Digitalisierung:Mehr Tempo beim Netzausbau angemahnt

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Laut VBW-Studie hat der Freistaat bei Breitband & Co. Fortschritte erzielt - die aber noch nicht ausreichen.

Von Maximilian Gerl, München

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) sieht hierzulande Fortschritte bei Breitband- und Mobilfunkausbau - mahnt aber auch mehr Tempo an. Laut einer am Donnerstag vorgestellten Studie konnten zuletzt 90,7 Prozent der Haushalte in Bayern und 89,9 Prozent der Gewerbestandorte mit mindestens 100 Mbit/s aufs Internet zugreifen. Über Glasfaseranschlüsse verfügten dagegen Mitte 2021 nur rund 18 Prozent der Haushalte. Ohnehin schneide Deutschland im internationalen Vergleich nur mäßig ab. "Der Freistaat hat beim Netzausbau große Fortschritte gemacht", sagte VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Nun müsse man "einen Gang hochschalten".

Vor allem der Aufbau eines 5-G-Netzes ist der Wirtschaft wichtig. Viele neue Technologien, von der vernetzten Fabrik bis zum selbstfahrenden Auto, setzen auf den Austausch großer Datenmengen in Echtzeit. Mit dem bisherigen Mobilfunknetz ist das nicht zu leisten. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur ist daher aus Sicht der VBW auch als Standortsicherung zu begreifen: "Wenn wir in Bayern nicht autonom fahren können, können wir es auch nicht exportieren", sagte Brossardt. In einer ebenfalls am Donnerstag präsentierten Verbandsumfrage gaben zwar 60 Prozent der befragten Betriebe an, mit den verfügbaren Bandbreiten im Festnetz zufrieden zu sein. Weil aber Cloud- und Big-Data-Anwendungen immer wichtiger werden, sahen sich gleichzeitig 54 Prozent der Betriebe durch unzureichendes Festnetz beeinträchtigt. Beim Mobilfunk waren es sogar 72 Prozent. Vor allem im ländlichen Raum klagten Firmen über Empfangsprobleme.

Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU) - qua Amt für die Breitbandförderung in Bayern zuständig - sah in den Zahlen vor allem die Bemühungen des Freistaats um eine bessere digitale Infrastruktur bestätigt: Allein in den Glasfaserausbau habe man in den vergangenen Jahren insgesamt 1,6 Milliarden Euro an Fördergeld investiert. Auch im Vergleich mit anderen Bundesländern stehe Bayern deshalb gut da. Allerdings werde häufig die eigentlich zur Verfügung stehende Leistung von den Haushalten und Unternehmen nicht abgerufen.

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