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Neues Konzept:Erste Wasserstoff-Tankstelle für den Landkreis Ebersberg

Erste Tankstelle mit Wind-Wasserstoff

In größeren Städten, hier eine Tankstelle in Berlin, kann man schon seit einigen Jahren Wasserstoff fürs Auto zapfen. In der Region München geht das an sechs Standorten, von denen allerdings vier in der Landeshauptstadt, einer am Rastplatz Fürholzen und einer am Flughafen liegen.

(Foto: dpa)

Um die Energiewende auch beim Verkehr voranzubringen, plant der Landkreis eine H2-Tankstelle - zunächst für eine bestimmte Zielgruppe.

Im Landkreis könnte es schon bald eine Tankstelle für Wasserstoff geben, vielleicht sogar deren zwei. Wie aus dem Landratsamt zu erfahren ist, gebe es bereits entsprechende Pläne, Teile des öffentlichen Nahverkehrs auf Wasserstoffnutzung umzustellen. Dies erklärte Landrat Robert Niedergesäß (CSU) Mitte vergangener Woche.

Eigentlich hatte der Landrat über ein anderes umweltfreundliches Verkehrsmittel gesprochen, den elektrisch betriebenen Linienbus, der seit dieser Woche in Grafing und Aßling im Einsatz ist. Dabei verwies Niedergesäß nicht nur auf das im Mai des vergangenen Jahres vorgestellte Elektromobilitätskonzept - Ziel ist, dass bis 2030 jedes zweite Fahrzeug elektrisch unterwegs ist - sondern sprach sich auch für weitere Innovationen beim Verkehr aus. Dazu wolle man die Nutzung von Wasserstoff ebenfalls voranbringen, so der Landrat.

Dass man im Landkreis neben der E-Mobilität auch weitere Optionen prüft, Benzin- und Dieselmotoren zu ersetzen, deutete sich bereits im Frühling an. Ende Mai konnte man den Landrat in einem mit Wasserstoff betriebenen Auto durch den Landkreis fahren sehen. Das Vehikel war eine Leihgabe eines Autohauses im nordwestlichen Landkreis, wo Wasserstoffautos zu kaufen sind. Wie Norbert Neugebauer, Büroleiter des Landrates erklärt, ging es darum, zu testen, ob sich ein solches Fahrzeug im alltäglichen Gebrauch für den Fuhrpark des Landratsamtes eignet.

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Wobei, so Neugebauer weiter, man das Potenzial für Wasserstofffahrzeuge eher nicht bei Personenautos sehe, sondern eher bei Bussen und bei Lastwagen. So könnte ein etwa per Brennstoffzelle angetriebener Bus durchaus ein Beitrag zu einem noch umweltfreundlicheren öffentlichen Nahverkehr sein - und eventuell Auftakt dazu, die Emissionen im Straßenverkehr im Landkreis deutlich zu reduzieren. Denn auch einige Lastwagenhersteller hätten Wasserstoff-Modelle entwickelt, bislang zwar noch nicht für den hiesigen Markt, die Einführung dürfte aber in den kommenden Jahren erfolgen. Bis dahin will man im Landkreis die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich auch hiesige Nutzer, etwa Spediteure, für den Brennstoffzellen-Lkw entscheiden.

Die bishergen Anlaufstellen für Ebersberger: Trudering oder Neuperlach

Wichtigster Punkt wäre dabei, dass es im Landkreis eine geeignete Tankstelle gibt. Denn wer derzeit sein Wasserstoffauto betanken will, muss entweder in die Kreillerstraße nach Trudering, nach Neuperlach in die Ottobrunner Straße oder gleich zum Flughafen fahren, dort liegen die drei nächsten H₂-Tankstellen. Für Pendler, die ohnehin aus dem Landkreis Ebersberg Richtung München fahren, mag dies vielleicht eine Option sein, für Spediteure und Busunternehmer eher nicht. Denn diese sind darauf angewiesen, ihre Fahrzeuge nahe am Einsatzort betanken zu können - und genau dies will der Landkreis nun ermöglichen.

Wie Neugebauer sagt, sei man bereits mit einigen Firmen im Gespräch, die im Landkreis eine Wasserstofftankstelle bauen und betreiben könnten. Die Erfahrung sei auch vorhanden, so Neugebauer, die Kandidaten hätten bereits solche Anlagen in Betrieb. Als Standort für die erste H₂-Tanke böte sich die Kreisstadt an, schließlich liege Ebersberg nahezu in der Mitte des Landkreises. Aber auch eine weitere Wasserstofftankstelle nördlich des Forstes und in der Nähe der Autobahn sei eine Option. Laut Neugebauer könnte zumindest die erste Anlage in zwei bis drei Jahren betriebsbereit sein - auch dank großzügiger Fördermittel. So könnten sich die Betreiber bis zu 50 Prozent der Baukosten aus Bundes- und Landesmitteln zurückholen.

Allerdings suche man derzeit noch eine Lösung für "das Henne-Ei-Problem", sagt Neugebauer. Denn nicht nur brauche es eine H₂-Tankstelle, damit auch jemand die entsprechenden Fahrzeuge in Dienst stellt, es braucht auch die Fahrzeuge, damit jemand eine solche Einrichtung baut und kostendeckend betreiben kann. Hier habe man auch schon bei Busunternehmern nachgefragt, so Neugebauer, die meisten seien durchaus aufgeschlossen - unter einer Bedingung: Sie würden in H₂-Fahrzeuge investieren, wenn sie nicht alleine auf den Mehrkosten sitzen bleiben. Möglich wäre hier etwa, bei der Ausschreibung von Buslinien einen Aufschlag zu zahlen, unter der Voraussetzung, dass die Strecke mit Wasserstoffbussen bedient wird - ob man dieses Geld ausgeben will, müssten aber die politischen Gremien entscheiden.

Die gute Nachricht dabei ist, die H₂-Flotten müssten gar nicht so groß sein. Laut der potenziellen Betreiber sei eine Wasserstofftankstelle bereits kostendeckend, wenn dort täglich vier bis fünf Linienbusse zu versorgen wären.

Einen möglicherweise ersten konkreten Schritt hin zur einer Wasserstoff-Infrastruktur haben die beiden Landkreise Ebersberg und München am Dienstag unternommen. Im Rahmen der gemeinsamen Energieagentur wurde die Erstellung eines entsprechenden Konzeptes auf den Weg gebracht. Darin soll es unter anderem um eine Abstimmung der Standorte für H₂-Tankstellen gehen, sagt Neugebauer, so dass diese in vernünftigen Abständen errichtet werden. Bei der Betreibersuche wollen die Landkreise zusammenarbeiten, genau wie bei der Akquise von Abnehmern, etwa Speditionen oder Busunternehmen. Auch für die Finanzierung ist ein solches Konzept nötig, es ist nämlich die Voraussetzung für den Erhalt von Fördergeld.

© SZ vom 21.08.2019/koei
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