Naturfrevel im Rappenalptal:Allgäuer Alpbauern im Visier der Staatsanwaltschaft

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Naturfrevel im Rappenalptal: Der Rappenalpbach in seinem neuen Kanalbett.

Der Rappenalpbach in seinem neuen Kanalbett.

(Foto: Udo Schmitz/Bund Naturschutz in Bayern/BN/dpa)

Nach den Zerstörungen rund um einen Gebirgsbach will sich Umweltminister Thorsten Glauber persönlich ein Bild vor Ort machen. Gleichzeitig ermittelt nun auch die Staatsanwaltschaft.

Von Christian Sebald

Der Naturfrevel im Oberallgäuer Rappenalptal beschäftigt nun die Staatsanwaltschaft Kempten. Nach Worten von Oberstaatsanwalt Sebastian Murer hat die Ermittlungsbehörde Vorermittlungen eingeleitet. Ziel ist demnach zu klären, wer genau für die offenkundig illegalen Flussbaumaßnahmen in dem vormaligen Naturjuwel verantwortlich ist. Außerdem hat Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) angekündigt, sich persönlich ein Bild von den Zerstörungen in dem Schutzgebiet im südlichsten Zipfel Deutschlands zu machen. "Wir nehmen den Fall sehr ernst", sagt Glaubers Sprecher. Für illegale Eingriffe in Schutzgebiete gebe es Bußgelder bis zu 50 000 Euro. Der Naturschutzverband LBV hatte zuvor Strafanzeige wegen des Naturfrevels gestellt. "Das Rappenalptal ist sowohl als deutsches wie als europäisches Schutzgebiet eingestuft", sagt LBV-Geschäftsführer Helmut Beran. "Der Eingriff hat Teiles des Baches über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte massiv geschädigt."

Unterdessen werden immer mehr Details über die Verwüstungen bekannt, bei denen der streng geschützte Gebirgsbach auf 1,6 Kilometer Länge begradigt und kanalisiert worden ist. Der Vorsitzende der Alpgenossenschaft, ein Hotelier aus der Region, hatte beim Oberstdorfer Viehscheid, bei dem die Rinder von den Almen hinab ins Tal getrieben werden, beklagt, dass der Rappenbach zu viel Kies führe. Zumindest zitiert ihn eine landwirtschaftliche Regionalzeitung Ende September damit. Dies könne beim nächsten Hochwasser den Alpweg zuschütten. "Hier muss etwas getan werden", sagte der Chef der Älpler demnach. Das Bachbett sei schon höher als die umliegenden Weiden. Aus Sicht örtlicher Umweltschützer sind diese Worte gleichsam die Ankündigung des Naturfrevels. Für die Süddeutsche Zeitung ist der Mann nach wie vor weder telefonisch noch per E-Mail erreichbar.

Weiden meterhoch mit Kies überspült

Nach Angaben des Landratsamts Oberallgäu waren die Alpweiden neben dem Rappenalpbach bei sintflutartigen Wolkenbrüchen Mitte August zum Teil meterhoch mit Gestein und Kies überspült worden. An einigen Stellen brachen sogar die Bachufer ab. Die Schäden sollten "durch punktuelle Maßnahmen an vier kurzen Abschnitten des Bachlaufs beseitigt werden", heißt es von der Kreisbehörde. Solche Arbeiten seien an Gebirgsbächen immer wieder notwendig, damit die Wege und Weiden an ihnen entlang weiter genutzt werden können. Die Maßnahmen seien mit den Älplern "im Detail" besprochen worden.

Diese missachteten die Absprache offenbar. "Die anschließend erfolgten Arbeiten gingen weit über die abgesprochenen Maßnahmen hinaus", heißt es vom Landratsamt. Schon zuvor hatte die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller (Freie Wähler) erklärt, dass sie niemals genehmigt worden wären, außerdem habe ihrer Behörde kein entsprechender Antrag vorgelegen. Gegenüber dem Landratsamt hätten sich die Älpler bisher ebenfalls nicht zu dem Naturfrevel geäußert.

Das Rappenalptal, das ein beliebtes Ziel für Ausflügler, Touristen und Bergsteiger ist, zählt zu den Naturjuwelen der Allgäuer Hochalpen und ist nach deutschem wie europäischem Recht maximal geschützt. Es war ein wertvoller Lebensraum für seltene Insekten wie die Schnarrschrecke oder den Thymian-Ameisenbläuling, aber auch besondere Vogelarten wie den Flussuferläufer. Nach Angaben des Bundes Naturschutz, der die Zerstörungen öffentlich gemacht hat, sind bei den Baggerarbeiten Unmengen Lebewesen, darunter auch Feuersalamander, direkt getötet worden.

Zugleich wurden wertvolle Grauerlen am Ostufer des Gebirgsbachs massiv geschädigt. Die Begradigung und Kanalisierung ist nach den ersten Einschätzungen aber nicht nur ein Naturfrevel. Sondern sie verstärkt die Hochwassergefahr in der Region. Der Grund: Das Tempo des Abflusses im Rappenalpbach wird massiv erhöht, bei Wolkenbrüchen kommen die Wassermassen nun viel schneller unten im Tal an.

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