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Gesundheit:In Bayern gibt es zu wenige Pflegekräfte

Pflegeserie - Allgemeine Features

Allein auf weiter Flur: In Bayern gibt es zu wenige Pflegekräfte.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Eine Studie belegt, dass sich der Mangel weiter verschärfen wird. Die Interessensvertretungen der Pflegenden schlagen schon seit Längerem Alarm.

Von Dietrich Mittler

Die Corona-Krise macht drastisch deutlich, dass Bayern mehr Pflegekräfte braucht. Georg Sigl-Lehner, Präsident der Vereinigung der Pflegenden in Bayern, warnte am Freitag: "Die Pflege ist in einer prekären Situation - sowohl im Freistaat als auch in ganz Deutschland." Schon seit Jahren werde der Fachkräftemangel auf den Krankenhausstationen und in den Alten- und Pflegeheimen thematisiert. "Jetzt, bedingt durch die Pandemie, lässt sich da nichts mehr beschönigen", sagte Sigl-Lehner. Allmählich komme das Problem auch bei den Politikern an. "Langsam begreifen sie, was in der Vergangenheit alles versäumt wurde", betonte Sigl-Lehner als Stimme der Pflegenden. "Aber da ist trotzdem noch ganz viel Luft nach oben", sagte er.

Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern will es nicht bei mahnenden Worten belassen. Sie hat eine Monitoring-Studie zum regionalen Bedarf an Pflegepersonal in Auftrag gegeben - an das Deutsche Institut für Pflegeforschung (DIP) in Köln sowie an das Institut "Alter. Gesellschaft. Partizipation" der evangelischen Hochschule Freiburg. Erste Ergebnisse wurden nun in einer Video-Konferenz vorgestellt. Etwa dazu, was die voraussichtliche Zunahme der mehr als 75-Jährigen in der Zeit von 2018 bis 2038 betrifft. Überraschendes Ergebnis: Mit einem hohen Wachstum müssen in Bayern nicht nur die Großstädte, sondern auch eher ländliche Regionen rechnen - so in Niederbayern oder in der Oberpfalz. Am höchsten wird die Zunahme in München sein.

Bis 2038 werden dort knapp mehr als 19 000 Senioren über 75 prognostiziert. Nach Isforts Worten werden dann in der Landeshauptstadt 156 200 Menschen aus dieser Altersgruppe leben. An zweiter Stelle folgt der Kreis Rosenheim, geschätzte Zunahme: mehr als 13 000 Hochbetagte auf dann 41 600. Alarmierend ist bereits jetzt: "Es existieren keine Arbeitsmarktreserven mehr in der Gesundheits- und Krankenpflege oder in der Altenpflege in Bayern", warnt der DIP-Pflegewissenschaftler Michael Isfort. Seine bisherigen Erkenntnisse deuten auch darauf hin, dass der Einsatz von ausländischen Pflegekräften - etwa vom Balkan - nur den Ballungsräumen zugute kommt. Der ländliche Raum gehe dabei leer aus.

© SZ vom 28.11.2020/van/lfr
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