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Oberbayern:Ein Oldtimer mit Elektroantrieb

Für alltägliche Fahrten in die nähere Umgebung bestens geeignet: Der Daihatsu mit selbstgebautem Elektroantrieb. Joachim und Regina Rau schätzen vor allem das angenehme Fahrgefühl und die leichtere Handhabe im Gegensatz zu einem Auto mit Verbrennungsmotor.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Joachim Rau hat seinen 32 Jahre alten Daihatsu Charade eigenhändig zu einem E-Auto umgebaut - weil er moderne Technik liebt und seine Frau so an dem Wagen hängt.

Joachim Rau ist bestens vorbereitet, als der Besuch an der Tür klingelt. Das Garagentor steht offen, und auf dem Küchentisch liegen ein Ordner mit Bauplänen und ein Fotoalbum bereit. Seine blaue Jacke ähnelt vom Design einem Arbeitsoverall und lässt ihn aussehen, als wäre er jederzeit bereit, wieder loszubasteln. Die Idee, das Auto, einen 32 Jahre alten Daihatsu Charade, auf Elektroantrieb umzurüsten, habe er schon vor zehn Jahren gehabt, erzählt er. "Aber damals wollte der TÜV in München für eine Betriebserlaubnis 10 000 Euro!" Erst als er im Herbst 2017 in der neu eröffneten TÜV-Stelle in Penzberg zufällig auf einen Prüfer trifft, der von seinem Umbauprojekt überzeugt ist, kann es losgehen. Die neuen Kosten für die Betriebserlaubnis: nur 400 Euro.

Gerade erst hat sich Joachim Rau auf seine Eckbank gesetzt, als er schon beginnt, anhand des bereitgelegten Fotoalbums den Umbau detailgenau zu erläutern. Zuerst musste der alte Verbrennungsmotor ausgebaut und mit einer in der Garage installierten Seilwinde aus dem Motorraum gehoben werden. Die neu benötigten elektrischen Bauteile wie den Controller oder das Ladegerät hatte er bei einer Firma in Niederbayern bestellt. Andere Teile, wie etwa eine Verbindung zwischen Getriebe und Motor, musste er selbst bauen, da sich kein passender Anbieter fand. Auch sonst lief die Umrüstung nicht immer reibungslos ab: "Das hat mir schon einige schlaflose Nächte bereitet, anfangs haben die einzelnen Komponenten einfach nicht zusammen gepasst", erinnert er sich. "Aber da der Verbrennungsmotor schon ausgebaut war, musste das irgendwie funktionieren, sonst wäre das Auto Schrott gewesen."

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Inzwischen hat sich seine Frau Regina am Küchentisch eingefunden und hört ihrem Mann aufmerksam zu. Als Joachim Rau erzählt, dass er auch das Armaturenbrett ausbauen musste, um die vom TÜV geforderte neue Heizung einzubauen, wirft sie ein: "Das waren ja am Ende nur noch Drähte, da hatten alle Zweifel, ob das wieder zusammen geht." Auch der Tacho musste umgebaut und eine zusätzliche Motorhalterung eingebaut werden. "Das Getriebe musste drinbleiben, denn auch bei einem Elektroauto braucht es ein Differenzialgetriebe", erläutert ihr Ehemann. Woher Joachim Rau all das Fachwissen hat? "Ich bin studierter Elektrotechniker, und das Auto habe ich immer selbst repariert. Das war noch nie in der Werkstatt." Neben seinem Job als Leiter der Versuchsabteilung Elektronik bei Knorr-Bremse in München hat er auch die Autos von Bekannten repariert und ist noch immer in der Oldtimerszene aktiv.

Nach dem Umbau fährt der Daihatsu nun mit 16 Lithiumionenakkus unter der Motorhaube und einer Spannung von 56 Volt. An eine erste Testfahrt mit nur vier Akkus erinnert sich seine Frau noch genau: "Da sind wir gerade einmal zwei Kilometer weit gekommen." Nach der derzeitigen Reichweite gefragt, antwort Joachim Rau lachend: "Das haben wir noch nicht ausprobiert, aber stehen geblieben sind wie noch nie." Er schätzt sie auf etwa 80 Kilometer. Für längere Strecken bis nach München oder Garmisch hat das Ehepaar noch ein Zweitauto mit Benzinmotor.

Nach dem Grund für den aufwendigen Umbau gefragt, erklärt er: "Ich mag Elektroautos. Und für meine Frau ist das einfacher zu fahren." Denn bei einem Elektroauto müsse sie weder schalten noch viel bremsen. Deshalb legt er auch Wert darauf, dass sie regelmäßig fährt, "damit sie nicht aus der Übung ist, wenn ich einmal nicht mehr bin". Seine Frau bestätigt ihn: "Das ist ein Auto für mich, es ist klein und leicht zu fahren. Den Benziner rühre ich nicht an."

Joachim Rau baut Daihatsu zu Elektroauto um

Um eine elektrisch betriebene Heizung einzusetzen, musste Joachim Rau das gesamte Armaturenbrett ausbauen.

(Foto: Joachim Rau/oh)

Nach all den technischen Details wird der Besuch nun in die Garage begleitet, wo neben einer Wand voll ordentlich aufgereihter Schraubenzieher der Daihatsu parkt. Joachim Rau zeigt stolz die Ladestation und überprüft, ob auch alle 16 Akkus voll sind. Denn jetzt soll sie losgehen, die versprochene Testfahrt. Als er den Wagen rückwärts aus der Garage fährt, lacht er verschmitzt und nimmt die Hände vom Lenkrad: "Ich muss nichts machen, sehen Sie, das ist der Schleifgang!"

Einmal losgefahren, besteht er darauf, auch den Besuch ans Steuer zu setzen. Das veränderte Fahrgefühl erlebt sich am besten selbst. "Wussten Sie, dass einige der ersten Autos Ende des 19. Jahrhunderts Elektroautos waren?", fragt er. Bei einem kurzen Halt fällt sein Blick auf die Radkappen: "Die habe ich alle irgendwo am Wegrand gefunden und repariert", erzählt er. Und auch die Heckklappe ist nicht mehr original, sondern übers Internet nachbestellt. Das gesamte Auto ist bunt zusammengewürfelt aus Originalteilen und Selbstgebautem und strahlt 32 Jahre Geschichte aus.

Auf dem Rückweg sitzt Regina am Steuer, der Ehemann auf der Rückbank, ein ungewohnter Platz für ihn. "Ja, Du fährst gut damit, Regina", sagt Joachim Rau zufrieden und lehnt sich zurück.

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