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Elektroautos in Ebersberg:"Wir erwarten einen großen Schub"

Elektroautos im Ebersberger Klosterbauhof.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Höhere Kaufprämien für E-Autos, mehr Ladesäulen: Kann dies den Abschied vom Verbrennungsmotor einleiten? Einschätzungen von Autohändlern aus dem Kreis Ebersberg.

Im Landkreis Ebersberg gibt es derzeit fast 470 Prozent mehr Hybrid- und Elektroautos als noch vor fünf Jahren, das entspricht 860 Stück. Der Fahrzeugbestand insgesamt ist dabei um zwölf Prozent gestiegen. Für zusätzlichen Antrieb des E-Auto-Bestands soll nun eine Initiative aus Berlin sorgen: Die Bundesregierung und die Automobilindustrie haben am Dienstag höhere Prämien für Käufer von Elektroautos vereinbart. Das solle, so die Begründung aus Berlin, den Klimaschutz voranbringen und den Abschied vom Verbrennungsmotoren beschleunigen.

Allein seit Jahresbeginn stieg der Bestand der Hybrid- und Elektroautos im Landkreis Ebersberg um 45 Prozent. Zum Vergleich: Die Zahl der Diesel und Benziner ist im selben Zeitraum um vier Prozent gestiegen. Betrachtet man die absoluten Zahlen, relativiert sich der Zuwachs bei den alternativen Antrieben freilich, denn insgesamt dominieren Benziner und Dieselfahrzeuge immer noch deutlich: Von den Ende September zugelassenen 89 415 Fahrzeugen hatten nur 1044 Hybrid- oder Elektroantrieb.

Doch um die Klimaziele zu erreichen, sind laut dem "Masterplan Ladeinfrastruktur" der Bundesregierung deutlich mehr Elektroautos notwendig. Seit 2016 werden die meisten Elektroautos vom Bund und Herstellern unterstützt, mit insgesamt bis zu 4000 Euro. Die Prämie ist nun bis Ende 2020 verlängert worden. Zudem soll es künftig bis zu 6000 Euro Kaufprämie geben. Auch deutlich mehr Ladesäulen sollen eingerichtet werden, geplant sind 50 000 zusätzliche Ladepunkte. Wie sehr ist der Umweltgedanke in Zeiten von Fridays for Future im Landkreis Ebersberg angekommen? Und: Welchen Einfluss hat die neue Prämie? Die Händler im Landkreis sehen das recht unterschiedlich.

Peter Leopold vom Autohaus Ebersberg arbeitet seit 34 Jahren in der Branche. Umweltfreundlichkeit sei schon früher ein Thema beim Autokauf gewesen, sagt er. "Doch seit ein paar Jahren hat das Thema ein anderes Level erreicht." Es werde häufiger nach Elektroautos und alternativen Antrieben gefragt, die Nachfrage nehme zu.

Besonders bei Interessenten, "die sich in der Entscheidungsphase befinden"

Nächstes Jahr wird es bei ihnen im Autohaus neue E-Auto-Modelle geben, für die es schon etliche Reservierungen gebe. Für 2020 prognostiziert Leopold ganz neue Dimensionen bei der Nachfrage nach E-Autos: "Wir erwarten einen großen Schub." Auch wegen der Prämie? "Grundsätzlich wirkt sich ein finanzieller Anreiz durchaus positiv aus", so seine Einschätzung. Besonders bei Interessenten, "die sich in der Entscheidungsphase befinden".

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Marko Nedimovic vom Autohaus Schlöffel in Kirchseeon, seit sieben Jahren Verkaufsberater, nimmt das anders wahr. Kaum jemand kaufe ein neues Auto, weil er ein umweltfreundlicheres möchte, sagt Nedimovic. Viele seiner Kunden seien zwar wegen des Dieselskandals verunsichert, doch das nicht unbedingt aufgrund von Umweltbedenken.

Sie nehmen den Motor, der die neueste Abgasnorm erfüllt, um sicher zu gehen, dass sie damit Fahrverboten entgehen und weiterhin in die Innenstadt fahren dürfen. Der geringere Verbrauch und das Einsparen von Abgasen sei bei den Überlegungen der meisten Käufer eher ein Nebenaspekt. Bei Kunden, die sich für ein Elektroauto entscheiden, sei hingegen der Umweltgedanke wichtig. Diese seien gut informiert, schauen sich die Klimabilanz an, suchen einen passenden Ökostromtarif. Auch er fahre ein Elektroauto "aus Überzeugung".

Nedimovic glaubt, dass sich höhere Kaufprämien positiv auswirken. Finanzielle Impulse können Anreize schaffen, sich ein Elektroauto zuzulegen, das habe man schon bei der Umweltprämie gemerkt. Da mache es einen großen Unterschied, ob man 30 000 Euro oder 24 000 Euro zahlen muss. Zusätzliche Ladepunkte könnten viele Ängste nehmen. Laut Nedimovic ist das ein Schritt in die richtige Richtung, allerdings müsse der Umweltgedanke auch bei den Kunden ankommen. "Sonst bringen die Prämien und Ladestationen nichts."

Auch Maximilian Noder, Verkaufsleiter im Autohaus Mascher und Noder in Grafing, ist der Meinung, dass der Umweltgedanke bei vielen seiner Kunden noch nicht angekommen ist. Er würde gerne mehr Elektroautos verkaufen. Von zehn Kunden kaufe höchstens einer ein Elektroauto. Die seien für viele als mittelfristige Anlage zu teuer, ob eine Prämie daran etwas ändert, könne er schlecht abschätzen. Zudem gebe es auch erhebliche Vorbehalte gegen Elektroautos: Manche seiner Kunden befürchten Kinderarbeit beim für E-Auto-Akkus notwendigen Abbau von Kobalt. Zudem erscheine bisweilen die Entsorgung der Akkus als fragwürdig. Noders Einschätzung: "Daran kann eine Prämie auch nichts ändern."

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