Mitten in Bayern:Vorsicht, Winter!

Mitten in Bayern: Der Christkindlmarkt in der Marktstraße von Bad Tölz am Samstagabend.

Der Christkindlmarkt in der Marktstraße von Bad Tölz am Samstagabend.

(Foto: Sebastian Beck)

Am vergangenen Wochenende hat es geschneit. Nicht nur die Schneehöhen haben ein neues Rekordniveau erreicht, sondern auch die Zahl der gut gemeinten Gefahrenmeldungen.

Glosse von Sebastian Beck

Man muss ja froh sein, dass man das vergangene Wochenende heil überstanden hat, angesichts der Gefahren für Leib und Leben durch die "Winterwalze", die laut Bild den Süden unter sich "begraben" hat. Zum Glück wurde ganz Bayern pausenlos auf allen Kanälen gewarnt: Achtung, Schnee! Glatteis! Dachlawinen! Saukalt! Weltuntergang! Die Bahn stellte im Oberland vor Schreck sofort den Betrieb ein, was viele gar nicht mitbekamen, weil sie auch bei gutem Wetter nur sporadisch fährt. Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber setzte am Samstag eine Unwetterwarnung aus ihrem Garten ab: "Bitte passt auf euch auf. Bleibt bei diesen Schneemassen am besten zu Hause und meidet auf jeden Fall die Wälder."

Leider konnte man den halbamtlichen Ratschlägen der Sicherheitsfachfrau aus Bayerisch Gmain nicht Folge leisten. Zu verlockend erschien die Fahrt zum Tölzer Christkindlmarkt. Sie verlief wider Erwarten absolut störungsfrei. Womöglich lag das daran, dass die große Mehrheit der Autofahrer auch nicht ganz doof ist und im Winter halt einfach langsam fährt.

In der Tölzer Marktstraße versammelten sich Hunderte auf dem Christkindlmarkt. Einige von ihnen warfen mit Schneebällen und lachten dabei auch noch, obwohl so ein Schneeball in der Hand eines geübten Werfers eine gefährliche Waffe sein kann. An den Glühweinbuden gab es Zusammenrottungen von weihnachtsseligen Menschen, die einander vorschwärmten, das sei ja wohl der schönste Schneetag seit Ewigkeiten. Die Rutschgefahr wurde von ihnen komplett ausgeblendet. Und niemand trug einen Helm, obwohl so ein Helm in vielen Situationen nützlich sein kann und längst für Fußgänger zur Pflicht werden sollte. Am Sonntag ging das unverantwortliche Treiben bis nach Einbruch der Dunkelheit so weiter.

Die Bilanz nach dem Winterwalzen-Wochenende: Die Zahl der Gefahrenmeldungen überstieg die Zahl der Unfälle gefühlt um den Faktor 100. Es ist halt Winter. Und allem Anschein nach kommen Menschen auch so einigermaßen mit widrigen Verhältnissen klar. Schade, sonst hätte man noch den SZ-Wintertipp hinterherschicken können: Ziehen Sie sich bei Kälte warm an! Auf gutes Schuhwerk achten! Bei Anstrengungen das Trinken nicht vergessen! Und immer auf der Hut sein, denn die Bild kündigt schon die nächsten Katastrophentage an: "Nach der Winterwalze: Wetter-Experte mit Horrorausblick."

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