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Nachruf:Ein Vorkämpfer der linken SPD

Rudolf Schöfberger, der Ex-Chef der Bayern-SPD, ist tot

Rudolf Schöfberger, hier bei einem Vortrag im Jahr 2006, ist im Alter von 84 Jahren gestorben.

(Foto: Manfred Neubauer)

Rudolf Schöfberger, der frühere Landeschef der Bayern-SPD, ist tot. Er stritt in München leidenschaftlich mit seinem Genossen Hans-Jochen Vogel - auch im Bundestag erregte er Aufsehen.

Der frühere Vorsitzende der bayerischen SPD, Rudolf Schöfberger, ist tot. Er sei im Alter von 84 Jahren gestorben, teilte die Partei am Mittwochabend mit. "Mit seinem Tod verlieren wir einen leidenschaftlichen, vor allem aber einen volkstümlichen Politiker im besten Wortsinn", sagte die Landesvorsitzende Natascha Kohnen. Schöfberger war von 1985 bis 1991 Landeschef der SPD in Bayern. Außerdem saß er fast 30 Jahre lang im Landtag und im Bundestag.

Schöfberger wurde 1935 in München geboren, studierte Jura und Politik. In die aktive Politik kam er über die Jusos, die Jugendorganisation der SPD, deren Landesvorsitzender er 1967 wurde. 1972 wurde er als Vorsitzender der Müncher SPD gewählt - als Nachfolger des Münchner Oberbürgermeisters Hans-Jochen Vogel. Die beiden waren Protagonisten heftiger Flügelkämpfe innerhalb der Partei, die auch in scharfe persönliche Auseinandersetzungen mündeten und deretwegen Vogel auf eine neuerliche Kandidatur als Parteichef und Oberbürgermeister verzichtete. Schöfberger, auch bekannt als "roter Rudi", vertrat den linken Flügel.

Im Jahr 1966 kam er in den Landtag, dem er bis 1972 angehörte. Dann wechselte er in den Bundestag, wo er durch deftige Formulierungen und sein Querdenken immer wieder Aufsehen erregte. 1985 wurde er Landesvorsitzender der SPD in Bayern und musste als solcher die schweren Verluste bei der Landtagswahl 1986 mitverantworten, bei der die Sozialdemokraten nahezu alle Direktmandate verloren und nur noch 27,5 Prozent der Stimmen bekamen - das bis dahin schlechteste Ergebnis der Nachkriegszeit. Auch die Bundestagswahl 1987 und die Landtagswahl 1990 brachten für die SPD weitere Stimmenverluste mit sich, Schöfberger zog sich daraufhin als Landeschef zurück. Seine Nachfolgerin wurde Renate Schmidt. Im Bundestag saß er noch bis 1994.

In Erinnerung bleibt Schöfberger auch als Schauspieler. 1979 etwa führte er mit Abgeordnetenkollegen Ludwig Thomas Stück "Erster Klasse" auf und ging damit in sitzungsfreien Wochen auf Tournee. "Rudolf Schöfberger war ein Original", sagt die aktuelle Landesvorsitzende Kohnen.