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Rosenheim:"Der Dienstgrad spielt dabei keine Rolle"

Für einen grundlos und absichtlich ausgelösten Fehlalarm berechnet die Polizei nach Angaben von 2016 pro Hubschrauber-Flugstunde 3460 Euro.

(Foto: Polizei)

Der Chef des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd hat sich bei einem Unfall mit einem Dienstmotorrad das Bein gebrochen und wurde mit einem Hubschrauber der Polizei in eine andere Klinik verlegt. Ein eher seltener Vorgang.

Robert Kopp ist ein Mann, der die Würde seines Amtes gern nach außen trägt. Gegen Jahresende lässt der Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim eine Art Weihnachtsansprache an die "lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger" verbreiten, und auch auf dem Rosenheimer Herbstfest zeigte er gerade wieder durch eingehende persönliche Patrouillen Polizeipräsenz. Besonders gern lässt sich Kopp, auch privat ein passionierter Biker, auf Polizeimotorrädern fotografieren.

So ein Motorrad ist ihm jetzt am Großglockner im nahen Österreich praktisch im Wortsinn auf den Fuß gefallen, die Folge war ein komplizierter Beinbruch. Für den Krankentransport vom Tauernklinikum Zell am See in ein Münchner Krankenhaus nahm Kopp dann einen Hubschrauber der Polizei in Anspruch. Das sei sogar billiger gewesen als ein ziviler Helikopter, heißt es dazu aus dem Münchner Innenministerium.

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Der Präsident selbst äußert sich zu all dem nicht. Er ist im Krankenstand, und es sei angesichts der komplizierten Verletzung unklar, ob man ihn in einigen Wochen oder sogar erst in ein paar Monaten zurückerwarten dürfe, sagt eine Sprecherin des Rosenheimer Präsidiums. Dass Kopp am Samstagnachmittag, volle zwei Tage nach seinem Beinbruch, mit dem Hubschrauber von Klinik zu Klinik geflogen wurde, sei medizinisch begründet, denn der Transport habe "möglichst schonend und schnell" vonstatten gehen müssen, was laut Präsidium "auf dem Landweg so nicht sichergestellt" hätte werden können.

Dass der Präsident nicht mit irgendeinem Helikopter, sondern per Polizeihubschrauber nach München gebracht worden ist, begründet die Polizeisprecherin damit, dass der Beinbruch mit dem Motorrad ein Dienstunfall war. Denn der Rosenheimer Polizeipräsident hatte auf einem Dienstmotorrad an einem internationalen Polizeifahrsicherheitstraining der Salzburger Landespolizei am Großglockner teilgenommen.

Einem ersten Trainingstag am Salzburgring folgte eine gemeinsame Fahrt über die kehrenreiche Hochalpenstraße. "Dass wir hier auf einer der schönsten Straßen der Welt und im Hochgebirge trainieren dürfen, ist nicht nur eine riesige Freude und Ehre, sondern auch Hochgenuss", hatte Kopp den PR-Leuten der Betreibergesellschaft der mautpflichtigen Straße noch gesagt.

Laut deren Bericht waren in diesem Jahr "insgesamt 122 Exekutivbeamte aus 14 Ländern" auf ihren Motorrädern dabei, darunter Polizisten aus den Niederlanden und Norwegen, die es im Fall eines Unfalls noch deutlich weiter in ihre jeweilige heimatliche Spezialklinik gehabt hätten. Von Zell am See nach München sind es zu Lande auf den kürzeren Routen durch die Berge keine 200 Kilometer, mit mehr Autobahnanteil via Salzburg ungefähr 240 und Luftlinie etwa 130 Kilometer.

Kopps Abflug aus Zell am See hat am Samstag ein nach eigenen Angaben "überaus verärgerter Steuerzahler" beobachtet. Das Tauernklinikum in Zell am See äußert sich nicht zu dem Flug und zu seiner medizinischen Notwendigkeit, weil es zu Patientenangelegenheiten grundsätzlich keine Auskunft geben könne.

Was die Kosten eines solchen Einsatzes betrifft, so beziffert die AOK Bayern den Preis für Verlegungsflüge im Intensivtransporthubschrauber mit 81 Euro pro Flugminute, und zwar auch für den Hinflug und für den leeren Rückflug zur Station. Kommt stattdessen ein Rettungshubschrauber wie der von der Bundespolizei betriebene Christoph 14 aus Traunstein zum Einsatz, so liegt der Preis bei 71,50 Euro pro Minute. Pro Flugstunde sind das 4860 respektive 4290 Euro. Die Polizei hat ebenfalls einen Stundentarif: Im Fall eines grundlos und absichtlich ausgelösten Fehlalarms berechnet sie dem Verursacher nach Angaben der Münchner Polizei aus dem Jahr 2016 pro Flugstunde 3460 Euro.

Der Flug mit Kopp an Bord hat nach Angaben des Innenministeriums etwa 45 Minuten gedauert. Eine Kostenaufstellung gebe es nicht, da der Freistaat in der Pflicht stehe und nach einem Dienstunfall ohnehin für alle Kosten aufkommen müsse. "Die in diesem Einzelfall durchgeführte Verlegung mit dem Polizeihubschrauber war günstiger als beispielsweise die Verlegung mit einem Rettungshubschrauber."

Über die medizinische Notwendigkeit hätten die behandelnden Ärzte sowie der Polizeiärztliche Dienst nach den individuellen Umständen entschieden. "Der Dienstgrad spielt dabei keine Rolle." Als oberster Vorgesetzter habe Innenminister Joachim Herrmann den Flug persönlich gebilligt. Viele derartige Flüge muss der Minister freilich nicht billigen: So habe die Polizeihubschrauberstaffel Bayern 2018 etwa 2900 Flüge absolviert, darunter rund 40 Rettungsflüge. Ein "vergleichbarer Fall der Rückholung eines verletzten Polizisten" sei aber nicht darunter gewesen.

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