Immobilien:Stillstand beim Wohnungsbau befürchtet

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Immobilien: Die Baubranche vermeldete im vergangenen Jahr die höchsten Neubauzahlen seit 1995 - was vor allem an Projekten lag, die in der Corona-Krise auf Eis lagen.

Die Baubranche vermeldete im vergangenen Jahr die höchsten Neubauzahlen seit 1995 - was vor allem an Projekten lag, die in der Corona-Krise auf Eis lagen.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Hohe Preise, kaum Fördermöglichkeiten, Fachkräftemangel: Der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen warnt vor einem Einbruch neuer Projekte - obwohl gerade Rekordzahlen vermeldet werden.

Von Maximilian Gerl

Vertreter der Wohnungswirtschaft warnen, dass unter anderem fehlende Fördermöglichkeiten und Preissteigerungen das Schaffen bezahlbaren Wohnraums zunehmend erschwerten. Die ersten Betriebe würden bereits ihre Projektplanungen auf Eis legen, sagte Hans Maier, Direktor des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW Bayern), am Montag. "Unser Problem ist die Kalkulation." Vor allem der jüngste KfW-Förderstopp auf Bundesebene mache Planen schwierig. Doch auch die bayerischen Förderbedingungen reichten aufgrund der hohen Inflation nicht immer aus, um sozialverträgliche Mieten zu ermöglichen. Im VdW sind nach eigenen Angaben rund 500 Genossenschaften sowie kirchliche, staatliche und kommunale Wohnungsbaugesellschaften organisiert.

Schon seit Jahren kämpft die Branche mit steigenden Baupreisen, etwa für Stahl oder Holz. Der Ukraine-Krieg hat diese Entwicklung zusätzlich angeheizt. Auch andere Gewerke fordern deshalb mehr Hilfe von Seiten der Politik: So sprach sich der Landesverband Bayerischer Bauinnungen vergangene Woche für "eine verlässliche und verstetigte Neubauförderung" aus. Als weitere Hürden auf dem Weg zum bezahlbaren Wohnen gelten außerdem kriegs- und Corona-bedingte Lieferprobleme, hohe Vorschriften für klimagerechtes Bauen, hohe Bodenpreise, steigende Zinsen sowie der Fachkräftemangel. Das einst von der Staatsregierung ausgerufene Ziel, jährlich 70 000 neue Wohnungen zu errichten, dürfte so immer schwerer zu erfüllen sein. Für 2020 führt die Statistik bayernweit rund 64 000 Baufertigstellungen auf, Zahlen für 2021 liegen noch nicht vor.

Probleme gibt es nicht nur in Ballungsräumen

Dabei ist längst nicht mehr nur in Ballungsräumen die Not groß. Kürzlich reisten oberfränkische Vertreter der Wohnungswirtschaft eigens nach München, um eine Resolution für mehr bezahlbares Wohnen in der Region zu übergeben. Gefordert werden darin etwa eine "Verstärkung und Neuausrichtung eines bayerischen Modernisierungsprogramms" und "dem Mietniveau angepasste Fördersätze", welche die unterschiedlichen Marktgegebenheiten innerhalb Bayerns berücksichtigten. In Oberfranken habe man zum Beispiel ein "demographisches Thema", sagt Rainer Mayerbacher von der Baugenossenschaft des Landkreises Coburg: Die Mieter würden älter und blieben länger daheim. Gleichzeitig gelte es, ihre Wohnungen klimaneutral umzubauen, etwa mit modernen Heizungsanlagen. Dies zu finanzieren, gehe aber vielerorts nur, wenn man die Mieten erhöhe - was wiederum nicht Sinn der Sache sein könne. Mayerbachers Befürchtung: dass es zum Stillstand beim sozialen Wohnungsbau kommt. "Es reicht nicht, Ziele zu definieren. Wir brauchen über lange Zeit planbare Förderprogramme."

Beim VdW blickt man daher eher trübe in die Zukunft - trotz eigener Rekordzahlen. Auch weil im vergangenen Jahr viele Vorhaben fertiggestellt wurden, die mit Beginn der Pandemie auf Eis lagen, konnten die Mitgliedsunternehmen die höchsten Neubauzahlen seit 1995 vermelden. Insgesamt stellten sie rund 5200 Wohnungen fertig, davon 3200 im öffentlich geförderten Wohnungsbau. Für die Zukunft erwartet Verbandschef Maier auch aufgrund fehlender Planbarkeit Stagnation. "Für das, was wir nächstes Jahr bauen, brauchen wir jetzt die Förderung", sagte er. Zudem könnten mehr Investitionen in die Sanierung von Bestandswohnungen fließen. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) warnte am Wochenende ebenfalls vor einem "Einbruch in der Bauwirtschaft". Eine Sofortmaßnahme könne eine Senkung der Energiepreise sein, insbesondere beim Diesel.

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