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Nürnberg:Naturschützer reichen Beschwerde bei EU ein

Der hohe Flächenverbrauch und die industrielle Landwirtschaft mit ihrem massiven Einsatz an Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln sind die beiden zentralen Gründe, warum bedrohte Tierarten wie der Feldhamster auch in Bayern immer weniger Chancen haben. Der Bund Naturschutz (BN) hat deshalb jetzt Beschwerde bei der EU-Kommission gegen den Freistaat eingereicht. Der Feldhamster ist eine europaweit streng geschützte Art. Die EU-Mitgliedstaaten haben sich verpflichtet, Maßnahmen gegen das Aussterben der seltenen Tiere zu ergreifen. In Bayern ist man davon weit entfernt. Die Bestände in der Region zwischen Würzburg, Schweinfurt und Kitzingen gehen immer weiter zurück. Dabei ist diese Region die letzte überhaupt in Bayern, in der noch Feldhamster vorkommen. "Ziel unserer Beschwerde ist, dass der Freistaat endlich ein wirksames Schutzkonzept für den Feldhamster entwickelt", sagt BN-Chef Richard Mergner. Der Freistaat dürfe nicht länger gegen die Naturschutzvorgaben der EU verstoßen.

Feldhamster sind die einzige Art der Gattung Hamster, die in Europa vorkommen. Die Nagetiere sind etwa so groß wie Meerschweinchen und legen unter Äckern weit verzweigte Bauten an. Sie fressen Getreide und andere Feldfrüchte und sind im Winter in einem tiefen Winterschlaf. Feldhamster sind eng verwandt mit dem Syrischen Goldhamster, die als Haustiere sehr beliebt sind. Aus der Sicht von Naturschützern sind Feldhamster eine Leitart. Wenn sie sich in einer Region wohlfühlen, geht es dort auch vielen anderen Arten gut. BN-Chef Mergner betont deshalb: "Von einem guten Schutzkonzept für den Feldhamster würden viele andere seltene Arten der Agrarlandschaft profitieren." Allein die bisherigen Bemühungen fruchten nicht. Zwar hat der Freistaat vor bald 20 Jahren ein eigenes Artenhilfsprogramm für die Nagetiere aufgelegt. Dennoch geht deren Zahl weiter dramatisch zurück. Allein zwischen 2017 und 2019 hat sie sich nach Angaben des BN mehr als halbiert. Deshalb fordert der Naturschutzverband nun ein verbindliches Schutzkonzept für die letzten Lebensräume der Art in Bayern. Sie dürften nicht länger so intensiv bewirtschaftet werden von den Bauern wie bisher, sagt Mergner. Außerdem müsse dort unbedingt die Bautätigkeit eingeschränkt werden.

© SZ vom 11.05.2020 / cws

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