungsfähig". Fazit: Nicht jede Behördenverlagerung ist eine Erfolgsgeschichte. Aus Sicht des Verlagerungsministers und Ministerpräsidentenanwärters Söder: Nicht jeder Fototermin ist nachhaltig.

© SZ vom 29.10.2016/imei
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